Das Szene-Restaurant „Mono“ stemmt sich gegen die Krise

Braunschweig.  Seit einem Jahr gibt es das „Mono“ in Braunschweig. Gastronom Hendrik Borgmann erzählt, was der Lockdown für ihn bedeutet.

Mitarbeiter des „Mono“ in Braunschweig rollen Sushi und packen die fertigen Menüs in Papiertüten auf dem Tresen. Weil das Restaurant geschlossen bleibt, gibt es einen Lieferservice für die Kunden

Mitarbeiter des „Mono“ in Braunschweig rollen Sushi und packen die fertigen Menüs in Papiertüten auf dem Tresen. Weil das Restaurant geschlossen bleibt, gibt es einen Lieferservice für die Kunden

Foto: Foto: Peter Sierigk

Nicht immer ist Hendrik Borgmann in seinem Leben den geraden Weg gegangen. Doch seit er in die Gastronomie eingestiegen ist, ging es für ihn beruflich vor allem in eine Richtung: bergauf. Erst macht er mit Partnern den Kräuterlikör Borgmann1772 zum Szene-Getränk, dann das Café und Restaurant „Apotheke“ zum In-Treff in Braunschweig. Und im vorigen Jahr wird das „Mono“ zu einer der angesagtesten Adressen der Stadt. Bis die Corona-Pandemie den steilen Aufstieg bremst.

„Ich weiß nicht, wie es weitergeht“, sagt er und spricht damit wohl stellvertretend für viele Gastronomen in der Krise. „Hoffentlich wieder aufwärts – ich bin da Optimist.“

Der 42-Jährige sitzt im Restaurant „Mono“. Schwarzer Kapuzenpullover, schwarze Jeans, schwarze Wollmütze . Die langen Tische und Holzbänke am Eingang sind leer, die Stühle im hinteren Bereich hochgestellt. Nur hinter der Theke ist reger Betrieb. Ein Koch hantiert mit heißen Pfannen, zwei Mitarbeiter in weißen Kitteln rollen Sushi – mit rohem Lachs, Thunfisch, Avocado oder Gurke, in Tempura-Teig frittiert oder in Algenblätter gehüllt. Sie legen die Rollen in Schalen und versenken die Schalen in weißen Papiertüten. Wie an einer Schnur aufgereiht stehen diese auf dem Tresen, bis ein Kollege sie einsammelt und zu seinem Auto bringt.

Um den Laden am Laufen zu halten, gibt es seit Anfang November einen Bringdienst

Es ist 12.30 Uhr, normalerweise wären um diese Zeit alle Plätze im „Mono“ gefüllt. Seit Anfang November, seit Beginn des Teil-Lockdowns , ist auch das Restaurant wieder geschlossen. Gäste dürfen nicht mehr in die Räume im umgebauten Langerfeldt-Haus kommen, stattdessen kommen Mitarbeiter des „Mono“ zu den Gästen. Um den Laden irgendwie am Laufen zu halten, haben Borgmann und seine Partner schnell wieder einen Bringdienst ins Fahren gebracht.

„Die Leute haben das Angebot gut angenommen, wir können da nicht klagen“, sagt Hendrik Borgmann. Aber der Aufwand ist groß: Mit drei bis vier Autos und E-Rollern sind Mitarbeiter des „Mono“ täglich unterwegs, um das Essen auszufahren. Zu Spitzenzeiten am Abend stehen vier Köche hinter dem Herd, bis zu fünf Mitarbeiter drehen Sushi-Rollen. Einer muss die Bestellungen entgegennehmen und die Touren koordinieren. „Da muss man schon sehr viele Sushi verkaufen, um die Kosten einzuspielen.“

Das „Mono“ setzt den Schwerpunkt auf japanische Küche und richtet sich an Gäste „mit gehobenem Anspruch“, wie es Borgmann formuliert. Auf der Speisekarte stehen neben Sushi auch Salate, Suppen und Gerichte wie gebackene Ente oder gebratener Thunfisch. Wer sich hier zum Essen trifft, kann anschließend im ersten Stock in der Bar einen Drink nehmen, so die Idee – das perfekte Ambiente für die Altersgruppe 25 plus, ist Borgmann überzeugt. Der gebürtige Braunschweiger ist Fan von gutem asiatischen Essen. In Berlin-Charlottenburg, wo er seit vielen Jahren lebt, reihen sich taiwanesische, chinesische und vietnamesische Restaurants aneinander. Seine Idee war es, ein gutes Konzept für asiatische Küche auch in seiner Heimatstadt umzusetzen. Als er mit seinen Partnern Jörn Clausen und dem Koch und Gastronomen The Duc Ngo im November vorigen Jahres das „Mono“ eröffnet, brummt der Laden. „Wir dachten: alles richtig gemacht. Doch dann kam die Corona-Krise.“

Vom Seriendarsteller im deutschen Fernsehen zum Gastronom

Borgmann sagt, dass es in seinem Leben schon einige Brüche gegeben habe. Als jüngstes von vier Geschwistern geboren, zieht es den Apotheker-Sohn mit 19 Jahren aus Braunschweig fort. Er landet in Berlin und bei der Schauspielerei. Als Seriendarsteller im deutschen Fernsehen spielt er unter anderem einen Surflehrer in „Mallorca – Suche nach dem Paradies“, einen Grafiker in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und einen Arzt in der Dailysoap „Marienhof“. Doch als dauerhafte Perspektive sieht er das nicht – und wechselt in die Gastronomie.

Nun steht er vor der nächsten Herausforderung in seinem Leben. 65 Mitarbeiter sind für die „Apotheke“ und das „Mono“ im Einsatz. Als im Frühjahr mit dem ersten Lockdown alle Restaurants und Cafés schließen müssen, gehen die Festangestellten in Kurzarbeit , für die Mini-Jobber gibt es gar keine Arbeit mehr. Dazu kommen die hohen Fixkosten wie Mieten und Versicherungen. „Das zieht dir die Hosen aus, wenn man keine Einnahmen hat“, sagt Borgmann. Der Sommer verschafft den Gastronomen etwas Luft, das Geschäft läuft wieder an. Nun der zweite Lockdown. „Wir haben viel investiert, es gibt keine Reserven.“ Die Bundesregierung hat zwar Hilfe in Aussicht gestellt. Demnach sollen staatliche Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen Umsatzes vom November vorigen Jahres gewährt werden. Doch noch ist kein Geld geflossen.

Borgmann versucht, die Panik zu unterdrücken, er mag nicht vom Schlimmsten ausgehen, macht sich und anderen Mut. Noch glaubt er daran, dass die Restaurants im Januar oder Februar wieder öffnen können, dass dann alles nur eine schwierige Phase war. „Doch wir müssen schnell eine verlässliche Perspektive bekommen“, sagt er. „Sonst ist der Laden ganz dicht.“

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