Braunschweig. Unglück mit Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung: Wir sprechen unabhängig vom Fall in Wenden mit Torge Malchau über die Sicherheit.

Tödliches Drama am Mittwoch dieser Woche in Wenden: Mutmaßlich ist es eine Vergiftung mit Kohlenstoffmonoxid (CO), der in einem Wohnhaus ein Ehepaar und drei Hunde zum Opfer fallen. Über den Fall und darüber hinaus aber vor allem über die Gefahren des tödlichen Gases sprechen wir im Interview mit Braunschweigs Feuerwehrchef Torge Malchau.

Was ist passiert?

Die Feuerwehr wurde alarmiert: Verdacht auf hilflose Personen in der Wohnung. Wir führen zu solchen Einsätzen standardmäßig Warngeräte auch auf Kohlenstoffmonoxid (CO) mit. Dieses hat ziemlich schnell angeschlagen, gleich beim Betreten der Wohnung konnte eine hohe Konzentration gemessen werden. Die Wohnung wurde dann mit Atemschutz begangen, um die Eigengefährdung auszuschließen. Dann wurden das Ehepaar und die drei Hunde tot aufgefunden.

Es wird spekuliert, eine defekte Gasheizung könne die Ursache sein.

Diese Spekulationen kenne ich, kann aber nichts dazu sagen. Es ist Aufgabe der Polizei, wegen der unnatürlichen Todesursache zu ermitteln.

Der Polizeisprecher verweist auf die laufenden Ermittlungen, was wir respektieren. Lösen wir uns also einmal ausdrücklich von diesem konkreten Fall und sprechen bitte allgemein über die Gefährlichkeit von Kohlenstoffmonoxid.

Es ist ein sehr gefährliches Gas mit hoher Toxizität (Giftigkeit), das bei Verbrennungsprozessen als Rauchgas entsteht. Die Wirkungsweise: Beim Einatmen bindet es sich an die roten Blutkörperchen im Blut, die dann keinen Sauerstoff mehr aufnehmen können. Dadurch kommt es relativ schnell zum Ersticken.

Man bemerkt es nicht?

Das ist richtig, weil das Kohlenstoffmonoxid ein farbloses, geruchloses Gas ist. Es mischt sich in die Umgebungsluft, ohne dass man es mitbekommt. Und die ersten Anzeichen, wenn man einer erhöhten Konzentration ausgesetzt ist, sind Müdigkeit, unklares Unwohlsein. Wenn die Konzentration ansteigt, tritt sehr schnell Bewusstlosigkeit ein.

Was empfehlen Sie, ganz allgemein?

Das Wichtigste: Immer dann, wenn man Verbrennungsstätten im Haus hat, darf man an ihnen auf keinen Fall selbst herummanipulieren, keine Reparaturen oder Veränderungen vornehmen. Dies muss dem Fachmann vorbehalten bleiben, zudem findet nach der Feuerstättenverordnung eine regelmäßige Überprüfung durch den Schornsteinfeger statt. Wenn man sich regelmäßig in der Nähe von Verbrennungsstätten aufhält, dann empfehlen wir ganz deutlich die Installation eines Kohlenstoffmonoxid-Warngerätes.

Was ist dazu zu sagen?

Solche CO-Melder schauen aus wie klassische Rauchmelder, stellen jedoch fest, wie viel Kohlenstoffmonoxid im Raum ist und warnen dann. Ich persönlich habe beispielsweise im Wohnzimmer auf dem Kaminofen ein solches Gerät stehen und empfehle eine solche Anschaffung auch. In den letzten Jahren sind solche Melder übrigens deutlich preisgünstiger geworden, mittlerweile liegen sie zwischen 25 und 50 Euro.

Wie oft kommt es denn überhaupt in der Praxis zu Feuerwehr-Einsätzen in Zusammenhang mit Kohlenstoffmonoxid?

Zum Glück selten, das muss man deutlich sagen. Wir haben ein gut funktionierendes Schornsteinfegerwesen als Kontrollinstanz. Das gewährleistet eine hohe Sicherheit. In früheren Zeiten gab es häufiger Zwischenfälle, als es noch viele Kohleöfen gab. Zudem sind heute schlicht die Detektionsmöglichkeiten besser. Aber es kann vorkommen! Schäden an einer Heizungsanlage sind möglich, um so wichtiger ist neben der Kontrolle auch die regelmäßige Wartung.

Was ist für Sie das Wichtigste, wieder im Sinne von wichtigen allgemeinen Hinweisen gefragt?

Noch einmal: die Heizungsanlage von Fachleuten warten lassen, nicht selbst drangehen. Das betrifft tatsächlich alle Arten von Heizungen, die Fernwärme mal ausgenommen. Bei Feuerungen jeglicher Art kann man den beschriebenen CO-Warnmelder nur dringend empfehlen, um vor dem geruchlosen, hochgiftigen Gas rechtzeitig gewarnt zu werden. Sinnvoll sind solche Melder immer dann, wenn sich Feuerstellen wie Gasherde, Kamine oder Heizungen in geschlossenen Räumen befinden.