Wie Braunschweigs Brauerei Wolters die Corona-Krise meistert

Braunschweig.  Unternehmenssprecher Peter Lehna über brutale Verluste, unerwartete Erfolge, Kurzarbeit und Millionen-Investitionen.

Peter Lehna ist Mitgesellschafter und Unternehmenssprecher des Hofbrauhauses Wolters.

Peter Lehna ist Mitgesellschafter und Unternehmenssprecher des Hofbrauhauses Wolters.

Foto: Peter Sierigk / Sierigk

Turbulent wie wohl nie ist das Jahr 2020 für das Hofbrauhaus Wolters. Braunschweigs Traditions-Brauerei hat einen Teil der Krise durch den Einstieg der Volksbank Brawo gelöst. Geblieben ist die Corona-Pandemie, die die gesamte Gastronomie schwer trifft. Unternehmenssprecher und Mitgesellschafter Peter Lehna blickt im Interview dennoch optimistisch in die Zukunft.

Herr Lehna, kommt das Hofbrauhaus Wolters trotz der Pandemie über die Runden?

Ganz sicher. Obwohl natürlich auch wir schwer getroffen wurden. Im Frühjahr haben wir unseren Wirtschaftsplan angepasst. Ich nenne mal ein Beispiel: Ursprünglich gingen wir davon aus, den Fassbier-Absatz konstant zu halten. Dieses Ziel zu erreichen, war illusorisch. Wir haben mit einem Rückgang von 75 Prozent kalkuliert.

Warum 75 Prozent?

Im März und April hatte die Gastronomie geschlossen. Es war absehbar, dass es keine Massenveranstaltungen geben würde. Keine Events, keine Feiern, keine Messen. Eintracht Braunschweig spielte vor leeren Rängen. Tatsächlich wird der Rückgang nur bei 50 Prozent liegen. Ein deutlich besseres Ergebnis als erwartet. Aber eine Absatz-Halbierung ist natürlich immer noch brutal.

Produkte der Region beim Kunden beliebt

Gab es auch ein Plus? Das Wohl und Weh ist ja nicht ausschließlich vom Fassbier abhängig.

Ja. Wir haben profitiert vom neuen Umwelt-Bewusstsein. Es gibt allgemein einen ganz starken Trend, regionale Produkte zu kaufen. Heimische Waren, die nicht Hunderte von Kilometern durch die Republik gefahren werden müssen. Bei Dosen und Flaschenbier hatten wir mit einem Plus von sechs bis sieben Prozent gerechnet. Tatsächlich lag die Steigerung bei 20 Prozent.

Sie hatten das aber auch befeuert. Im Sommer gab es es die Pro-Wolters-Dose. Warum war das keine Rettet-Wolters-Dose?

Weil wir keine Rettungsarie singen müssen. Das Hofbrauhaus braucht nicht an das Mitleid zu appellieren. Wir sind stark und tief verwurzelt in der Region. Und das haben wir nicht nur mit der Dose zum Ausdruck gebracht, sondern auch mit der Veranstaltungsreihe Kulturgarten. Das war eine Kooperation mit der Volksbank Brawo und der Veranstaltungsagentur Undercover. Wir hatten insgesamt 10.000 Besucher auf dem Gelände. Für viele Künstler der Region war es die einzige Möglichkeit, wieder zurück auf die Bühne zu finden.

Kommt der Kulturgarten im Jahr 2021 zurück?

Auf jeden Fall. Wir werden vor unserem Verwaltungsgebäude auch noch umbauen, um die Fläche besser gastronomisch nutzen zu können.

Das kann aber nur ein kleiner Baustein sein, um durch die Krise zu kommen.

Auch die kleinen Bausteine werden benötigt. Wir haben mittlerweile einen Wolter-Fan-Shop eröffnet. Er öffnet zweimal im Monat. Wir haben völlig überraschend einen Umsatz von 200.000 Euro erzielt. Tendenz stark steigend. Natürlich kann man sagen: Die Summe ist vergleichsweise klein. Ist sie aber nicht, wenn man durch die Corona-Krise kommen will.

Export in die USA geplant

Wachstum hat Wolters in der Vergangenheit im Export erzielt. Corona, heißt es, habe Lieferketten reißen lass. Traf das auch das Hofbrauhaus?

Zum Glück nicht. Wir profitieren außerdem weiter davon, dass deutsche Waren im Ausland einen vorzüglichen Ruf genießen. Unsere größte Sorge war, dass der chinesische Markt zusammenbricht. China ist unser Haupt-Exportland. Die Pandemie ist dort allerdings unter Kontrolle. Der Markt erholt sich. Die Einbußen werden bei nur rund zehn Prozent liegen. Dafür haben wir einen neuen Markt in Nord-Italien erschlossen, wohin wir sogar Fassbier liefern. Im nächsten Jahr erwarten wir hohe Zuwächse in den USA. Dann werden sich unsere Investitionen auszahlen.

Warum?

Marktfähig sind dort nur Dosen, die etwas größer als die hier bekannten sind. Sie fassen nicht 0,5, sondern 0,568 Liter. Die werden wir bald abfüllen. Wir bauen auch eine neue Kälteanlage für 1,8 Millionen Euro und schaffen für weitere zwei Millionen Euro einen neuen Flaschenfüller an. Eine eigene Entalkoholisierungsanlage wird auch gebaut, um unsere Marktchancen bei alkoholfreien Bier-Mischgetränken zu verbessern.

Bürgschaft des Landes

Kam Wolters ohne Kurzarbeit durch die Krise?

Nein. Die Volksbank hat uns zwar geholfen, damit wir eine Landesbürgschaft als Corona-Hilfe bekamen. Aber ohne Kurzarbeit ging und geht es bei uns nicht. Zum Glück mussten wir niemanden entlassen. Aber dass in der Region unzählige Feste, Feiern, Messen ausfielen und ausfallen, spürt das gesamte Haus. Und natürlich auch die Krise in der Gastronomie. Das heißt: 80 Prozent Kurzarbeit in unserer Verwaltung und dem Vertrieb. Die Kurzarbeit im Vertrieb wollen wir eigentlich zum 1. November auf 50 Prozent verkürzen. Aber angesichts der aktuellen Corona-Entwicklung ist unklar geworden, ob das tatsächlich klappt.

Wann wird es denn besser?

Nicht vor dem Jahreswechsel. Vielleicht auch erst im Frühjahr 2021. Das kann niemand sagen.

Manche meinen, Lockerungen müssen her, damit die Pandemie nicht die Wirtschaft abwürgt.

Ich wüsste nicht, welche positiven Effekte eine unkontrollierte Lockerung haben sollte? Lockerungen würden nichts ändern. Die Angst vor einer Infektion und ihren Folgen ist tief in den Köpfen der Menschen verankert.

Mehr zum Thema

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder