Berufsorientierung

Ausbildung, Studium...? So geht’s: Vocatium-Messe in Braunschweig

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Bei der Vocatium-Fachmesse für Ausbildung und Studium in der Volkswagen-Halle in Braunschweig sprechen am Stand des Herzogin-Elisabeth-Hospitals Annika Hess, Alicia Helmdach und Jolyne Benzmann miteinander.

Bei der Vocatium-Fachmesse für Ausbildung und Studium in der Volkswagen-Halle in Braunschweig sprechen am Stand des Herzogin-Elisabeth-Hospitals Annika Hess, Alicia Helmdach und Jolyne Benzmann miteinander.

Foto: Bernward Comes

Braunschweig.  Die Messe zur Berufsorientierung öffnet diesen Mittwoch und Donnerstag in der VW-Halle. 85 Aussteller informieren Schülerinnen und Schüler.

Persönliche Gespräche über Ausbildung, Studium, Praktikum und mehr – die „vocatium-Messe“ zur Berufsorientierung öffnet an diesem Mittwoch und Donnerstag, 6./7. Juli, von 8.30 bis 15 Uhr in der Volkswagen-Halle. 85 Aussteller informieren Schülerinnen und Schüler über Möglichkeiten nach dem Schulabschluss. Der Eintritt ist frei und ohne Voranmeldung möglich.

Das Vortragsprogramm gibt es unter www.erfolg-im-beruf.de. Veranstaltet wird die „vocatium“ vom Institut für Talententwicklung (IfT) in Kooperation mit der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar und dem Arbeitgeberverband Region Braunschweig (AGV). „Knapp 11.000 Gesprächstermine mit rund 3600 Schülerinnen und Schülern wurden bereits vereinbart“, teilt das IfT mit. „Die Erfahrung zeigt: Darüber hinaus werden viele weitere Hunderte Interessierte die Messe spontan besuchen.“ Nahezu alle Schulen der Region nähmen mit ihren Vorabgangsklassen jährlich an der Veranstaltung teil.

Offene Plätze für Duales Studium: Wirtschaftsinformatik, Handel, Steuern, Digital Marketing

In einer Pressemitteilung äußern sich die Partner und einige Aussteller. AGV-Geschäftsführerin Cordula Miosga freut sich über den großen Zuspruch zur Messe: „Aus dem Mittelstand hören wir immer wieder, dass dieses niedrigschwellige Angebot sehr gut angenommen wird, es taugt prima, um einen ersten Kontakt zu knüpfen. Ein Vorteil ist die große Vielfalt an möglichen Berufswegen, die hier präsentiert wird.“

Jens Bölscher, Geschäftsführer der Welfen-Akademie, betont, wie wichtig es ist, Schülern den Bedarf der Unternehmen und die daraus resultierenden Chancen zu vermitteln. „Die Corona-Krise und der Ukraine-Krieg haben zu vielen Unsicherheiten bei Bewerbern wie auch Unternehmen geführt.“ Dabei gehe es jetzt darum, den drohenden Fachkräftemangel abzuwenden. Offene Plätze für ein duales Studium gibt es ihm zufolge zum Beispiel im Studiengang Wirtschaftsinformatik und in den Fachrichtungen Handel, Steuern oder Digital Marketing.

„Andererseits ist aber festzustellen, dass viele junge Menschen an Hochschulen mit Steuergeld finanzierte Studiengänge belegen, die nicht unbedingt gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt versprechen. Nur als Beispiel möchte ich die Vielzahl von Studierenden in Sportmanagement-Studiengängen anführen“, so Bölscher. „Es gibt also genug Nachwuchs, jedoch ist dieser aus meiner Perspektive nicht hinreichend informiert, was für Bedarfe es in unseren Unternehmen gibt.“

Abiturientin: Ich kann nur empfehlen, Kontakt aufzunehmen

Anna Greis (19) hat in diesem Jahr Abitur an der Gaußschule gemacht, musste sich also während Corona beruflich orientieren. „Ich habe jede Chance genutzt, Bekannte und Verwandte zu fragen, was und wo sie studiert haben“, berichtet sie. „Außerdem habe ich die Online-Messen der vocatium besucht. Das war für mich ganz praktisch, da ich von zu Hause aus an den verschiedenen Messen der Städte teilnehmen konnte. So konnte sich meine Entscheidung entwickeln. Aber egal, ob online oder jetzt wieder in Live-Gesprächen: Ich kann nur empfehlen, Kontakt aufzunehmen. Ich konnte mich dadurch in die Unis hineinfühlen und prüfen ob mir das zusagt, was sie anbieten.“

„Das Duale Studium ist oft ein Zugpferd“

Wolfgang Petri, Leiter der Sekundarstufe der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule, macht eine besondere Beobachtung: „Geändert hat sich bei uns, dass Schülerinnen und Schüler schon nach Jahrgang 12 mit dem schulischen Teil der Fachhochschulreife abgehen. Hier ist das Duale Studium oft ein Zugpferd. Oder eine Ausbildung. Das sehen wir auch im Jahrgang 11. Etliche Schülerinnen und Schüler stellen fest, dass die akademische Ausbildung doch nichts für sie ist, obwohl die Leistungen oft stimmen, und gehen in die Ausbildung.“

