Braunschweiger Gründerin unter erfolgreichsten „30 under 30“

Braunschweig.  Das Magazin Forbes zählt Kristina Nikolaus zu den 30 vielversprechendsten Persönlichkeiten unter 30 Jahren in Deutschland.

Kristina Nikolaus in den Räumen von „OKAPI:Orbits“ im Technologiepark der Stadt Braunschweig. Wegen Corona arbeiten immer nur zwei Mitarbeiter gleichzeitig im Büro – jeder hat so einen Bürotag pro Woche.

Kristina Nikolaus in den Räumen von „OKAPI:Orbits“ im Technologiepark der Stadt Braunschweig. Wegen Corona arbeiten immer nur zwei Mitarbeiter gleichzeitig im Büro – jeder hat so einen Bürotag pro Woche.

Foto: Bernward Comes

Vor vier Jahren erst begann Kristina Nikolaus ihr Master-Studium von Technologie-orientiertem Management an der TU Braunschweig. Heute ist die 26-Jährige Geschäftsführerin eines Unternehmens, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kollisionen im Weltall zu verhindern, „OKAPI:Orbits“. Und von Forbes, einem der erfolgreichsten Wirtschaftsmagazine der Welt, wird sie seit kurzem zu den 30 vielversprechendsten Persönlichkeiten unter 30 Jahren in Deutschland gezählt.

1500 junge Unternehmer, Investoren, Aktivisten, Sportler und Menschen weiterer Branchen waren in Deutschland, Österreich und der Schweiz nominiert, 30 pro Land schafften es auf einen der begehrten Listen-Plätze. Für Nikolaus eine besondere Auszeichnung. „Es ist cool zu sehen, mit was für tollen Leuten man zusammen auf der Liste steht“, sagt sie und fügt an: „Es ist cool, als Frau drauf zu stehen.“ Von den 30 Listenplätzen sind nur acht mit einer Frau besetzt. Fan einer Frauenquote sei sie nun nicht, aber es gebe viele erfolgreiche Frauen – warum also nicht ein Zeichen setzen und mehr in die Liste aufnehmen?

„Ich wurde darin bestärkt, mich durchzusetzen“

Konkrete Benachteiligungen aufgrund ihres Geschlechts habe sie noch nicht zu spüren bekommen, erzählt sie. Aber eine Frau und dann auch noch jung – da werde einem oft nicht so viel zugetraut. „Man wird oft unterschätzt.“ Für Nikolaus ist es kein strukturelles Problem, die Chancen seien da. Es sei ein soziales. „Ich war früher Schwimmtrainerin und habe in der Nachhilfe gearbeitet. Da habe ich viele Mädchen gesehen, die zur Zurückhaltung neigten, die nicht prahlen wollten, obwohl sie sehr gut gewesen seien.“ Nikolaus zufolge brauche es Vorbilder. „Es ist die Aufgabe von anderen Frauen, die Mädchen dabei zu unterstützen, ihren Weg zu gehen.“

Sie selbst habe viele weibliche Vorbilder gehabt. Janina Kugel, die bei Siemens Personalvorstand war beispielsweise, oder die erste weibliche Direktorin an ihrer Schule. „Und meine Mutter ist eine furchtbar starke Frau, die ich bewundere.“ Ihre Eltern kamen mit 20 Jahren aus Kasachstan nach Deutschland, sie mussten die Sprache von der Pike auf lernen. Die Mutter habe den Anspruch gehabt, deutsch perfekt zu beherrschen, damit ihre Kinder auch gut deutsch sprechen. Mit Mitte 40 begann sie noch ein BWL-Studium. „Ich glaube, dass ich in Männerdomänen gut zurecht komme, weil ich von meiner Mutter darin bestärkt wurde, mich durchzusetzen.“ Es sei wichtig, Menschen zu haben, die einen unterstützen.

„Die Verantwortung macht mir unglaublich viel Spaß“

Eigentlich wollte sie Ärztin werden, erzählt Nikolaus, in der Schule wählte sie Latein und Biologie, um sich vorzubereiten. Doch ein Ausflug in die Pathologie der Universität Mainz brachte die Schülerin aus Idar-Oberstein davon ab. Da sie Mathe mochte und Logik ihr immer mehr lag als beispielsweise Sprachen, entschied sie sich für ein Duales BWL-Studium bei Daimler in Ulm. Alle drei Monate eine andere Praxisphase, Besuche in Malaysia und Russland. „BWL hat mir gut gefallen, ich habe mich aber mehr dafür interessiert, wie die Motoren funktionieren.“

Weil sie dieses Wissen ausbauen wollte, kam sie 2016 nach Braunschweig und begann das Studium zu Technologie-orientiertem Management. Viel ausprobiert habe sie, programmieren gelernt, versucht, über den Tellerrand zu schauen. Die TU habe das möglich gemacht. Als Werkstudentin war sie bei Siemens in Braunschweig im Einsatz. Und im Studium lernte sie ihre Mitgründer von „OKAPI:Orbits“, Christopher Kebschull, Sven Müller und Jonas Radtke kennen. „Ich hatte vorher nie von der Problematik um Weltraumschrott gehört“, sagt sie. „Aber die Idee hat mich überzeugt.“ Die Mitgründer suchten jemanden, der sich um die Finanzen, das Wirtschaftliche kümmert. Heute hat das Unternehmen neben den vier Gründern sechs Mitarbeiter. „Die Verantwortung macht mir unglaublich viel Spaß“, sagt Nikolaus. Das Ziel für die Firma: nachhaltig auf 30 bis 40 Mitarbeiter wachsen, ein stabiles Geschäftsmodell. „Und wenn das Unternehmen wächst, wachse ich daran auch.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder