Juristische Zweifel: Abschiebung aus Gifhorn nachts gestoppt

Gifhorn.  Die Polizei bricht die Überstellung des 22-Jährigen in der Nacht zu Montag ab. Der Flüchtlingsrat geißelt Abschiebe-Zynismus.

Ben Bakayoko (22) hofft auf ein sicheres Familienleben mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Kind in Gifhorn.

Ben Bakayoko (22) hofft auf ein sicheres Familienleben mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Kind in Gifhorn.

Foto: Privat

Muss der vorbildlich integrierte ivorische Asylbewerber Ben Bakayoko Gifhorn nach drei Jahren verlassen, obwohl er im September mit seiner deutschen Lebensgefährtin ein Kind erwartet? Das Bundesamt für Flüchtlinge (BAMF) sieht den 22-Jährigen in der Pflicht, sein Verfahren gemäß europäischen Dublin-Asylrechts von Italien aus zu betreiben.

Die Gifhorner Polizei brach einen Überstellungsversuch Montag früh um 3 Uhr aus Zweifel an der Rechtmäßigkeit ab.

Geschäftsführer Kai Weber vom Landesflüchtlingsrat geißelte „Abschiebungs-Zynismus“, weil die Asylzuständigkeit in zwei Wochen ohnehin auf Deutschland übergehe. Ordnungs-Fachbereichsleiter Michael Funke vom Landkreis Gifhorn teilte mit: „Dem Personenkreis der Dublin-Fälle ist bekannt, dass ein anderer EU-Staat für ihr Asylverfahren zuständig ist. Der Kreis setzt lediglich Entscheidungen des BAMF um.“

Ben Bakayoko selbst ist verzweifelt: „Ich habe nur noch Angst. Ich kann seit Wochen nicht mehr schlafen.“

Er übernachtete gleichwohl wie behördlich verfügt zu Hause im Gifhorner Ortsteil Gamsen, als die Polizei unangekündigt klingelte. Der 22-Jährige flüchtete nicht etwa, sondern suchte das Gespräch mit den vier Beamten. „Ich habe alle Dokumente vorgelegt, die ich habe.“ Erst am Donnerstag sei die Aufenthaltsbescheinigung des Landkreises verlängert worden, dazu Vaterschafts- und Sorgerechtsdokumente. Bakayoko: „Die Polizei war sehr nett. Sie haben noch nachts beim Landkreis angerufen, aber niemanden erreicht.“ Daraufhin habe die Einsatzleiterin entschieden: „Das geht nicht.“ Die Beamten seien abgerückt. Für Polizeisprecher Thomas Reuter keine Überraschung: „Bei Zweifeln sind wir eher zurückhaltend, bevor wir etwas Unverhältnismäßiges mit Zwang durchsetzen.“

Manfred Torkler vom Unterstützungsverein Gifhorn hilft hebt Bakayokos überdurchschnittliche Integrationsleistung hervor: „Er spricht sehr gut Deutsch.“ Von Geschäftsführer Erich Gliemroth vom EDV-Service PC Teufel hat er sich schriftlich geben lassen, wie gut sich der junge Mann im Praktikum bewährte und wie gern er ihm bei amtlicher Genehmigung einen Ausbildungsplatz anbieten würde.

Flüchtlings-Lobbyist Weber betont, dass sich selbst Niedersachsens Innenministerium für einen Verbleib Bakayokos in Deutschland stark gemacht habe. Nur das BAMF erkenne keinen Härtefall – Integration allein reiche nicht.

Bakayoko gibt die Hoffnung nicht auf, in Gifhorn bleiben zu dürfen: „Ich muss bei meiner Freundin sein. Sie braucht mich. Es ist eine Risikoschwangerschaft.“

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