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Das Recht auf die Klitoris

Redakteurin Katharina Lohse

Man stelle sich vor, Frauen, die fünf Finger an jeder Hand haben, hätten keine Chance auf eine Heirat – denn nur Frauen mit drei Fingern (der göttlichen Zahl) pro Hand gälten als rein, als heiratsfähig. Würden dann allerorten Finger unter dem Hackebeil landen? Absurde Vorstellung? Aufgepasst. Die Realität ist schlimmer.

Wer das schöne Wort Wüstenblume hört, muss seit 1998 auch an die grausame Praxis der Genitalverstümmelung bei Frauen denken. Die Somalierin Waris Dirie beschrieb in ihrem gleichnamigen Buch ihr eigenes Schicksal. Ein Schicksal, das laut Unicef weltweit rund 125 Millionen Frauen und Mädchen teilen, vor allem im nördlichen Afrika, aber auch in südostasiatischen Ländern.

Eine patriarchale Praktik, die die Sexualität der Frauen unterdrückt. Für Männer aus diesen Kulturkreisen gilt es als Schande, eine unbeschnittene Frau zu heiraten. Auch in Deutschland sind zahlreiche Fälle bekannt. Laut Menschenrechtsverein Terre des Femmes sind nach jüngsten Zahlen von 2019 rund 70.000 Frauen von Beschneidung betroffen. Fast 700 Mädchen sind gefährdet, beschnitten zu werden – heimlich hierzulande oder im Ausland.

Diese Verstümmelung, das Entfernen der Klitoris und in vielen Fällen auch der Schamlippen, ist seit 2013 in Deutschland ein eigener Straftatbestand. Häufig ohne Betäubung durchgeführt, ist sie Ursache eines lebenslangen psychischen und physischen Leidens. Am heutigen Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung der UN-Menschenrechtskommission sei daran erinnert, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit alles andere als kulturelle Auslegungssache ist.

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