Braunschweiger Schrottverwerter Elpro ist insolvent

Braunschweig.  Erst vier Jahre ist die letzte Insolvenz her. Geschäftsführer und Insolvenzverwalter sind optimistisch, dass es weiter geht.

Elpro schließt vorerst die Annahme für Privatleute, das Firmengeschäft läuft weiter.

Elpro schließt vorerst die Annahme für Privatleute, das Firmengeschäft läuft weiter.

Foto: Privat

Im Frühjahr 2016 hat sich der Braunschweiger Schrottverwerter Elpro einer Rosskur unterzogen. Nach der Insolvenz Anfang Februar musste die Hälfte der Belegschaft gehen. Mit den verbleibenden 30 Mitarbeitern versuchte man, sich auf rentable Geschäftsfelder zu konzentrieren. Investoren wurden gefunden, es funktionierte. Doch nach viereinhalb Jahren und einer weiteren Reduzierung der Belegschaft auf rund 20 Mitarbeiter steht das Unternehmen erneut vor dem Aus. Der Geschäftsführer Wolfgang Ihme und der vorläufige Insolvenzverwalter Peter Steuerwald, der bereits die letzte Insolvenz begleitet hat, zeigten sich jedoch optimistisch, dass es weiter gehen könnte.

Ihme, der seit 2016 Gesellschafter des Unternehmens ist und die Geschäftsführung erst vor wenigen Monaten übernahm, sagt: „Wir haben einen Strategiewechsel versucht, aber das war nicht ausreichend.“ Als Grund für die wirtschaftliche Schieflage nannte Ihme unter anderem den Verfall der Rohstoffpreise, der bereits bei der letzten Insolvenz als Grund angeführt wurde. Zudem sei das Geschäft mit den Privatkunden nicht mehr rentabel gewesen, weswegen die Annahme derzeit geschlossen ist. Das schmerze, weil Elpro eine beliebte Sammelstelle gewesen sei. „Wir wollen das wieder anbieten, aber wir müssen eine bessere Lösung finden. Die Kosten, die wir dadurch haben, fressen alles auf.“ Diebstähle von Elektrogeräten vom Hof des Schottverwerters täten ihr übriges. Und auch die Corona-Pandemie sei nicht spurlos an dem Unternehmen vorbei gegangen. Die zuliefernden Betriebe hätten ihre Produktion deutlich zurückgeschraubt. Beim Elektroschrott habe es einen erheblichen Einbruch gegeben.

„Die Firma hat darunter gelitten, dass der Geschäftsführer nicht immer vor Ort war“

Doch im Gespräch mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter wird klar, dass das nicht der Kern der Probleme ist. Der Verfall der Rohstoffpreise beispielsweise sei nicht zu leugnen. „Aber das ist nicht der K.-o.-Schlag. Man muss kreativ sein.“ Jede Firma hat mit sich verändernden Konditionen zu kämpfen. „Das ändert nichts daran, dass man in einem umkämpften Markt auch Geld verdienen kann.“

Natürlich gebe es nie nur einen Grund für eine Insolvenz, aber bei Elpro sei deutlich, dass das Unternehmen ein Führungsproblem habe. „Der Geschäftsführer muss vor Ort sein und das ist er nicht.“ Ihme führt die Geschäfte von Berlin aus. Aber das Problem bestand schon bevor Ihme vor einigen Monaten die Geschäfte übernahm.

Als Dirk Schöps, der das Unternehmen 1992 gründete, die Geschäftsführung nach der Insolvenz im Juni 2016 an Marianne von Bormann übergab, begann eine unruhige Zeit an der Spitze. „Die Firma hat darunter gelitten, dass der Geschäftsführer nicht immer vor Ort war.“ Von Bormann blieb einige Jahre, dann übernahmen drei Mitarbeiter die Geschäftsführung, „aus der Not heraus, weil man keine Alternative fand“. Dann erklärte sich der Gesellschafter Ihme bereit. „Was wir jetzt brauchen, ist jemand, der für die Geschäftsführung brennt. Das ist nicht jedermanns Sache“, so Steuerwald.

„Gute Voraussetzungen für die Weiterführung“

Er will das Unternehmen nun so umstrukturieren, dass es für einen Investor interessant sein kann. Er sei bereits mit mehreren im Gespräch. Steuerwald sagt: „Ich bin überzeugt von dem Unternehmen, deshalb führe ich die Geschäfte fort. Das Produkt ist gut und Elpro hat in Braunschweig ein Alleinstellungsmerkmal. Es gibt keine direkten Wettbewerber.“ Das seien gute Voraussetzungen.

Ob es gelingt, die Geschäfte fortzuführen, könne er noch nicht sagen. Aber wenn das Unternehmen durch die Insolvenz geführt werden kann, dann dürften sich die Mitarbeiter keine Sorgen machen. „Wenn es weiter geht, dann werden sie gebraucht.“ Das Unternehmen habe in der Vergangenheit die Mitarbeiterzahl bereits deutlich reduziert. „Immer mehr Produktionskräfte abzubauen, ist für eine Firma nicht gesund. Mit ihnen verdient sie ja ihr Geld.“ Die Mitarbeiter sollten jetzt vielmehr mehr eingebunden werden, um Lösungen zu erarbeiten. „Mit den Mitarbeitern sollten Ideen gefunden werden, wie man den Markt entwickelt. Denn die sind ja nah an den Kunden dran.“

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