Zwei junge Braunschweiger starten Textildruck-Manufaktur

Braunschweig.  Johanna Kölmel und Dominik Ott bedrucken fair gehandelte Textilien. Einen Teil der Erlöse spenden sie an Tierheime.

Ein Keller voller Ideen: Johanna Kölmel und Dominik Ott bedrucken fair gehandelte Textilien mit eigenen Motiven.

Ein Keller voller Ideen: Johanna Kölmel und Dominik Ott bedrucken fair gehandelte Textilien mit eigenen Motiven.

Foto: Katharina Lohse

Es gibt viele Gründe, sich den Keller vorzuknöpfen. Die Kellertür öffnen zu können, ohne von Kartons erschlagen zu werden, kann einer davon sein, alten Kram aussortieren, um Platz für neuen Kram zu machen ein anderer. Raum für ein kleines Unternehmen zu schaffen aber, gehört wohl bei den wenigsten zu den Beweggründen. Bei Johanna Kölmel und Dominik Ott war genau das der Fall. Auf wenigen Quadratmetern haben sie eine kleine Siebdruckwerkstatt eingerichtet, in der sie selbst und lokal designte, fair gehandelte Textilien bedrucken.

„Wir machen handwerklich sehr viel und sind gerne kreativ tätig“, sagt Johanna Kölmel. Da lag es nahe, selbst aktiv zu werden, als sie einfach keine passenden Partner-T-Shirts finden konnten. „Wir wollten gerne solche T-Shirts, konnten aber einfach nichts finden, das gefiel oder passte“, sagt Ott und fügt an: „Dann habe ich gesagt: wir kaufen eine Siebdruckmaschine und machen es einfach selber.“ Das war im Februar. Und dann kam Corona und mit dem Lockdown jede Menge Zeit. Ott, der als Ingenieur in Wolfsburg arbeitet, war ebenso im Homeoffice wie seine Freundin Kölmel, die nach einem Pharmazie-Studium im September in einer Apotheke startet, damals aber noch an der TU Braunschweig arbeitete. So mancher Weg fiel weg, das schaffte Freiräume. Und so gingen sie in die Produktion, kauften nach kurzer Zeit eine zweite Siebdruckmaschine, um auch mehrfarbig drucken zu können, und eine Transferpresse zur Fixierung des Drucks mit Hitze, sie gründeten ihre Manufaktur „Lilly Shirts“ und richteten einen Online-Shop ein.

Rund 250 Artikel haben die 26-Jährige und der 27-Jährige bereits verkauft – von T-Shirts über Pullover bis hin zu Jute-Beuteln. Und sie haben auch schon einen großen Kunden beliefert: Das Klinikum Braunschweig orderte 35 T-Shirts und Taschen für die Auszubildenden, die im August ihre Lehre starteten. Morgen liefern Kölmel und Ott sie an das Klinikum aus.

Die T-Shirts sollen individuell bleiben, die Stückzahl einzelner Motive ist begrenzt

Wichtig ist den beiden, dass sie individuelle T-Shirts fertigen wollen. „Manche Motive wollen wir auf 50 Stück limitieren und danach nicht mehr drucken“, sagt Kölmel. „Es ärgert uns, wenn wir durch die Stadt gehen und drei Mal das gleiche T-Shirt sehen.“ Ihre Kunden können die Farbe des Textils und des Drucks selbst bestimmen und auch anderes mitbestimmen. So könne bei Motiven mit Text beispielsweise der Text weggelassen werden. „Wir wollen individuelle Shirts, die man lange und gerne trägt.“ Auch sei ihnen wichtig, dass die Waren, die sie bedrucken, fair gehandelt und aus Bio-Baumwolle hergestellt sind. Bei der Verpackung verzichten sie auf Plastik.

Und ein ganz wesentlicher Teil ihrer Geschäftsidee ist, dass sie einen Euro für jeden gekauften Artikel an Tierheime oder Tierschutzorganisationen spenden. Den Grund dafür trägt das Unternehmen im Namen: Lilly, die Hündin auf dem Logo der Firma ist 2007 aus einer Hundefalle in Spanien gerettet worden. Anschließend wurde sie über eine Tierschutzorganisation nach Deutschland gebracht und von Kölmels Familie adoptiert. Trotz ihrer Vergangenheit sei Lilly allen Menschen gegenüber aufgeschlossen und freundlich. So freundlich, dass selbst Ott seine Angst vor Hunden schnell verlor und er und Kölmel darüber nachdenken, einen Hund zu adoptieren.

„Dem ersten, den ich mit unserem T-Shirt sehe, gebe ich ein Eis aus.“

Mit der Spende wollen Kölmel und Ott helfen, auch anderen Tieren eine Chance zu geben, wie Lilly eine bekommen hat. 150 Euro haben sie bereits an Tierheime in Braunschweig, Salzgitter und Bad Karlshafen gespendet. Für weitere 100 Euro sind sie auf der Suche nach einem Empfänger. Und ihr Engagement geht über finanzielle Spenden hinaus. So gestalten sie beispielsweise derzeit unentgeltlich ein Logo für das Tierheim Bad Karlshafen.

Und ihre Pläne? Erstmal nebenberuflich weitermachen – es sei ein Hobby, zwei bis drei Stunden verbrächten sie abends damit. Und warten: auf den Moment, in dem sie eines ihrer T-Shirts an einer ihnen unbekannten Person in der Innenstadt sehen. „Dem ersten, den ich damit sehe, gebe ich ein Eis aus“, sagt Ott. Und dann, irgendwann, sagt er, wäre es auch schön, in eine richtige Werkstatt umzuziehen. Dann ist auch wieder Platz im Keller für all den anderen Kram.

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