Braunschweig. Zählerstände für Strom, Gas, Wasser kann man jetzt digital melden. Seitdem stehen die Telefone beim Netzbetreiber nicht mehr still. Was ist los?

Mit den notwendigen „Digitalisierungsschüben“ ist es nicht ganz so einfach, wie bereits die massiven Schwierigkeiten rund um die geforderte Grundsteuererklärung gezeigt haben. Jetzt sammelt auch BS-Netz, Betreiber der Strom-, Gas-, Fernwärme- und Wassernetze in Braunschweig, Erfahrungen mit so einem Digitalisierungsschub.

Es geht um die „Aufforderung zur turnusmäßigen Jahresablesung“, die in diesen Tagen den Braunschweigerinnen und Braunschweigern in die Haushalte flattert.

Leitungen stehen nicht mehr still – BS-Netz bittet „um Entschuldigung und um Verständnis für die Situation“

Man kennt das ja: Ablesen der Zählerstände! Doch diesmal geht es beim Kunden zuhause nicht nur um die alljährliche Frage, wo denn eigentlich die Ablese-Armaturen zu finden beziehungsweise versteckt oder verdeckt sind und – falls im Keller oder Absteller gefunden – welche wo genau für Strom und Gas und Wasser es wohl sind. Und dann ist da ja auch noch dieser Gartenwasserzähler, falls man einen hat. Auch geht’s hier nicht darum, welche Stellen vor und nach dem Komma denn nun entscheidend und wie einzutragen sind. Eigentlich alles ganz einfach. Das kennt man.

Nun aber geht’s um Digitalisierung. Das Schreiben von BS-Netz ziert so ein QR-Code. Eigentlich nichts Besonderes, im Grunde genommen doch nur ein leichterer Weg, die Internet-Anschrift www.bs-netz.de zu finden. Tja, und dort unter diesem Link eben mal ganz schnell die aktuellen Zählerstände einzugeben.

Doch so einfach ist es offensichtlich doch nicht. Derzeit sind beim Braunschweiger Netzbetreiber BS-Netz alle Leitungen überlastet. Das Unternehmen teilt aktuell mit, man werde den zahlreichen Anrufen und E-Mails „zeitnah nachkommen“. Die betroffenen Kundinnen und Kunden bitte man „um Entschuldigung und um Verständnis für die Situation“.

Tatsächlich herrscht offenbar Unklarheit über Notwendigkeit, Umstände und Details des Digitalisierungsschubs. „Bitte helfen Sie uns, Umweltschutz und Digitalisierung voranzutreiben, und nutzen Sie den QR-Code für die Erfassung Ihrer Zählerstände“, heißt es in der „Aufforderung zur turnusmäßigen Jahresablesung“.

Im Anschreiben an die Kunden bietet BS-Netz viel Service, möglicherweise ein bisschen viel Service

Möglich, dass der QR-Code, ein zweidimensionales Muster binärer Informationen mit labyrinthischer Anmutung, den einen oder anderen durchaus überfordert. Man benötigt idealerweise ein Smartphone mit Kamera, um komfortabel in die gewünschte Online-Anwendung zu gelangen.

Möglich aber auch, dass das Anschreiben, das noch zahlreiche Alternativmöglichkeiten zur Zählerstandsmeldung verheißt, durchaus geeignet ist, Fragen aufzuwerfen.

So enthält es neben dem QR-Code auch noch den Hinweis auf ein „Online-Formular unter https://www.bs-netz.de/kundenablesung“ oder „per E-Mail an “ oder für einen Gartenwasserzähler noch die Adresse oder aber: „nutzen Sie die Online-Zählerstandseingabe im Kundenportal von BS-Energy unter https://meinportal.bs-energy.de

Dass es sehr viel einfacher geht, steht übrigens auch noch drin, allerdings ein bisschen versteckt: „oder per Post“. Ganz einfach: Füll’ doch einfach diese Kästchen für Strom, Wasser und Gas mit Kugelschreiber aus – und ab in den Briefkasten damit. So geht allerdings kein Digitalisierungsschub.

Gut möglich, dass auch die derzeitige allgemeine Verunsicherung über Energiepreise, Energieversorger und staatliche Energiepreisdeckel samt komplexer Kosten- und Abschlagsermittlung hier eine Rolle gespielt hat. Mancher Kunde hat da mitunter den Überblick angesichts einer wahren Flut von Mitteilungen verloren.

BS-Netz jedenfalls sieht Aufklärungsbedarf. „Auch wenn BS-Netz seit vielen Jahren im Bereich der Zählerablesung tätig ist und über viel Erfahrung verfügt, ist die Digitalisierung der Zählerablesung mit einigen Herausforderungen verbunden“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung von Gründonnerstag-Nachmittag und ganz oben auf der Homepage. „Obwohl die Zählerstandsmitteilung via QR-Code von den Braunschweiger Bürgerinnen und Bürgern sehr gut angenommen wird, ist die telefonische Rückmeldequote sowie auch die per E-Mail höher als erwartet“.

Rollenverteilung im deutschen Energiemarkt: „Grundzuständiger Messstellenbetreiber“ ist „Ansprechpartner für alle Themen rund um den Zähler“

Wichtig sei deswegen auch eine Hintergrundinformation zur „Rollenverteilung auf dem Energiemarkt“. Das jeweilige Energieversorgungsunternehmen sei für die Belieferung seiner Kunden mit Energie verantwortlich. Netzbetreiber wie BS-Netz in Braunschweig koordinierten indes Transport und Verteilung der Energie zu den Verbrauchern und arbeiteten dabei mit allen im Marktgebiet tätigen Lieferanten.

Mit BS-Netz schließe der jeweilige Gebäudeeigentümer einmalig einen Netzanschlussvertrag. Den Netzbetreiber könne man im Übrigen nicht wechseln, da er ein zeitlich begrenztes, örtliches Monopol habe. Auch nach einem Wechsel des Energieversorgungsunternehmens bleibe der Netzbetreiber noch derselbe.

In den meisten Fällen, so auch in Braunschweig, sei der Netzbetreiber übrigens auch „grundzuständiger Messstellenbetreiber“. Mithin neben dem Netzbetreiber selbst, falls nicht identisch, und dem jeweiligen Energieversorgungsunternehmen „ein weiterer Akteur des deutschen Energiemarktes“.

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Der grundzuständige Messstellenbetreiber, also in Braunschweig auch der Netzbetreiber, „ist für den Einbau, den Betrieb und die Wartung der Strom- oder Gaszähler verantwortlich“. Zudem sei er eben auch noch „Ansprechpartner für alle Themen rund um den Zähler, wie beispielsweise die Ablesung des Zählerstands“.

Eigentlich ja alles ganz einfach auf dem deutschen Energiemarkt und beim Zählerablesen.

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