Braunschweig. Am Set bei James Bond: Schauspieler Ludger Pistor spricht im Astor Kino. Da haben alle viel Spaß.

Als Schauspieler Ludger Pistor zum ersten Drehtag beim James- Bond-Film „Casino Royale“ angereist war, kam ein Herr in seine Garderobe. „Er brachte Wodka und Martini, einen Shaker und einen Stadtplan von Prag und redete und redete. Irgendwann fragte ich, welche Aufgabe er hat. Er sagte: Ich bin ihr Unterhalter. Ich hatte auch eine persönliche Assistentin. Sie fragte: Wollen Sie mal einen Apfel essen? Soll ich das Essen warmstellen? Die behandeln einen wie einen Gott.“

Der 64-Jährige, beeindruckende 1,94 Meter groß, war am Samstag im Astor Filmtheater in Plauderlaune. Der größte Saal war mit 440 Zuschauern voll besetzt. Bevorzugte Bekleidung: Anzug oder glitzerndes Abendkleid. Denn es war wieder mal „Mission Bond“. Der Braunschweiger Bond-Experte Danny Morgenstern zelebrierte zum zehnten Mal das 50. Jubiläum eines 007-Films, diesmal von „Leben und sterben lassen“, dem Debüt von Roger Moore.

Spielberg, Tarantino, Connery - auf Tuchfühlung mit den ganz Großen

Zu jedem 50. Jubiläum veröffentlicht Morgenstern ein unterhaltsames Sachbuch mit Fakten und Insiderwissen (Auflage: 1007 Exemplare) und erzählt vor dem Film mit Gästen. Von Ludger Pistor, in „Casino Royale“ als Schweizer Privatbankier zu erleben, hatte er sich vorab 40 Filme angesehen und zeigte Ausschnitte. So plauderten die beiden etwa über Regisseur Steven Spielberg. „Er ist sehr schüchtern – und er weiß, dass die Leute nervös sind, wenn sie mit ihm drehen. Deshalb bemüht er sich, so zu tun, als ob er nicht da wäre. Er ist nicht sehr groß, hat einen Anorak an und sieht aus wie ein Techniker, der an den Kabeln arbeitet.“

Ludger Pistor hatte in „Schindlers Liste“ kaum Text. Doch bei drei Proben vergaß er ihn. „Eine Dampflok fuhr vorbei. Das hat mich so irritiert.“ Spielberg kommentierte das nicht. Er veränderte stattdessen Kamera und Licht. „Er wusste: Der ist übernervös.“ Über Quentin Tarantino erzählte Pistor: „Er ist der einzige Regisseur der Welt, der einen DJ am Set hat. Wird nicht gedreht, läuft ständig Musik. Die Schauspieler behandelt er wie Zucker. Als er mich sah, hob er mich freudig hoch.“

Über Sean Connery, mit dem er in „Im Namen der Rose“ spielte, berichtete er: „Der war sehr freundlich. Er grüßte immer, wenn man an ihm vorbei lief, und aß für sein Leben gern Lachs.“ Loriot hingegen erlebte er beim Dreh als großes Kind. „Er führte Regie und spielte. Meistens fand er seine Darstellung nicht gut. Er entschuldigte sich immer, dass es noch mal gedreht werden soll. Eine tolle Atmosphäre.“

Am Ende eine Feier mit Bond-Cocktails und Musik

Der glamouröse Bond-Dreh war natürlich auch ein Thema: „Die schmeißen das Geld mit vollen Händen raus.“ Nach Szenen mit oft bis zu 25 Klappen flog Ludger Pistor noch einmal zu einer Nachsynchronisation nach London. Ein Fahrer brachte ihn im 600er-Mercedes nach Soho. „Er sagte: Ich warte, Sie haben mich den ganzen Tag. Wir können noch shoppen gehen. Über die Szene hieß es anschließend: Ach, wisst ihr, im Original war es doch schöner.“

Weitere Bühnengäste waren Bernd Rehn und Ralf Keil, die amüsant über die Herausforderung erzählten, für zwei Bond-Filme Waffen, Raketen und Helikopter zu liefern. Und dann begann der Klassiker mit Gimmicks wie einer Armbanduhr mit Kreissäge, einer Bürste mit Morsecode-Funk und einem Lauf über Krokodile. Anschließend wurde bis morgens mit Bond-Cocktails und Musik gefeiert.