In Braunschweig entdeckt – Von dieser Biene schwärmen Biologen

Braunschweig.  Im Naturschutzgebiet Riddagshausen sieht man jetzt schon mal die Blaue Holzbiene. Eigentlich kommt sie ja nur im Süden vor.

Blickfang: Das metallisch glänzende Insekt, die Blaue Holzbiene, ist so groß wie eine Hummel.

Blickfang: Das metallisch glänzende Insekt, die Blaue Holzbiene, ist so groß wie eine Hummel.

Foto: Lutz Allner/NABU

Wenn wir es einem ganz besonderen Gebiet zugetraut hätten, dann natürlich diesem. Im Naturschutzgebiet Riddagshausen haben Forscher der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover jetzt eine Insektenart entdeckt, die hauptsächlich eigentlich nur in Südeuropa vorkommt. Es ist die wärmeliebende Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea), eine bis zu 3 Zentimeter große Solitärbiene, dicht behaart, immerhin so groß wie eine Hummel.

„Tier des Monats“ im Oktober: eine Solitärbiene, die sonst nur im Süden lebt

„Trotz ihrer Größe und imposanten Erscheinung sind sie aber völlig ungefährlich und gegenüber Menschen nicht angriffslustig. Sie können zwar stechen, tun dies aber nur, wenn man sie in die Enge treibt“, berichtet Dr. Eckhard Holtorf vom Institut für Tierökologie, der die Entdeckung in Riddagshausen machte.

Denn dort hat die Tierärztliche Hochschule ihre Ökologische Außenstelle im Alten Bahnhof Schapen eingerichtet, gleich gegenüber von Schäfers Ruh’. Und dort im Info-Kasten mit dem „Tier des Monats“ prangt jetzt im Oktober natürlich die Blaue Holzbiene.

Eigentlich hört man gerade so viel vom Verschwinden vieler Insekten – und dann so eine Nachricht. Man liest es ja gern. Passt das denn zu den Meldungen vom Artensterben? „Leider schließt sich das nicht aus“, erklärt Professor Bernd Schierwater, Direktor des Instituts für Tierökologie.

Mehr heiße, trockene Sommertage, dazu milde Winter ohne Schnee und weitere günstige Bedingungen könnten indes die Ausbreitung der Blauen Holzbiene bis nach Norddeutschland begünstigt haben.

Das weiß auch Carlo Fuchs vom Nabu-Bezirk Braunschweig, der der Redaktion von weiteren Sichtungen der Blauen Holzbiene in der Region berichtet. Positiv wirken sich da nämlich auch die bundesweiten Insekten-Zählaktionen aus. Da schaut man dann schon mal genauer hin, was da fliegt.

Wer jetzt eine Blaue Holzbiene sieht, kann das auch beim Naturschutzbund melden

Und entdeckt eine faszinierende Holzbiene, die, wie der Name schon sagt, Gänge in trockenes, totes Holz schneidet. Ein bisschen erinnert sie tatsächlich an eine Hummel, aber ihre Flügel schimmern unverwechselbar bläulich. Bei der Hummel sind sie durchsichtig.

Schau’n wir mal, bis Ende Oktober könnte man die Blaue Holzbiene ja noch fliegen sehen. „Ihre tiefschwarze, leicht bläulich schimmernd-glänzende Farbe irritiert und weckt die Neugier, genauer wissen zu wollen, was man da wohl gerade gesehen hat“, sagt Carlo Fuchs. Sichtungen kann man hier melden: NABU.Braunschweig@t-online.de.

Zurück in Schapen, wo wir am Alten Bahnhof Professor Schierwater mit den Nachwuchswissenschaftlern Nicole Bergjürgen (27) und Konstantin Fuhrberg (25) treffen. Für die Biologen ist es natürlich eine Sternstunde, jetzt den Ursachen für solche offensichtlichen Veränderungen und ihren Wirkungen nachspüren zu können.

Zuletzt hatten sie Exemplare der Blauen Holzbiene bei einer Exkursion der Tierärztlichen Hochschule nach Südfrankreich im Rhonedelta zu Gesicht bekommen. Jetzt also in Riddagshausen, ganz schön spannend.

Kommt das vom Klimawandel? Für Eckhard Holtorf ist dieser Gedanke nicht ganz von der Hand zu weisen. Dass ein Insekt, dessen Hauptverbreitungsgebiet sich in Südeuropa befinde, sich jetzt bis nach Norddeutschland ausdehnen konnte, hält er durchaus für eine Bestätigung.

Auch Bernd Schierwater führt „Global Warming“ ins Feld, ein Anstieg der Durchschnittstemperatur mit Rückkopplungen und Wechselwirkungen auf Fauna und Flora.

Für die Forscher ist die Entdeckung in Riddagshausen ein Glücksfall. Sie lernen jetzt noch mehr über den Klimawandel

Dies konkret am Beispiel einer „wandernden“ Art so wie jetzt am Bahnhof Schapen in Riddagshausen untersuchen zu können, gilt als Glücksfall. Von der Blauen Holzbiene, die auch Große, Blauschwarze oder Violettflüglige Holzbiene genannt wird, weiß man, dass sie standorttreu ist und meist in dem Holz nistet, aus dem sie selbst einmal geschlüpft ist. Auch das spricht dafür, Holz besser liegen zu lassen, wo es geht, und nicht ständig den Wald „aufzuräumen“.

In besonders wärmebegünstigten Regionen, lernen wir, besiedelt diese Art gern blüten- und totholzreiche Streuobstwiesen, aber auch Gärten, Parks, Waldränder und Lichtungen. Mithin Biologie vom Feinsten, weshalb wir als regelmäßige Spaziergänger und Wanderer in Riddagshausen doch auch immer mal wieder einen Blick in den Info-Kasten am Alten Bahnhof Schapen mit der „Art des Monats“ werfen sollten. Wer weiß schon, was sich da demnächst noch alles findet und entdecken lässt.

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