Braunschweig. Die Messe findet Ende Februar statt. Einen Vorgeschmack geben zwei Azubis des Ingenieurbüros Kuhn und Partner.

Der Trend ist nach wie vor ungebrochen: Trotz immer mehr freien Ausbildungsstellen geht die Anzahl an Bewerbern Jahr für Jahr zurück. Laut der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar gab es 2023/24 insgesamt 2286 freie Stellen, auf die lediglich 1502 Bewerberinnen und Bewerber kamen.

Unternehmen müssen kreativ werden, um junge Menschen noch zu erreichen. Ein Mittel ist die Braunschweiger Ausbildungsmesse „Mein Start in die Ausbildung 2024“, die am 27. Februar von 9 bis 12 Uhr im Eintracht-Stadion stattfindet. Dort stellen etwa 90 klein- und mittelständische Unternehmen dem Nachwuchs ihre Stellenangebote vor, vom Handwerk bis zum Bürojob.

Eines dieser Unternehmen ist das Ingenieurbüro Kuhn und Partner. Die Braunschweiger Firma bildet seit 1980 aus und beschäftigt derzeit 5 Auszubildende. In diesem Jahr sucht das Büro wieder Azubis im Bereich Bauzeichner für Hoch- und Tiefbau, kaufmännisches Büromanagement, IT-Systemelektroniker und Vermesser.

Ausbildungsstellen und Bewerber: eine entgegengesetzte Entwicklung.
Ausbildungsstellen und Bewerber: eine entgegengesetzte Entwicklung. © FMN | Jürgen Runo

Zwei Braunschweiger Auszubildende berichten

Bei der Auswahl kommt es dem Unternehmen vor allem auf zwischenmenschliche „Softskills“ an. „Wir achten bei unseren Bewerbern vor allem auf ein freundliches Auftreten, Menschlichkeit und ob sie Motivation ausstrahlen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Lars Kuhn. Das Motto bei der Personalsuche lautet: „Ich hab Bock.“ Der Chef trägt es auf dem Rücken seines Pullovers.

Bock hatte auch Margareta Damer. Die 30-Jährige macht eine Ausbildung zur Bauzeichnerin im Tiefbau. Sie studierte zunächst Bauingenieurswesen an der TU Braunschweig und merkte dann, dass ihr die praktische Arbeit mehr liegt. „Das war ein großer Schritt, aber es war die richtige Entscheidung“, sagt sie.

In Ihrer Ausbildung lernt sie, die Berechnungen der Ingenieure mit digitalen Programmen zu visualisieren und somit vorstellbar zu machen. Aktuell arbeitet sie an Plänen für ein Umspannwerk im Auftrag eines Energiedienstleisters. Dabei zeichnet sie Genehmigungsplanung, Anlagenlayouts, Straßenplanungen und mehr. „Mir gefällt die Arbeit im Team mit den Ingenieuren, das Zusammenspiel aus Zuarbeit und Abgeben von Arbeit.“ Da sie die einzige Auszubildende in ganz Braunschweig als Bauzeichnerin im Tiefbau ist, fährt sie einmal pro Woche für die schulische Ausbildung nach Hannover. Der freundschaftliche Umgang sei es auch gewesen, der sie beim Vorstellungsgespräch vom Unternehmen überzeugte.

Auch dem Auszubildenden für Büromanagement, Philipp Salomo, gefällt der zwischenmenschliche Umgang im Betrieb. Er machte zunächst seinen Realschulabschluss, dann Abitur und studierte dual bei einem großen Konzern. „Da hatte ich aber das Gefühl, dass ich nur eine Nummer bin. Hier ist das anders“, sagt der 25-Jährige über die Arbeit im 113 Mitarbeiter zählenden Unternehmen. Sein Arbeitsalltag sei vielseitig. Er muss Rechnungen eintragen und weiterleiten, Sammelüberweisungen überprüfen, Materialien einkaufen, Tabellen anlegen und das Telefon im Auge behalten. Im ersten Lehrjahr ist er zweimal in der Woche an der Otto-Bennemann-Schule.

Arbeitsmarkt hat sich verändert: Unternehmen werben um Auszubildende

Für das Unternehmen war ihr Wechsel vom Studium zur Ausbildung kein Problem. Im Gegenteil. „Das Vorwissen ist natürlich positiv für uns“, sagt Co-Geschäftsführer Stephan Elias. Gleichzeitig gebe es auch Auszubildende, die später studieren. „Ein ehemaliger Auszubildender hat später studiert und ist heute Teamleiter bei uns“, sagt Kuhn.

Auch wenn sie mit den aktuellen Azubis zufrieden sind, so sei die Situation in den letzten Jahren auf dem Arbeitsmarkt schwieriger geworden, so Co-Geschäftsführer Elias: „Früher war das Angebot größer und der Fachkräftemangel betrifft vor allem auch Unternehmen in der Expansion.“ Da das Unternehmen jedoch vor allem Energiewende-Projekte realisiere, sei es durch eine sinnstiftende Arbeit für die Mitarbeiter im Vorteil.

Mit den beiden Auszubildenden tritt das Unternehmen auf der Auszubildendenmesse auf. Das Motto lautet Speedating. Die Nachwuchskräfte können mit vielen Arbeitgebern sprechen. Oft steht am Ende direkt eine Bewerbung oder eine Einladung zum Schnupperpraktikum. Auch Kuhn und Partner bietet bereits Schülern Praktika an. Der Fachkräftemangel hat das Kräfteverhältnis auf dem Arbeitsmarkt zugunsten der Bewerber verschoben. „Die Chancen für junge Menschen am Ausbildungsmarkt sind so gut wie noch nie“, sagt Kerstin Kuechler-Kakoschke, Leiterin der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar. „Wer heute eine betriebliche Ausbildung anstrebt, wird teilweise von den Ausbildungsbetrieben regelrecht umworben.“

Weitere Informationen zur Ausbildungsmesse unter www.ausbildungsstart.com