Galeria-Konzern kündigt Mietvertrag für Kaufhof in Braunschweig

Braunschweig.  Am 31. Oktober 2020 soll Schluss sein. Auch die Beschäftigten haben Kündigungen erhalten. Gibt es trotzdem noch Hoffnung?

Im Kaufhof hat der Räumungsverkauf begonnen.

Im Kaufhof hat der Räumungsverkauf begonnen.

Foto: Henning Noske / Archiv

Für die mehr als 100 Beschäftigten im Kaufhof am Bohlweg wird die Lage von Tag zu Tag unerträglicher. Wie die Betriebsratsvorsitzende Ute Jordan mitteilt, sind inzwischen die Kündigungen eingegangen. Allerdings: Nach wie vor habe sie keine offizielle Erklärung der Galeria-Konzernspitze, dass die Filiale zum 31. Oktober definitiv schließen wird. „Wir erfahren einfach nichts“, beklagt sie. „Das ist das Schlimmste in dieser Situation.“

Stattdessen schaltete der Konzern am Donnerstag aber eine Zeitungs-Werbeanzeige. Darin wird die Schließung des Braunschweiger Kaufhofs und der Karstadt-Sports-Filiale am Damm verkündet: „Alles reduziert. Alles muss raus.“ Außerdem hat Galeria-Karstadt-Kaufhof den Mietvertrag für das Kaufhof-Gebäude zum 31. Oktober 2020 gekündigt. Die Immobilie gehört seit 2017 der Volksbank BraWo.

Volksbank: Weder Mietreduzierung noch Flächenverkleinerung hätte etwas geändert

Auf Anfrage teilte die Bank am Donnerstag mit: „Die Kündigung des Mietvertrags ist am Montag bei uns eingegangen. Bei einem Telefongespräch kam zudem heraus, dass weder eine Mietreduzierung noch eine Flächenverkleinerung etwas an der Entscheidung geändert hätte, da der Kaufhof aus Sicht des Mieters unrentabel war und ist. Daher wurde auch offensichtlich in der Vergangenheit nicht mit uns gesprochen.“

Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank, Jürgen Brinkmann, hatte den Warenhaus-Konzern Ende Juni heftig kritisiert: „Es hat keinerlei Kontakt oder Kontaktversuche vom Mieter in den letzten Monaten gegeben.“ Brinkmann zufolge liegt die Miete deutlich unter zehn Euro pro Quadratmeter und könne daher kein Grund für die Schließung gewesen sein. „Laut bisherigen Aussagen des Konzerns soll das Warenhaus beziehungsweise der Standort in der Vergangenheit rentabel gewesen sein“, hatte er vor einem Monat betont.

Auch Oberbürgermeister Ulrich Markurth hatte von einer „bedauerlichen und inakzeptablen Intransparenz“ seitens des Warenhaus-Konzerns gesprochen.

Das Magazin „TextilWirtschaft“ berichtete am Mittwoch, dass sich die Galeria-Unternehmensleitung einen Brief an alle Oberbürgermeister der Schließungs-Standorte geschickt habe. Diesem Schreiben zufolge gebe es keine Hoffnung mehr auf Rettung. In Braunschweig ist solch ein Brief nach Auskunft der Stadtverwaltung bislang allerdings nicht eingegangen.

Der Galeria-Konzern äußerte sich am Donnerstag nicht auf eine Anfrage unserer Zeitung.

Ulrich Kühnast will sich mit Gerhard Glogowski für den Erhalt einsetzen

Einige Tausend Kunden haben bereits für den Erhalt des Kaufhofs unterschrieben. Einer, der sich auch jetzt noch dafür einsetzen will, ist Ulrich Kühnast, Vorsitzender des Vereins „Ausbildungsverbund der Wirtschaftsregion Braunschweig“. Seine Kritik: „Dieses Vorgehen ist ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter, die jahrelang die Erträge erwirtschaftet haben. Ich frage mich, wie das in unserer sozialen Marktwirtschaft möglich sein kann. Da muss endlich mit offenen Karten gespielt werden!“

Er habe Braunschweigs Ehrenbürger Gerhard Glogowski dafür gewinnen können, sich gemeinsam an Oberbürgermeister Ulrich Markurth zu wenden. Kühnasts Erwartung: „Es muss doch machbar sein, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen. In Goslar war es durch den Einsatz von Sigmar Gabriel auch schnell möglich, dass der dortige Karstadt nun doch nicht schließen muss. Selbst am 28. Oktober können die Kündigungen noch zerrissen werden, wenn man eine Einigung findet!“

Seiner Meinung nach sollte zumindest bis zum regulären Ende des Kaufhof-Mietvertrags Mitte 2023 eine Bestandsgarantie möglich sein. Kühnasts Vorschlag: „Man könnte die Sortimente von Kaufhof und Karstadt-Sports großzügig nach Ertragsgesichtspunkten bereinigen und beide Häuser am Standort Bohlweg zusammenlegen. Dann wäre beiden geholfen.“

Mehr zur aktuellen Lage bei der Braunschweiger Karstadt-Sports-Filiale können Sie hier nachlesen.

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