Löwenwall erhält neue Sitzgruppe samt kleinem Trinkbrunnen

Braunschweig.  Anwohner protestieren vergeblich dagegen. Sie befürchteten, dass es dann abends und nachts noch mehr Lärm geben wird.

Der Löwenwall von oben betrachtet, unten links die Oker, oben links die Kurt-Schumacher-Straße und der Kennedy-Platz.

Der Löwenwall von oben betrachtet, unten links die Oker, oben links die Kurt-Schumacher-Straße und der Kennedy-Platz.

Foto: Archiv

Sollte man Braunschweig nach Plänen weiterentwickeln, die 200 Jahre alt sind? Nach historischem Beispiel soll der Löwenwall um Sitzflächen und einen Trinkbrunnen am Okerufer erweitert werden. Anwohner protestieren.

800.000 Euro sollen im nächsten Jahr dafür sorgen, dass der Löwenwall wieder schick wird. Neuer Rasen, neue Beregnungsanlage, neue Wege, Baumlücken werden geschlossen – alles unstrittig. Der Protest entzündet sich an einer zusätzlichen Sitzgruppe samt kleinem Trinkbrunnen. Das Ensemble hatte so ähnlich bereits Paul-Josef Krahe, der Architekt des großen Wallring-Umbaus, vor 200 Jahren vorgesehen.

Professor Biegel: Schon immer ein beliebter Treffpunkt

Die Sitzung des Grünflächen-Ausschusses wurde nun unterbrochen, damit Anwohner der Adolfstraße, ihre Häuser und Wohnungen liegen am anderen Okerufer, ihre Kritik an den Plänen vorbringen können. Weil sie vom Vorhaben erst aus unserer Zeitung erfuhren, sei die Zeit zu kurz gewesen, Unterschriften gegen den Plan zu sammeln. Die Anwohner sträuben sich nämlich gegen einen neuen Treffpunkt am Löwenwall.

Dass es sich um einen neuen Treffpunkt handelt, bestreitet freilich der Historiker und Braunschweig-Experte Prof. Gerd Biegel. Denn in seinem Archiv befindet sich eine alte Postkarte, auf der genau die strittige Stelle gezeigt wird. Man sieht: die ehemalige Trinkhalle, an der es einst Mineralwasser und Molke gab. Sowie einen großen Bootsverleih. Biegel: „Ein beliebter Treffpunkt war die Okerstelle also bereits im Jahr 1900.“

Früher war es vermutlich deutlich ruhiger

Biegel kann natürlich nicht sagen, wie hoch der Lärmpegel dort damals war. Er vermutet: eher gering. „Ganz in der Nähe befand sich die Dienstwohnung der Braunschweiger Oberbürgermeister. Sie hätten übermäßigen Lärm zu verhindern gewusst.“

Den Kern des Problems macht Biegel eher an der Veränderung der Stadt selbst fest, die mit einer verstärkten Kommerzialisierung der Oker einhergegangen sei: „Floßfahrten auf der Oker mit 50 Passagieren gab es einst natürlich nicht. Das Gebiet hat außerdem seinen Charakter geändert. Es war eine reine Villen-Gegend mit wenigen Anwohnern. Die Nachverdichtung hat jedoch die Zahl der Anwohner stark steigen lassen. Das heißt: Es stieg auch die Zahl derer, die sich gestört fühlen könnten. Das muss man ernst nehmen.“

Anwohner: Selbst die Polizei kann nicht für Abhilfe sorgen

Der Gesetzgeber regelt, was zumutbar ist und was nicht. Die Anwohner berichteten von ihren ständigen Versuchen, den ruhestörenden Lärm vom Löwenwall in den Nachtstunden zu verhindern. Was sie auch versucht hatten, selbst die Polizei habe nicht für Abhilfe sorgen können. Es werde nun schlimmer.

Eine komplizierte Spannungslage. Michael Loose, Fachbereichsleiter Stadtgrün, sagte: „Die Sitzfläche wird nicht direkt an der Oker liegen. Zudem haben wir bereits ähnliche Flächen am Museum- und Theaterpark anlegen lassen. Die Klagen über ruhestörenden Lärm haben nicht zugenommen.“

Noch schwerer wog das Argument von Grünflächen-Dezernent Holger Herlitschke: „Es wird immer Menschen geben, die sich über gesetzliche Vorgaben hinwegsetzen. Wenn wir dieses Fehlverhalten allerdings zur Richtschnur unserer Planung machen, kommt Braunschweigs städtebauliche Entwicklung zum Erliegen.“

Der Grünflächenausschuss teilte diese Meinung und beschloss einstimmig, dass der Löwenwall-Umbau nach den Plänen der Verwaltung erfolgen soll.

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