Braunschweig rettet Lebensmittel: Auf die Sinne vertrauen

Braunschweig.  Das Thema Vernichtung essbarer Lebensmittel ist nicht nur während der bundesweiten Aktionswoche brandaktuell.

Maren Hain (links) und Swantje Schendel verteilten am Foodsharing-Stand Aufstriche, Marmelade und Gemüsesaucen, die in einer Gemeinschaftsaktion aus schon aussortierten Lebensmitteln entstanden sind. Foto: Karsten Mentasti

Maren Hain (links) und Swantje Schendel verteilten am Foodsharing-Stand Aufstriche, Marmelade und Gemüsesaucen, die in einer Gemeinschaftsaktion aus schon aussortierten Lebensmitteln entstanden sind. Foto: Karsten Mentasti

Foto: Karsten Mentasti

Die Premiere des Aktionstags „Braunschweig rettet Lebensmittel“ mit Ständen zwischen Schloss und Theater ist am Samstag etwas ins (Regen-)Wasser gefallen, so dass die Aufmerksamkeitsquote durch Passanten eher gering war. „Wir haben wenige, aber dafür gute Gespräche geführt“, sagte Mitorganisatorin Britta Steven vom Stadtgarten Bebelhof.

Das Thema Vernichtung essbarer Lebensmittel ist nicht nur während der bundesweiten Aktionswoche brandaktuell, die am Dienstag im Internationalen Tag gegen Lebensmittelverschwendung gipfelt.

Netzwerk regt zum Nachdenken an

Die an der Organisation des Aktionstages beteiligten Organisationen und Vereine – das Thünen-Institut mit Sitz im Kanzlerfeld, Slow Food, Foodsharing und der Stadtgarten Bebelhof – haben als Netzwerk versucht, Gesprächspartner zum Nachdenken anzuregen, mit Lebensmitteln achtsamer und wertschätzender umzugehen. Auch weitere Gruppierungen beteiligten sich mit Info-Tischen.

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Sinnvolles Kundenverhalten fängt damit an, dass man im Supermarkt auch die schon etwas reiferen Bananen mitnimmt, die man im Gegensatz zu den noch nachreifenden eben in den ersten Tagen nach dem Kauf verzehrt“, sagte Agrarwissenschaftlerin Dr. Felicitas Schneider vom Thünen-Institut.

Zwölf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle fallen jährlich in Deutschland an, davon 52 Prozent in privaten Haushalten und 17 Prozent in der Verarbeitung.

Ein weiterer Tipp: „Man sollte seine Sinne einsetzen, um Lebensmittel wie Joghurt, Eier oder Reis nicht sofort mit Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums wegzuwerfen.“ Mit „schauen, riechen und schmecken“ bekomme man bei vielen Lebensmitteln schnell heraus, ob diese auch nach dem oft fehlinterpretierten „MHD“ noch verarbeitet und genossen werden könnten, betonte die Forscherin aus dem Thünen-Institut für Marktanalyse.

Klöckner startet Kampagne gegen Lebensmittel-Verschwendung
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Die Vereinten Nationen hätten in ihrem Konzept für nachhaltige Entwicklung als Ziel ausgegeben, die weltweite Verschwendung von Nahrungsmitteln pro Kopf bis 2030 zu halbieren. Um das auch nur annähernd zu schaffen, gelte es, den Konsumenten Basisinformationen zu vermitteln, „dass jeder zuhause und im Büro mitmachen kann, Lebensmittel besser zu verwerten. „Wirklich nur nach Zettel einzukaufen, damit man sich im Laden nicht verleiten lässt“, sei ein weiterer leicht umzusetzender Tipp.

Krummes Obst schmeckt auch

Immer mehr Geschäfte hätten ihr Verhalten schon geändert, indem sie nicht normgerechtes Obst und Gemüse anböten. „Selbst gezogenes, krummes Gemüse aus dem eigenen Garten schmeckt doch auch“, sagte Schneider.

Um zu zeigen, wie im Laden aussortierte Nahrungsmittel weiterverwendet werden können, wie es Organisationen wie die Tafeln und auch Foodsharing regelmäßig tun und mit vielen Läden zusammenarbeiten, haben die Netzwerkpartner gemeinsam im Stadtgarten Bebelhof eingekocht und jetzt Gläschen mit Marmelade, Aufstrich und Gemüsesaucen verschenkt. „Die Wertschätzung von Lebensmitteln fängt im Kopf an“, betonte zudem Astrid Oberthür von der Initiative Slow Food Braunschweiger Land.

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