Kälberwiese ist jetzt Baugebiet – und liegt auf Eis

Braunschweig.  In Braunschweigs Westen könnten bis zu 550 Wohnungen gebaut werden, doch Anwohner wollen das verhindern.

An der Feldstraße liegt die riesige Brache, auf der allein mehr als 500 Wohnungen und Reihenhäuser entstehen sollen. 

An der Feldstraße liegt die riesige Brache, auf der allein mehr als 500 Wohnungen und Reihenhäuser entstehen sollen. 

Foto: STACHURA

Im Westlichen Ringgebiet könnten bis zu 550 Wohnungen und Reihenhäuser entstehen. Doch es geht nicht recht voran, weil Anwohner den Bau verhindern wollen. Dabei wurde während der Ratssitzung am Dienstag ein Meilenstein genommen. Denn die ehemalige Bezirkssportanlage Kälberwiese ist nun offiziell Baugebiet. Der Flächennutzungsplan wurde geändert und ein Bebauungsplan beschlossen. Nach sieben Jahren der Vorbereitung und Millionen-Kosten für eine Altlasten-Sanierung sind nun die Bedingungen geschaffen, damit die Erschließung beginnen kann.

Doch keine Spur von schwerem Gerät, das Erschließungsstraßen anlegt. Seitens der Stadtverwaltung heißt es, sie werde jetzt mit der städtischen Grundstücksgesellschaft Braunschweig GmbH Gespräche über das weitere Vorgehen führen. „Dabei ist dann auch zu klären, ab wann mit einer Erschließung und in der Folge mit der Vermarktung der rund 320 Wohnungen gerechnet werden kann.“ Es sei zudem vorgesehen, das Planungsrecht für einen 2. Bauabschnitt zu schaffen – mit ungefähr 180 Wohneinheiten.

So richtig glücklich ist Bezirksbürgermeisterin Annette Johannes mit aktuellen Entwicklung nicht. Ja, es sei zurzeit kompliziert: Der Baugrund gehöre zwar der Stadt Braunschweig. Ein Investor, der die Pläne umsetzt, sei jedoch noch nicht gefunden. Der Corona-Virus sorge offenbar dafür, dass die Bauverwaltung noch nicht über die gewohnte Leistungsfähigkeit verfüge. „Außerdem steht ein Wechsel in der Verantwortlichkeit für das Baugebiet an. Der neue Dezernent Holger Herlitschke wird demnächst übernehmen.“ Die Bezirksbürgermeisterin kündigte an, um einen Sachstandsbericht bei der Verwaltung bitten zu wollen.

Die hatte geglaubt, in der komplizierten Interessen-Abwägung die Vorbehalte der Anwohner zerstreut zu haben. Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer sagt: „Wir sind der Meinung, dass der Hochwasserschutz gewährleistet ist und nach Fertigstellung des Baugebiets sogar besser sein wird, zugleich teilen wir die Sorge nicht, dass der Verkehr stark zunimmt.“

Seitens des kritischen Siedlervereins meint dazu Hans Ochmann: „Wie soll das gehen? Natürlich nimmt der Verkehr stark zu, wenn so viele neue Wohnungen gebaut werden.“ Der Verein überlegt, gegen die Planung zu klagen.

Doch das ist bereits an anderer Stelle erfolgt. Denn wer ins Baugebiet Feldstraße vom Süden aus will, der muss durch das Neubaugebiet Schölke, in dem rund 40 Wohneinheiten geplant sind. Eine Verbindungsstraße gibt es dort freilich nicht. Und geht es nach Anwohner Peter Smolka, wird auch nie eine gebaut. Smolka gehört zu einer Anwohner-Initiative, die das Baugebiet Schölke gestoppt hat und erklärt: „Es waren formale Gründe, die zum Stopp führten. Vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg geht es nun um inhaltliche Streitpunkte.“

Smolka berichtet, dass es mittlerweile eine Annäherung von Initiative und Stadtverwaltung gegeben habe: „Wir sind uns einig, dass der neue Bebauungsplan kein neues Baurecht setzt, sondern gemeinsam mit dem alten Bebauungsplan betrachtet werden muss.“ Außerdem: „Die Stadt ist mittlerweile ebenfalls der Auffassung, dass im Baugebiet eine Überschwemmungsgefahr besteht.“ In welchem Umfang, darüber werde demnächst gestritten.

Wann ein Urteil zu erwarten ist, weiß Smolka nicht: „In einem Eilverfahren wurde der Baustopp verhängt. Das hat 16 Monate gedauert. Welche Dauer nun das Hauptverfahren haben wird, ist schwer zu sagen. Zumal auch niemand weiß, wie stark das Oberverwaltungsgericht unter den Corona-Folgen leidet.“ Bis der Streit mit den Anwohnern ausgeurteilt oder beigelegt ist, wird es kein Baugebiet Schölke und auch keine Erschließungsstraße zum Baugebiet Feldstraße geben. Ob an anderer Stelle eine zweite Zufahrtsstraße zum Baugebiet Feldstraße angelegt werden könnte, dazu sagt Smolka: „Unsere Nachbarn sind nicht kooperativ und sich außerdem ihrer guten Verhandlungsposition bewusst.“

Hinweis: Der Artikel wurde aktualisiert. In einer früheren Version hieß es, dass in diesem Bereich im Westlichen Ringgebiet insgesamt 600 Wohneinheiten entstehen sollen. Darin eingerechnet war auch das benachbarte Baugebiet Schölke (40 bis 50 Wohneinheiten). Die Stadtverwaltung weist nun darauf hin, dass im Baugebiet Kälberwiese „nur“ 500 Wohneinheiten vorgesehen seien. Man kommt dann also auf insgesamt 540 bis 550 Wohneinheiten. Darüber hinaus betont die Stadt, dass die Bauverwaltung auch in der Corona-Krise in vollem Umfang und mit großem Einsatz arbeite – im Gegensatz zur Mutmaßung der Bezirksbürgermeisterin. Dass das Baugebiet nicht umgehend realisiert werde, liege an dem Umstand, dass (wie richtig dargestellt) die Gespräche mit der städtischen Grundstücksgesellschaft noch nicht abgeschlossen seien. Ein Wechsel in der Verantwortlichkeit für das Baugebiet in das neue Umweltdezernat sei nicht vorgesehen. Außerdem sei die Stadt keinesfalls der Auffassung, dass für künftige bebaute Bereiche des Baugebietes eine Überschwemmungsgefahr bestehe, wie es die Aussage der Anwohner-Initiative suggeriert. „Lediglich ebenfalls überplante Grünflächen entlang der Gewässer können teilweise betroffen sein“, so die Stadtverwaltung. „Dies hat keinerlei negative Auswirkungen auf die bestehende oder neue Bebauung. Insgesamt wird durch die Umsetzung der Planung die Hochwassersituation sogar verbessert.“

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