Braunschweig: Mund-Nasen-Schutz in der Schulpause – oder nicht?

Braunschweig.  Die Schulen in Braunschweig versuchen die Hygienepläne umzusetzen. Doch in Detailfragen sind die Lehrkräfte manchmal uneins

Schulleiterin Alexandra Lambrecht von der Realschule Sidonienstraße (links) und Stellvertreterin Inga Wiesner wollen an den Lehrertischen der jüngeren Jahrgänge auch noch einen Spuckschutz anbringen.

Schulleiterin Alexandra Lambrecht von der Realschule Sidonienstraße (links) und Stellvertreterin Inga Wiesner wollen an den Lehrertischen der jüngeren Jahrgänge auch noch einen Spuckschutz anbringen.

Foto: Henning Thobaben

Morgens vor der Realschule Sidonienstraße. Jedes Kind wird an der Tür mit der Frage begrüßt: „Fühlst du dich gesund?“ Nur, wenn die Kinder mit „Ja“ antworten, dürfen sie im Gänsemarsch und mit Abstand zu den anderen ins Gebäude gehen, Markierungen zeigen die Laufwege.

Wer seinen Mund-Nasen-Schutz vergessen hat, bekommt einen ausgehändigt. „Auch in den Pausen tragen Lehrer wie Schüler die Masken“, sagt Schulleiterin Alexandra Lambrecht. Ihre Einrichtung tut wie viele andere alles, um den größtmöglichen Infektionsschutz zu gewährleisten und den Vorgaben des Kultusministeriums gerecht zu werden. Allerdings: In einigen Fragen bleibt für jede Schule ein Handlungsspielraum offen. Und der wird bisweilen genutzt – und führt in manchen Fällen zu Diskussionen in den Kollegien.

Auf dem Hof der Grundschule Querum ist einiges los. Mund-Nasen-Schutz tragen die Kinder nicht, einige spielen Fußball. Auch die Aufsicht führenden Lehrkräfte verzichten darauf. Warum? Auf Anfrage unserer Zeitung möchte sich die Schulleitung dazu nicht äußern. Dabei könnte die Schule leicht einige Argumente anführen. Zum Beispiel: Rein rechtlich kann eine Schule das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes nicht vorschreiben, sondern nur eine Empfehlung aussprechen. Oder sie könnte erklären, dass viele Kinder in ihrer Freizeit mit Freunden ebenfalls ohne Maske an der frischen Luft spielen.

Auch an der Grundschule Heidberg tragen die Kinder in den Pausen draußen keinen Mund-Nasen-Schutz. „Alle haben nach der langen Zeit zu Hause einen großen Bewegungsdrang. Den sollen sie auch ausleben können und dabei frische Luft tanken“, sagt Schulleiterin Birgit Penkuhn-Beck. Zudem befänden sich immer nur zehn Kinder gleichzeitig auf dem Hof, weswegen ein Verzicht auf die Maske zu vertreten sei. „Unsere Lehrkräfte sind da sehr kreativ, spielen auch mal Musik draußen ab, um die Kinder in Bewegung zu bringen“, sagt Birgit Penkuhn-Beck. Ihre Schule habe alles gemacht, um die Hygieneanforderungen umzusetzen, erklärt die Schulleiterin. Dass es im Kollegium auch mal zu Diskussionen komme, sei selbstverständlich. Aktuelles Beispiel: die Nutzung der Schaukel. Manche plädierten für Freigabe, manche für Sperrung. „Ob das Virus über Gegenstände wie Metall übertragen werden kann, ist ja noch nicht geklärt“, sagt die Leiterin.

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In Einzelfällen wird in den Kollegien der Schulen aber offenbar nicht nur diskutiert – sondern gestritten. Eine Pädagogin, die anonym bleiben möchte, berichtet unserer Redaktion von einem sehr laxen Umgang mit dem Hygieneplan des Ministeriums in ihrer Schule. Sie fühlt sich nicht ausreichend von der Schulleitung geschützt, hat Angst vor einer Infektion und Sorge davor, das Virus an Risikopatienten weiterzugeben.

Eva Lignow von der katholischen Grundschule Hinter der Masch ist positiv überrascht davon, wie gut die Kinder die Hygienemaßnahmen umsetzen. Erst vor wenigen Tagen habe mal ein Junge vor ihr gestanden, der keinen Mund-Nasen-Schutz aufgehabt habe. „Er hatte ihn vergessen und hat dann einen von mir bekommen“, berichtet die Schulleiterin, die schon einen Wettbewerb um die schönste Maske ausgerufen hat. In der ersten Stunde würden die Lehrkräfte mit den Kindern Hygieneaspekte thematisieren, manchmal in spielerischer Form oder mit Filmen – und das jeden Tag. In den Pausen ersetze Torwandschießen das Fußballspiel und Verstecken das Fangen.

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In der Grundschule Comeniusstraße sieht Schulleiterin Brigitte Rössing ihre Einrichtung durch das pädagogische Konzept mit starkem Fokus auf Partner- und Gruppenarbeit, kooperatives Lernen oder Projekte durch die Hygienemaßnahmen stark beeinträchtigt. Dennoch setze ihre Schule die Anforderungen konsequent um, berichtet sie. Die Stadt sei sehr bemüht gewesen, die Einrichtung mit Handtüchern, Seife und Desinfektionsmittel auszustatten, lobt sie. In einem Punkt hätten die Lehrkräfte selbst für zusätzlichen Schutz gesorgt: Manche hätten sich einen Spuckschutz an ihrem Lehrertisch installiert. Diese Maßnahme wird von der Stadt nicht getragen.

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„Bisher halten sich alle vorbildlich an die Maßnahmen“, sagt auch Mario Ludwig. Der Leiter der Grundschule Timmerlah nimmt in Kollegium und Elternschaft in Bezug auf das Hygienekonzept eine große Akzeptanz wahr. „Bei uns ist der Zusammenhalt groß“, erklärt er. Allerdings: Dadurch, dass nur vier Lehrer gleichzeitig ins Lehrerzimmer dürften, und die zeitlichen Abläufe verändert worden seien, kämen die Lehrer nicht mehr so oft miteinander ins persönliche Gespräch. Zudem würden die personellen Kapazitäten wegen der zusätzlichen Notbetreuung immer knapper, sagt Ludwig. Schließlich kehren ab Montag die zweiten Klassen in den Präsenzunterricht zurück, zwei Wochen später die ersten Klassen. Und je jünger die Kinder sind – da sind sich praktisch alle Verantwortlichen einig – desto größer wird auch die Herausforderung, die Hygienemaßnahmen einzuhalten.

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