Klebe-Aktion, Polizeieinsatz

Zwischenfall am Rand der Braunschweiger Klima-Demonstration

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Symbolische Tube Klima-Kleber am vergangenen Freitag auf dem Bohlweg in Braunschweig.

Symbolische Tube Klima-Kleber am vergangenen Freitag auf dem Bohlweg in Braunschweig.

Foto: Bernward Comes

Braunschweig.  Wurde ein Journalist mit unangemessener Härte behandelt? Hat er die Beamten angegriffen? Das ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen.

Eigentlich war die Fridays-For-Future-Demonstration am vergangenen Freitag in der Braunschweiger Innenstadt mit rund 1000 Teilnehmern ohne Zwischenfälle verlaufen. Auch der von der Polizei unterbundene Versuch einer Festklebe-Aktion von drei Mitgliedern der „Letzten Generation“ im Bereich Bohlweg/Georg-Eckert-Straße wäre kaum noch einmal erwähnt worden.

Zuvor hatte es am vergangenen Freitag Täuschungs- und Ablenkversuche der Klima-Aktivisten gegeben, die für einige Verwirrung sorgten. So sah es zunächst so aus, als wollte man sich am Bohlweg in Höhe der Gaststätte „Lindi“ festkleben. Dann jedoch startete die Aktion am Bohlweg/Georg-Eckert-Straße zwischen Schloss und leerstehendem Galeria-Gebäude. Auch dort standen Fotografen bereit.

Polizei: Gegen den Beschuldigten wird wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt

Jetzt gibt es Vorwürfe gegen die Braunschweiger Polizei, sie habe dort im Zuge dieser Aktion einen Journalisten, der das Wegführen einer Aktivistin durch Beamte fotografieren wollte, angegriffen, mit unangemessener Härte behandelt und ihn zu Boden gezwungen. Dabei habe ein Knie auf seinem Hals gelegen, so dass dieser für kurze Zeit keine Luft bekommen habe.

Der Journalist, ein 18-Jähriger, der sich mit Presseausweis der Jungen Presse Niedersachsen (JPN) ausweisen kann, gilt mittlerweile als Beschuldigter. Gegen ihn werde wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt. Er habe einen Polizeibeamten, der einer Kollegin zu Hilfe eilen wollte, ans Schienbein getreten und ihn dabei leicht verletzt, so die Braunschweiger Polizei.

Der Journalist sagte unserer Zeitung, er habe die Vorgänge rund um die Festklebe-Aktion fotografieren wollen, sei von Polizeibeamten daran gehindert und zurückgedrängt worden und habe sich von einem bestimmten Punkt an „nicht mehr wegschieben lassen wollen“, um seiner journalistischen Tätigkeit im öffentlichen Interesse nachzugehen. Die Polizei teilte auf Anfrage mit, der 18-Jährige habe sich auf der Georg-Eckert-Straße im Nahbereich zur Polizeiaktion befunden und sei aufgefordert worden, auf den Fußweg zu gehen. Dieser Aufforderung sei er nicht nachgekommen.

Andreas Hoffmann (Grüne) will jetzt „den Fall mit meinen Kollegen im Landtag genau prüfen“

Was sich genau abspielte, ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen. Nach Darstellung der Polizei musste der 18-Jährige, „um weitere Angriffe zu unterbinden mittels eines Kopfkontrollgriffs zu Boden gebracht werden“. Im weiteren Verlauf sei sein Kopf von einem Polizeibeamten mit dem Knie belastet worden, um ein Aufstehen oder eine Körperdrehung zu verhindern. Hierbei sei kein Druck auf den Hals, die Atemwege oder Blutgefäße ausgeübt worden.

Der Braunschweiger Landtagsabgeordnete der Grünen, Andreas Hoffmann, hatte angekündigt, er werde „den Fall mit meinen Kollegen im Landtag genau prüfen“. Ihm liege ein Video der Festnahme vor, das aus seiner Sicht Fragen aufwerfe.

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