Lockdown 2.0 – Braunschweigs Wirte kämpfen um jeden Gast

Braunschweig.  Die Kneipen und Bars sind seit Montag geschlossen. Restaurants wollen sich mit Liefer-und Abholservice über Wasser halten.

Ein Mitarbeiter von „Guido’s Pizzeria“ in der Neuen Straße übergibt einer Kundin zwei Pizzen zum Mitnehmen.

Ein Mitarbeiter von „Guido’s Pizzeria“ in der Neuen Straße übergibt einer Kundin zwei Pizzen zum Mitnehmen.

Foto: Norbert Jonscher

Die Gastronomen um Lars Nußbaum vom „Tresor“ und dem „Heinrich“, Andrea C.
Marannano vom „Al Trullo“, Giorgio Puma von „Guido’s Pizzeria“ und all die anderen hatten ihren Plan B, den abgespeckten Corona-Fahrplan, noch vom Frühjahr in der Schublade liegen und können nun auf ihre Erfahrungen vom ersten Lockdown zurückgreifen. Und ihre Zettelwirtschaft hat nun auch vorerst ein Ende.

Seit Montag sind Kneipen, Restaurants und Bars zu. Und das ist für die Inhaber ein zweiter harter Schlag innerhalb von wenigen Monaten. Damit hatten sie nicht gerechnet. Viele wissen nicht, wie es weitergehen soll.

„Rheinische Republik“ zieht die Notbremse

Die Inhaberin der „Rheinischen Republik“ in der Neuen Straße hat es hinter sich. Sie hat ihr Lokal eigenen Angaben zufolge an einen bekannten Braunschweiger Gastronomen verkauft – mitsamt Name, Inventar und Speisekarte, die leicht überarbeitet an den Neustart gehen werde. Wann der sei, das sei nun plötzlich wieder offen.

Im „Eichenwald“ kann man Essen abholen

Tim Frede (34) und sein Team im „Eichenwald“ in Mascherode bieten – wie auch etliche andere Lokale – ab sofort einen Abholservice an. Gerichte zum Mitnehmen. Und der laufe nun allmählich gut an, sagt der Wirt.

Er weiß: Die Einnahmen, die er daraus erzielt, könnten ihm auf der anderen Seite die vom Bund versprochenen Zuschüsse verringern. Aber das sei ihm egal, sagt der
34-Jährige, der, wie alle anderen auch, ein bitteres Jahr hinter sich hat. Ostern geschlossen, am Muttertag auch, keine Konfirmations-, keine Einschulungsfeiern.

Wenigstens die Spargelzeit im Mai/Juni ging so lala, als die ersten Gäste wieder kommen durften – doch nun das dicke Ende. Den ganzen November muss der „Eichenwald“ wie alle anderen geschlossen bleiben. Und das jetzt, wo die Braunkohlwanderungen beginnen, die Grünkohl- und die Gänsezeit angesagt ist.

An das Weihnachtsgeschäft mag Frede noch gar nicht denken. Er rechnet nicht damit, dass sich die Infektionszahlen bis dahin in dem Maße erholt haben werden, dass er wieder aufmachen kann. Mutter Waltraud kann das alles gar nicht fassen. „Ich arbeite jetzt 46 Jahre hier. So ein Jahr haben wir noch nicht gehabt.“

Winterzelt vor „Guido’s Pizzeria“ wieder abgebaut

Ärger auch bei Giorgio Puma und seinen Leute in „Guido’s Pizzeria“ in der Neuen Straße. Da hat man eine tolle Idee mit dem beheizten Winterzelt vor der Tür, das bei den Gästen auch gut ankommt. Und dann kann man wieder einpacken. Gäste dürfen dort bis auf Weiteres nicht bewirtet werden. Immerhin, der Außer-Haus-Verkauf brummt, wie es heißt. Die meisten Kunden wohnen oder arbeiten ja auch hier gleich um die Ecke. Das ist ein Pfund für das „Guido’s“, das im Umkreis von fünf Kilometern ausliefert.

Wie geht es weiter?

Bernd Weymann, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes und selbst Gastronom, glaubt nicht, dass die Restaurants und Kneipen noch vor Weihnachten wieder öffnen können. Zu hoch seien die Corona-Zahlen. „Man hat’s ja jetzt in Bayern gesehen. Da gab’s nach 14 Tagen auch keine Besserung.“ Die Situation sei prekär. Die Rücklagen seien aufgebraucht. Und dabei sei man in den letzten Wochen auf einem guten Weg gewesen. „Es steckte wieder Dynamik drin.“ Umso ärgerlicher, dass nun die Branche der zweite Lockdown trifft. Weymann: „Wir hatten gar nicht damit gerechnet, dass wir noch einmal zuschließen müssen.“ Das so wichtige Weihnachtsgeschäft sei gerade angelaufen, Feiern seien angemeldet worden. Über Nacht dann alles zurück auf null.

Was ist mit den „kleinen“ Gastronomen?

Vor allem die „Kleineren“ hätten kaum noch Möglichkeiten, sich zu retten. „Das Außer-Haus-Geschäft hat sich für sie überhaupt nicht bewährt. Zu hoch waren die Kosten“, so Weymann. Die Mitarbeiter befänden sich in einer Starre. Nicht nur die erneute Kurzarbeit, auch die fehlenden Trinkgelder träfen sie hart.

Die von der Regierung angekündigten Überbrückungshilfen für November seien zwar erstmal eine Summe. Bis zu 75 Prozent der Vorjahresmonatsumsatzes sollen Gastronomen erhalten. Weymann ist sich jedoch sicher: „Es gibt hier mit Sicherheit noch die eine oder andere Überraschung. Zum Beispiel, wenn Zuschüsse zurückgezahlt werden müssen.“ Erst im Frühjahr werde man sehen, wie die Branche durchgekommen ist.

Was tut die Stadt?

Unterdessen greift die Stadt Braunschweig den Wirten unter die Arme und hat im Internet eine Übersicht für Abhol- und Lieferangebote von Braunschweiger Gastronomie und Einzelhandel erstellt. Motto: Online bestellen, abholen oder liefern lassen und dabei die lokalen Betriebe unterstützen. Unter www.braunschweig.de/bestellen-liefern finden Interessierte eine Übersicht der Abhol- und Lieferangebote.

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