Braunschweig. Schon nach einem halben Jahr verlässt die Amtsleiterin die Behörde. Die Stelle wird neu ausgeschrieben. Doch Amtsärzte sind rar.

Ihre Amtzeit als Leiterin des Braunschweiger Gesundheitsamtes währte nur wenige Monate: Wie die Stadt auf Nachfrage bestätigt, verlässt Dr. Kerstin Sehrt zum Ende des Jahres die Behörde. Gründe nennt die Stadtverwaltung nicht. Eine Nachfolge, so Pressesprecher Rainer Keunecke, stehe noch nicht fest. Die Stelle solle in Kürze öffentlich ausgeschrieben werden.

Mit Kerstin Sehrt, die seit 2020 den Kinder- und Jugendärztlichen Dienst geleitet hatte und erst im Mai an die Spitze des Gesundheitsamtes aufgerückt war, sollte nach den stark belastenden Pandemie-Jahren wieder Aufbruchstimmung in das Amt einkehren. Zumal nicht nur die Pandemie, sondern auch eine Personalie die Arbeit im Gesundheitsamt überschattet hatte:

Amtsleitung seit 2020 zum dritten Mal neu zu besetzen

Sehrts Vorgänger, der ebenfalls erst im Herbst 2020 angetreten war, wurden wegen bezahlten Sex‘ mit einer Minderjährigen zu einer Geldstrafe verurteilt, erhielt während eines laufendenden Diziplinarverfahrens Hausverbot und leitete das Amt ein Jahr lang aus dem Homeoffice, bevor er im Januar vorzeitig in den Ruhestand versetzt wurde.

Leicht dürfte eine Neubesetzung der Position nicht werden. Amtsärztinnen und Amtsärzte sind begehrte Mangelware. Stellen für Ärzte im öffentlichen Gesundheitswesen zu besetzen, sei generell schwierig, so Keunecke. Die Stadt suche deshalb nicht nur Ärzte mit der nötigen Facharzt-Qualifikation, sie sei auch offen für Interessenten, die sich verpflichten, die Weiterqualifikation berufsbegleitend und auf Kosten der Stadt nachzuholen.

Amtsarzt für Kinder- und Jugendärztlichen Dienst gesucht

Laut Keunecke ist aktuell eine weitere Amtsarzt-Stelle im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst unbesetzt. Für eine Vakanz im Sozialpsychiatrischen Dienst sei gerade ein Arzt eingestellt worden.

Um das Fehlen von Amtsärzten zu kompensieren, hatte die Stadt Braunschweig in der Vergangenheit sogar mit den Landkreisen Wolfenbüttel und Helmstedt kooperiert. Die Kommunen unterstützten einander bei Aufgaben, die nur Amtsärzte übernehmen dürfen. Dazu zählt etwa die Unterzeichnung von Gutachten.

Um Amtsärzte zu gewinnen, schöpfe die Stadt darüber hinaus alle tarif- und dienstrechtlichen Möglichkeiten aus, erklärt Rainer Keunecke weiter. Zusätzlich zum Tarifgehalt biete Braunschweig eine monatliche Facharztzulage in Höhe von 300 Euro, wie sie der Kommunale Arbeitgeberverband Niedersachsen wegen der prekären Personallage zugesteht.

Corona-Quarantäne: Antragsflut wegen Entschädigungen

Obwohl die Pandemie ihren Höhepunkt überschritten hat, ist das Kapitel für das Gesundheitsamt längst nicht geschlossen. Im großen Umfang, heißt es, seien Anträge auf Entschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz für quarantänebedingte Arbeitsausfälle abzuarbeiten. Außerdem leide das Gesundheitsamt aktuell unter erheblichen Personalausfällen wegen Infektionskrankheiten, auch Corona.

Zu einer spürbaren Arbeitsverdichtung führe zudem eine steigende Nachfrage etwa nach Gutachten neben immer neuen Aufgaben. Als ein Beispiel nennt das Amt die Umsetzung des Masernschutzgesetzes.