Wilhelmitorwall: 60 Prozent der Parkplätze fallen weg

Braunschweig.  Am Rande der Braunschweiger Innenstadt wird der Fußweg verbreitert und aus Sicherheitsgründen nur noch das Längsparken erlaubt.

Am Wilhelmitorwall werden die Fußwege verbreitert. Autos werden nur noch längs parken dürfen.

Am Wilhelmitorwall werden die Fußwege verbreitert. Autos werden nur noch längs parken dürfen.

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung

Weil die Fußwege zugeparkt werden, wird das Parken am Braunschweiger Wilhelmitorwall neu geregelt. Die Bauverwaltung hat errechnet, dass durch den Umstellung etwa 60 Prozent der Parkplätze entfallen werden.

Seit mehr als einem Jahr wird nach einer Lösung gesucht, wie man dafür sorgt, dass am Wilhelmitorwall der Fußweg nicht zugeparkt wird. Dem war schwer beizukommen. Denn im Laufe der Jahre war größtenteils die Park-Begrenzungslinie verschwunden. Ohne Linie ließ sich Fehlverhalten nicht ahnden.

Was zunächst nach einer leichten Aufgabe für die Bauverwaltung klang, sollte ungeahnte Folgen haben. Zwar wurden zunächst neue Begrenzungslinien gezogen. Sie sorgten allerdings dafür, dass die Fußwege anschließend legal schmal waren. Sie seien „abweichend von der vorherigen Markierung“ erneuert worden, hieß es nun im Planungsausschuss. Neue Beschwerden.

Doch zurück zur einstigen Fußwegbreite ist vom Regelwerk nicht gedeckt. Denn die Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen verlangen mittlerweile 2,30 Meter breite Fußwege. Die alten Fußwege am Wilhelmitorwall hatten nur eine Breite von 2,10 Meter.

Wollte man jedoch die Wilhelmitorwall-Fußwege auf den aktuellem Stand von 2,30 Meter Breite bringen und dann normgerechte Schräg-Parkplätze von 5,30 Meter Länge anlegen – bliebe nicht genug Platz auf der Fahrbahn für die Feuerwehr. Die Vorzugsvariante der Verwaltung lautete: Die Fußwege am Wilhelmitorwall müssen nicht den Richtlinien entsprechen. 2,10 Meter reichen auch.

Zwei weitere Varianten standen ebenfalls zur Wahl: Die Fußwege werden 2,70 Meter breit. Dann ist Schrägparken entweder nur noch auf einer Straßenseite oder nur noch Längsparken möglich. Je nach Variante würden 35 oder 60 Prozent der Parkplätze entfallen.

Mit Stimmen von SPD, Grünen, Linken, BIBS und P² entschieden Bezirksrat der Innenstadt und der Planungsausschuss nun, dass entlang des Wilhelmitorwalls nur noch das Längsparken erlaubt sein wird. Seitens der CDU meinte Reinhard Manlik, der Parkplatzverlust sei nicht angemessen. Zwei Arztpraxen befinden sich auf der knapp 500 Meter langen Straße. Der Weg zu den Praxen werde „unzumutbar lang“.

FDP-Ratsherr Mathias Möller warf den Mehrheitsfraktionen vor, die Folgen der Entscheidung nicht erkannt zu haben. Nach seiner Rechnung entfielen etwa 100 Parkplätze. Er beantragte, ein Konzept zur Parkraum-Bewirtschaftung zu erstellen und einen Plan zu entwickeln, um das Wurzelwerk der 80 alten Roßkastanien entlang der Straße zu schützen. Die Verwaltung hielt entgegen: Allein der Schutz des Wurzelwerks bedeute, dass etwa die Hälfte der Parkplätze entfallen müssen.

Die Mehrheitsfraktionen waren jedoch der Ansicht, dass es nicht nur darum gehe, die Interessen der Fußgänger zu wahren. Lisa-Marie Jalyschko (Grüne) verwies auf Parkplätze, die in ausreichender Zahl in der nahen Tiefgarage Eiermarkt zur Verfügung stehen.

Zudem sollten auch die Interessen der Radfahrer berücksichtigt werden. Der Wilhelmitorwall ist seit dem Jahr 2010 Fahrradstraße. Eine Gefährdung oder Behinderung von Radfahrern sollte dort vermieden werden. Wenn Autofahrer aus Schräg-Parkplätzen zurücksetzen, fehlt aber die Sicht auf Radfahrer. Längsparken sei, so die Verwaltung, die verkehrsplanerisch „richtige Lösung“. Im Frühjahr 2021 soll die neue Parkregelung eingeführt werden.

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