Verkehrskonzept

Weniger Parkplätze im Braunschweiger Magniviertel?

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Studierende des Instituts für Verkehr und Stadtbauwesen der Technischen Universität analysieren, wie der Bereich am Magnikirchplatz ohne parkende Autos neugestaltet werden könnte.

Studierende des Instituts für Verkehr und Stadtbauwesen der Technischen Universität analysieren, wie der Bereich am Magnikirchplatz ohne parkende Autos neugestaltet werden könnte.

Foto: Bernward Comes

Braunschweig.  Die Stadt will das Viertel weiter aufwerten und erstellt ein Verkehrskonzept. Es geht unter anderem darum: Können mehr Autos in die Magni-Tiefgarage?

Das Magniviertel ist ein Anziehungspunkt. Cafés, Kneipen und Restaurants locken Gäste, vielen kommen auch einfach zum Schlendern zwischen Fachwerkhäusern oder zum Einkaufen in kleinen inhabergeführten Läden – und die Wohnungen sind ebenso begehrt. Ein Ärgernis aus Sicht von Anwohnern ist schon lange der Verkehr, vor allem mit Blick aufs Parken in den engen Straßen.

Im April vergangenen Jahres hatte die Grünen-Ratsfraktion deswegen angeregt, das Magniviertel als Pilotprojekt in ein autofreies Quartier umzuwandeln. Wie in einer Fußgängerzone wäre dann das Befahren mit dem PKW sowie das Halten und Parken unzulässig, abgesehen von Ausnahmen. Für Lieferverkehr sollten spezielle Flächen und Zeitfenster eingerichtet werden, so die Idee.

Parken im Magniviertel: Anwohner, Geschäftsleute, Besucher und Kunden reden mit

Die Stadtverwaltung hatte daraufhin allerdings auf den Mobilitätsentwicklungsplan verwiesen, der zurzeit erstellt wird und sich mit dem Verkehr der Zukunft befasst. Darin könnten auch Kriterien für autofreie Quartiere aufgenommen werden, hieß es. Für eine kurzfristige Planung eines autofreien Quartiers – mit Einbindung von Bewohnern, Wirtschaft, Schulen, Kita und weiteren Beteiligten – gebe es keine Ressourcen, so die Stadt im vergangenen Jahr.

Zugleich hatte die Verwaltung damals auf Basis einer Verkehrszählung erläutert, dass Durchgangsverkehr im Magniviertel kaum eine Rolle spiele. Zum Parksuchverkehr lagen noch keine Daten vor. Und beim Thema Parken müsse eine Vielzahl von Interessen berücksichtigt werden, hieß es – Bewohner, Geschäftsleute, Besucher, Kunden und Mobilitätseingeschränkte.

„Zu untersuchen ist, ob die Tiefgarage direkt am Magniviertel den Parkraumbedarf in wesentlichen Teilen abdecken kann, so dass bei Akzeptanz eines kurzen Fußweges die Parkmöglichkeiten im Quartier deutlich reduziert werden können“, hieß es 2021 in der Antwort der Stadtverwaltung an die Grünen.

Wie kann der Bereich am Magnikirchplatz ohne parkende Autos gestaltet werden?

Jetzt soll es damit losgehen: Die Stadt erarbeitet ein neues Verkehrs- und Erschließungskonzept für das Magniviertel. „Zur Vorbereitung werden derzeit die Parkplatzbestände kategorisiert, Durchgangsverkehre ausgewertet und Verkehrszählungen durchgeführt“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Auch unter dem Gesichtspunkt Barrierefreiheit für Fußgänger werden Straße, Wege und Plätze des Quartiers untersucht.“

Die Verwaltung kooperiere hierbei mit der Technischen Universität Braunschweig. „Im Institut für Verkehr und Stadtbauwesen analysieren Studierende, wie zum Beispiel der Stadtraum am Magnikirchplatz ohne parkende Autos neugestaltet werden könnte“, kündigt die Stadt an. Die Vorschläge sollen zum Ende des Sommersemesters 2022 vorgelegt werden.

Im September ist eine Bürgerbeteiligung zum Verkehr im Magniviertel geplant

Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer betont: „Unser Ziel ist eine integrierte städtebauliche Weiterentwicklung des Magniviertels unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Neben den Fragen der Mobilität werden deshalb im neuen Verkehrs- und Erschließungskonzept auch die städtebaulichen, stadtklimatischen und stadtgestalterischen Aspekte einbezogen.“

Dazu soll es eine Bürgerbeteiligung im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche vom 16. bis 22. September geben. Man erarbeite derzeit das konkrete Beteiligungskonzept, um mit möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern und den unterschiedlichen Interessengruppen in den Austausch zu treten und eine größtmögliche Bandbreite an Rückmeldungen einzuholen.

Bürgerschaft im Magniviertel begrünt die Straßen

Im Magniviertel geschieht aktuell gerade eine ganze Menge: Am Löwenwall erneuert die Stadt schon seit einigen Monaten die Wege. Außerdem wird in wenigen Tagen der neue Löwenstieg eröffnet – ein rund 70 Meter langer Fußweg vom Magniviertel hinauf zum Löwenwall. Und die Borek Immobilien GmbH saniert das historische Ackerhofensemble, in dem Wohnungen und Gastronomie Platz finden sollen.

Darüber hinaus ist auch die Bürgerschaft stets aktiv und hat jetzt ein Projekt zur Begrünung der Straßen gestartet. Wie Vorstandsmitglied Rüdiger Steinmetz mitteilt, werden 23 Baumscheiben in der Kuh-, Ritter- und Schlossstraße unter anderem mit Stockrosen und Herbstanemonen bepflanzt. Bäume am Oelschlägern erhalten insgesamt 21 Blumenampeln mit hängenden Sommerblumen.

Das Samenhaus Knieke kümmere sich um die Umsetzung, so Steinmetz. Anwohner und Geschäftsleute gießen und pflegen die Pflanzen. Die Kosten von rund 2500 Euro trage die Bürgerschaft, der Stadtbezirksrat Mitte gibt einen Zuschuss dazu. Das Grün soll das Viertel ökologischer und attraktiver für Bewohner und Besucher machen.

Und es gibt noch mehr: Ab Juli proben wieder Musiker auf dem Magnikirchplatz – immer dienstags um 16 Uhr zur Kaffeezeit. Jeden Mittwoch um 17.15 Uhr findet dort das Bürgersingen statt, organisiert von der Bürgerstiftung und der Kirchengemeinde St. Magni. Und in der Magnikirche zeigt die Braunschweiger Fotografin Kerstin Lautenbach-Hsu in einer Bilderserie „Magni’s grüne Gärten & Höfe“ – täglich von 10 bis 18 Uhr.

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