Braunschweigs große Street-Art-Galerie

Braunschweig.  Grafik-Designer und Kiezbewohner Martin Markwort veröffentlicht einen Bildband über nicht kommerzielle Kunst im westlichen Ring in Braunschweig.

Martin Markwort zeigt auf dem Jugendplatz am Westbahnhof sein Buch "Street Art & Graffiti".

Martin Markwort zeigt auf dem Jugendplatz am Westbahnhof sein Buch "Street Art & Graffiti".

Foto: Karsten Mentasti

Immer wieder neu, immer wieder anders – aber stets kunterbunt: Das westliche Ringgebiet ist die größte Street-Art-Galerie der Stadt – auch, weil es hier mehr legale Sprüh- und Malflächen für Graffiti- und Street-Art-Künstler gibt als in anderen Stadtteilen.

Martin Markwort, Hobby-Maler, Fotograf und studierter Diplom-Designer, ist als Grafiker tätig und arbeitet und lebt in der Ekbertstraße – mitten im Kiez. Mit Unterstützung des Quartiersmanagements Plankontor hat er nun seine Idee umgesetzt, einen einzigartigen Bildband über 20 Jahre Street Art im westlichen Ring zu veröffentlichen.

Fotos aus dem eigenen Archiv

Das Plankontor ist Herausgeber des Buches „Street Art & Graffiti“, das für nur fünf Euro unter anderem bei Graff, bei Board Junkies am Damm, aber auch an vielen Stellen im Stadtteil, etwa dem Kufa-Haus, bei Blumen Möller und dem Stadtteilbüro Hugo-Luther-Straße 60a erhältlich ist. „Den Bildband soll sich jeder leisten können“, betont Markwort. „Und wer noch eine Spende für Kultureinrichtungen übrig hat, dem sei herzlich gedankt.“

Für das Buch hat der 50-Jährige hauptsächlich auf sein Fotoarchiv zurückgegriffen, aber auch auf Privatfotos von Dietlinde Schulze, die vielen als Fachfrau für Sozio- und Stadtteilkultur bekannt ist, sowie weitere Archive. So hat auch der Verein The Bridge, der offene Jugendarbeit im Kontext von Kunst und Kultur anbietet, Fotos für den 84-seitigen Band herausgesucht.

Die wichtigsten Street-Art-Orte

Dass sich der südliche Teil des westlichen Ringgebiets als Schwerpunkt der Street-Art-Künstler entwickelt hat und es hier viele legal nutzbare Flächen zum immer neuen Gestalten gibt, hängt vor allem damit zusammen, dass das Quartier seit 2001 als Sanierungsgebiet Soziale Stadt ausgewiesen ist. Viele Millionen Euro wurden seitdem investiert, um den Stadtteil lebens- und liebenswerter zu gestalten – und Freizeitangebote zu schaffen, die auch kostenlos zu nutzen sind.

Dazu gehören nicht zuletzt die freigegebenen Wände, etwa die Schallschutzwand am Jugendplatz am Westbahnhof und der Brückenbogen unter der Münchenstraße, aber auch anderswo im Stadtteil. Dort trifft sich – vom Anfänger bis zum etablierten Künstler – die Szene. Markwort hat die wichtigsten Orte in seinem Buch aufgeführt.

Aus vielen Sprayern werden Künstler

„An vielen Flächen wechseln die Kunstwerke mehrfach im Monat, manchmal alle paar Tage“, beschreibt der Braunschweiger. Aber es gibt auch Sprühkunst, die länger beständig ist, meist Auftragsarbeiten, etwa an Hauswänden in der Hugo-Luther-Straße, an einer Wand der Firma Dreher-Baustoffe oder im Kufa-Haus, wo der Soul-Sänger Ray Charles ganz lässig scheinbar auf einem Klavier lehnt.

Um die 160 Abbildungen

Markwort ruft mit dem Buch dazu auf, dieser Art nicht kommerzieller Kunst mehr Beachtung zu schenken, sich Zeit zu nehmen, um Details zu entdecken, statt sie nur im Vorbeigehen zu registrieren – „und Street Art nicht mit Schmierereien gleichzusetzen“, die er verurteilt. „Graffiti ist oft ein Einstieg in die urbane Kunst. Nicht wenige Sprayer, die zu Jugendzeiten illegal aktiv waren, sind heute als freie Künstler tätig“, beschreibt er.

Rund 160 Abbildungen temporärer Werke zeigen die große Bandbreite dieser Kunstform in Braunschweig. Sie reicht von der hallengroßen, überdimensionalen Abbildung einer liegenden Frau, entstanden Ende 2014 während einer überregional ausstrahlenden Projekt- woche für Street-Art-Künstler in der danach abgerissenen Papierfabrik Noltemeyer, Hildesheimer Straße, bis zum Abdruck kleiner Kinderhände an einer Mauer.

Eine Retrospektive von Graffitis an den Fenstern der damals schon lange leerstehenden und ab 2002 abgerissenen Wilke-Werke an der Frankfurter Straße rundet den lokalen Überblick über zwei Jahrzehnte Street Art und Graffiti-Kunst ab.

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