Das Goldene Herz

Braunschweiger Patenprojekt stärkt Kinder

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Kinderpaten-Projekt  des Braunschweiger Vereins Der Weg: links die angehende Patin Marisa Zanghirella, die sich als erfahrende Tagesmutter auf eine Patenschaft für ein drei- bis sechsjähriges Kind freut, rechts Gerd Osterloh, im Verein für das Projekt verantwortlich.

Kinderpaten-Projekt des Braunschweiger Vereins Der Weg: links die angehende Patin Marisa Zanghirella, die sich als erfahrende Tagesmutter auf eine Patenschaft für ein drei- bis sechsjähriges Kind freut, rechts Gerd Osterloh, im Verein für das Projekt verantwortlich.

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung

Braunschweig.  Zuverlässige Bindungen sind wichtig. Der Braunschweiger Verein „Der Weg“ bringt Ehrenamtliche und Kinder in Patenschaften zusammen.

Einfach mal die Zähne zusammenbeißen? Das ist ein Rat und stiller Vorwurf, gegen den sich womöglich viele Menschen verwahren müssen, die unter einer psychischen Erkrankung leiden. Er kommt von Freunden und Verwandten. Aus ihm spricht Unverständnis. Und er macht einsam. „Bei psychischen Erkrankungen bröckelt oft auch der familiäre Anschluss“, weiß Gerd Osterloh, Mitarbeiter des Braunschweiger des Vereins Der Weg für gemeindenahe sozialpsychiatrische Hilfen.

Für Kinder in betroffenen Familien kann das bedeuten: Sie durchleben mit ihren Eltern nicht nur die Belastungen durch eine psychischen Erkrankung, sondern ebenso Isolation und Vereinsamung. Und gerade deshalb seien Patenschaften so wichtig, sagt Osterloh. Im Paten-Projekt des Vereins treffen sich Ehrenamtliche einmal pro Woche mit ihrem Patenkind, um gemeinsam einen unbeschwerten Nachmittag zu verbringen.

Resilienz der Kinder stärken

Denn bekannt ist, dass diese Kinder ein erhöhtes Risiko haben, selbst psychisch zu erkranken. Davor schützen kann laut Osterloh eine zuverlässige und dauerhafte Beziehung zu einem Erwachsenen – seien es Großeltern, eine nette Nachbarin oder eben Paten. In der Prävention seien langfristig angelegte Patenschaften sogar der einzig sinnvolle Ansatz, um die Widerstandskraft – die Resilienz – dieser Kinder zu stärken und damit ihre psychische Gesundheit zu fördern.

Zuverlässigkeit ist das Wort, das Osterloh betont. Weil Eltern, die von einer psychischen Erkrankung betroffen seien, genau das trotz bester Absichten nicht jederzeit gewährleisten könnten. Weil es zum Krankheitsbild etwa einer Depression gehöre, die Zähne nicht mehr zusammenbeißen zu können.

300 Klienten betreut der Verein aktuell

22 Patenschaften hat der Verein Der Weg bereits vermittelt, drei weitere sollen bald hinzukommen. Gerd Osterloh freut dieser Erfolg. Der Bedarf sei ungebremst. Rund 300 Klienten betreut der Verein – darunter Alleinerziehende oder Familien, in denen ein Elternteil psychisch erkrankt ist.

Wichtig ist: Die Treffen zwischen Paten und Kindern sollen abseits des Familienlebens stattfinden. Kinder, die zu Hause früh Verantwortung übernehmen müssen, in die Rolle eines Erwachsenen hineingeraten, sollen kindlichen Spaß erleben – ob auf dem Spielplatz, im Kino oder beim Plätzchen backen. Das jüngste Patenkind ist zurzeit anderthalb, das älteste 17 Jahre alt.

Patenschaft kostet im Jahr 1500 Euro

Selbst während der Pandemie habe sich das Projekt gut weiterentwickelt. „Immer wieder haben sich bei uns spontan Paten gemeldet“, berichtet Osterloh. Doch wie so vieles steht und fällt auch dieses Projekt mit dem Geld. „Wir haben eine Größenordnung erreicht, bei der wir finanziell an unsere Grenzen kommen.“ Inklusive Aufwandsentschädigung, Schulung und Begleitung koste eine Patenschaft im Jahr 1500 Euro.

So würden angehende Paten in fünf Blöcken etwa darin geschult, Krankheitsbilder und ihre Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung zu verstehen. „Wenn ein Kind schnell wieder nach Hause will, sollte das nicht als Ablehnung fehlinterpretiert werden“, nennt Osterloh eine Standardsituation. Vielmehr könne es auch bedeuten, dass sich das Kind um die Eltern daheim sorge. Die professionellen Begleiter des Projekts steht Paten in solche Fragen als Ansprechpartner jederzeit zur Seite.

Spenden zur Sicherung des Paten-Projekts

Darüber hinaus erhält jeder Pate und jede Patin monatlich pauschal 50 Euro als Aufwandsentschädigung – sei es für Fahrtkosten oder Kinokarten.

Spenden will der Verein vor allem zur Sicherung des Paten-Projekts nutzen, das auf langfristige Bindungen angelegt ist. „Mit 4500 Euro könnten wir eine Patenschaft drei Jahre finanzieren.“

Eine Grundfinanzierung gewährleistet die Stadt Braunschweig, darüber hinaus unterstützt der vom Lions Club Braunschweig gegründete Verein „Eine Region für Kinder e.V.“ das Projekt mit Spenden. „Doch machen wir uns Gedanken über die langfristige Finanzierung.“ Denn was wäre für die Kinder schlimmer, als einmal mehr erfahren zu müssen, dass auf Menschen kein Verlass ist?

So können Sie spenden

Spenden sind möglich auf das Konto der Aktion unter dem Stichwort „Das Goldene Herz“. Alle Spenden kommen ohne Verwaltungsaufwand den Projekten zugute. Einzahlungen bei allen Banken und Sparkassen auf das Spendenkonto des Paritätischen Braunschweig bei der Braunschweigischen Landessparkasse:

IBAN: DE53 25050000 0000300616

BIC: NOLADE2HXXX

Geben Sie auf Ihrer Überweisung Ihre Anschrift für eine Spendenquittung an. Bis 300,- Euro gilt der Überweisungsträger als Quittung. Die Namen der Spender veröffentlichen wir in unserer Zeitung auf der Leser-Seite. Wer das nicht möchte, schreibt bitte zusätzlich in den Verwendungszweck das Wort „Anonym“.

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