Es scheine sich der Trend zu verstetigen, dass gerade Schülerinnen und Schüler aus Nicht-Akademiker-Familien eher die Sicherheit einer Ausbildung oder eines dualen Studiums suchten, so Petry – trotz oft sehr guter Abiture. „Es ist schade, dass sehr erfolgreiche Programme, die hier entgegengesteuert haben (z.B. Studienscout), ausgelaufen sind. Da die Anforderungen in den Ausbildungen stetig steigen, ist der Trend zur Ausbildung nach dem Abitur sicher auch nicht verwunderlich.“

BSVG: Für Verkehrswende und Stadtbahn-Ausbau braucht es engagierte Menschen

Thomas Reichel, Bereichsleiter Personalmanagement bei der Braunschweiger Verkehrs-GmbH, nimmt mit seinem Team erstmals an der „vocatium“ teil. Er sagt: „Auch wir spüren den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel. Der ÖPNV wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen, zumal Themen wie Mobilität und Nachhaltigkeit immer wichtiger werden. Anders als vor zehn Jahren, ist die BSVG mit aktuellen Entwicklungen wie etwa der Verkehrswende oder dem geplanten Stadtbahn-Ausbau konfrontiert, für die es engagierte Menschen braucht, die Teil dieses großen Ganzen sein wollen.“

„Gute Azubis erkennt man nicht zwingend an den Zeugnisnoten“

Susanne Kohlert-Schildt, Bereichsleiterin in der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar und unter anderem zuständig für die Berufsberatung: „Auch wenn der Termin für den Ausbildungsstart sich mit großen Schritten nähert, gibt es für interessierte Jugendliche noch viele Möglichkeiten zum Berufsstart 2022. Denn in den letzten Jahren hat sich der Ausbildungsmarkt gedreht, wir sprechen mittlerweile von einem Bewerbermarkt. Das heißt: es gibt mehr gemeldete Ausbildungsstellen als gemeldete Lehrstellenbewerberinnen und -bewerber.“

Gerade in der Corona-Zeit habe die Arbeitsagentur beobachtet, dass einige Jugendliche lieber noch zur weiterführenden Schule gegangen seien – oftmals in der irrigen Annahme, die Betriebe würden sowieso nicht ausbilden. „Das Gegenteil ist der Fall!“, betont Kohlert-Schildt. „Und wer eine Ausbildung machen möchte und den Wunschberuf bereits gefunden hat, sollte sich direkt bewerben. Wenn das Zeugnis nicht so umwerfend ist, sind viele Betriebe auch gerne bereit, ein kurzes Kennenlern-Praktikum anzubieten.“

An die Betriebe appelliert sie: „Gute Azubis erkennt man nicht zwingend an den Zeugnisnoten. Gerade in der Pandemie waren die Rahmenbedingungen für Schülerinnen und Schüler schwierig und haben sich bei dem einen oder der anderen auf die Noten ausgewirkt. Mein Vorschlag: Setzen Sie stärker auf das persönliche Gespräch und laden junge Menschen ein zu einem Kennenlernen, die auf dem Papier vielleicht keine Traumnoten vorweisen, aber vielleicht Ihre Top-Fachkräfte von morgen werden können. Sie haben nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen!“

1609 Lehrstellen sind noch frei

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar waren laut Susanne Kohlert-Schildt seit Oktober 3239 Ausbildungsstellen gemeldet worden, das entspricht etwa dem Stand vom Vorjahr. Demgegenüber standen 2776 Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber, die im gleichen Zeitraum Unterstützung bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern der Region gesucht haben. Die Zahl bewegt sich ebenfalls etwa auf Vorjahresniveau.

„Aktuell sind auf der Lehrstellenseite 1609 Ausbildungsplätze noch nicht abschließend vergeben“, sagt sie. „Auf der Seite der Ausbildungsinteressierten warten noch 1076 junge Menschen auf die Zusage eines Betriebes.“

Jugendliche, die noch nicht wissen, was sie beruflich machen möchten oder andere Fragen zum Übergang Schule-Beruf haben, können auch telefonisch unter der kostenlosen Servicenummer 0800 / 4555500 oder per E-Mail an einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren.

Berufswahlmesse Ende September in Braunschweig

Zur vocatium gehören auch die Begleitbücher „Chancen in …“. Die Nachschlagewerke zeigen jungen Menschen regionale und überregionale Bildungsanbieter. Weitere Angebote finden die Jugendlichen in der Suchbörse auf www.erfolg-im-beruf.de. Rund 4000 Profile seien dort eingetragen, teilt das IfT mit. Die vocatium-Mediathek gebe mit Podcasts und Videos Einblicke in die Berufswelt. Weiteren Lesestoff zu Bildungsthemen liefere das Online-Magazin vocatium-News.

Eine Berufswahlmesse für Eltern und Jugendliche findet am 29. September von 15 bis 19 Uhr in der Volkwagen-Halle statt. Sie ist laut dem Institut für Talententwicklung auf die besonderen Informationsbedürfnisse von Müttern, Vätern und weiteren wichtigen Ratgebern junger Menschen ausgerichtet. Auf dem integrierten „Forum pluspunkt.ausland – Bildungsmesse für Wege in die Welt“ präsentieren sich ausgewählte Auslandsanbieter. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es auf www.parentum.de und www.pluspunkt-ausland.de.

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