Braunschweiger Magniviertel lebt immer mehr auf

Braunschweig.  Die Außengastronomie boomt und verleiht dem Viertel ein neues, lebendiges Gesicht.

Der Magnikirchplatz lebt auf. Die Außengastronomie erobert das Herzstück des Viertels.

Der Magnikirchplatz lebt auf. Die Außengastronomie erobert das Herzstück des Viertels.

Foto: Norbert Jonscher / NJ

Michael Rathke sitzt in der Sonne, vor seinem Pfannenrestaurant „Anders“ am Magnitor, und sinniert. Für den Vorstandsvorsitzenden der Werbegemeinschaft Magniviertel und seine ambitionierten Mitstreiter gibt es derzeit viel zu überlegen und zu durchdenken. Da ist zum einen das anstehende Magnifest, das alljährlich am ersten September-Wochenende gefeiert wird. Kann es in diesem Jahr stattfinden, in irgendeiner Form? Würde das Sinn machen?

Was ist mit dem Magnifest?

Hier sind die Würfel noch immer nicht gefallen. Denn das beliebte Fest einfach abzusagen, ist für manchen keine Option – auch vor dem Hintergrund der Corona-Durststrecke im Frühjahr, an der viele Geschäftsleute noch heute knabbern. Da käme das Magnifest gerade recht, um frisches Geld in die Kassen zu spülen.

Rathke persönlich sieht das anders. Auch wenn das Fest im Corona-Modus stattfinden könnte, in abgespeckter Mini-Variante, wären die Ausgaben dennoch da: die Sondernutzungsgebühren für Straßen und Plätze, für den Brandschutz, die Sicherheit und, und, und. „Das alles kostet so oder so Geld, doch auf der anderen Seite kriegen wir viel weniger an Standgebühren herein.“

Bei ersten Vorgesprächen habe die Stadt signalisiert: Pro Besucher müsse man rund 10 Quadratmeter kalkulieren. Rathke: „Aber dafür haben wir hier gar nicht die Fläche.“ So oder so, in Kürze werde hier eine Entscheidung fallen.

… und die Fußball-Rabauken?

Ein anderes großes Thema: die unschönen Vorkommnisse bei der Saisonabschluss-Feierei, bei der nicht nur bierselig herumgegrölt wurde. Es wurden auch im Viertel bengalische Feuer gezündet, die Abstandsregeln wurden nicht eingehalten. Und dies habe man gar nicht gebrauchen können, findet Michael Rathke. Das Image als beschauliches Viertel, in dem Abstände gewahrt werden, habe gelitten. Mehr noch, man müsse damit rechnen, dass sich Ähnliches bei anderer Gelegenheit wiederholen könnte. Und das sei abzusehen, wenn man nichts unternehme. Rathke mag gar nicht an die „Derbys“ in der 2. Liga denken, wenn Eintracht gegen Hannover 96 spielt oder den HSV. „Ich möchte nicht wissen, was dann hier los ist.“

Seit einiger Zeit schon führe er Gespräche mit der Stadt. Das Ergebnis sei ernüchternd. Das Stadtmarketing, das die Außenplätze an die Wirte vermietet, sagt: Für die Einhaltung der Corona-Regeln sei das Ordnungsamt zuständig. Und das Ordnungsamt? Das sagt, man könne nicht überall zugleich sein.

Nachfolger für das „Friedrich“

Doch es gibt auch Lichtblicke. Denn das Viertel boomt. Es gibt keine Leerstände, nachdem das „Riptide“ in das Ecklokal am Magnikirchplatz gezogen ist und auch das Restaurant „Friedrich“ schnell einen Nachfolger gefunden hat: das „Friedrich II“, das mit neuem Konzept an den Start geht und einer neuen Speisekarte, auf der sich selbstgemachte Pommes beispielsweise wiederfinden.

Nicht nur die Werbegemeinschaft, auch die Bürgerschaft ist stolz auf „ihr“ Viertel, auf die vielen urigen Kneipen, die originellen Geschäfte und das gänzliche Fehlen von „Notmietern“ wie Euro-Shops oder Dönerläden. Rathke: „Wir haben hier eine gesunde Mischung und achten darauf, dass dies so bleibt.“ Wobei die Außengastronomie dem Viertel ein neues, lebendiges Gesicht verleiht. Vor allem auf dem Magnikirchplatz, der an Wochenenden dicht bevölkert ist mit Gästen angrenzender Lokale.

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