Ein Ort vor der Kirche Lehndorf zum Kraft schöpfen in der Krise

Braunschweig.  Der Holzbildhauer Heinz Hummitzsch stiftet Stele für den Kirchplatz der Wicherngemeinde.

Ein Moment der Stille: Hanne Reinhard vor der Stele des Künstlers Heinz Hummitzsch.

Ein Moment der Stille: Hanne Reinhard vor der Stele des Künstlers Heinz Hummitzsch.

Foto: Rosemarie Garbe

Einen Ort für ein stilles Gebet, einen Ort zum Innehalten und Kraft schöpfen – danach sehnen sich viele Menschen gerade in der Corona-Krise. Hanne Reinhard, Schulpfarrerin am Martino Katharineum, hat einen derartigen Platz unter einer ausladenden Linde vor der Wichernkirche in Lehndorf geschaffen.

In einer Nische direkt neben dem Eingang zum Weltladen: Auf einer Bank befinden sich eine hölzerne Stele, ein Korb mit Frühlingsblumen in leuchtenden Gelb- und Rottönen, Kerzen, kleine Steine. Davor stehen Bänke in der Sonne. „Meine Seele kann zur Ruhe kommen, wenn ich auf etwas Schönes blicke“, sagt die Pfarrerin. Das empfinden anscheinend auch andere so und nutzen den Ort für einen Moment der Stille. Und viele legen weitere Steine dazu. Ein paar Kornblumen finden sich neben dem handgeschriebenen Wunsch „Gott stehe uns bei“. Dass immer mehr Steine dazukommen, vermittelt Hanne Reinhard ein Gefühl von Gemeinschaft: „Der Ort lebt, die anderen sind zwar nicht da – doch wir sind trotzdem verbunden.

Doch eine besondere Bereicherung ist, dass der Northeimer Holzbildhauer Heinz Hummitzsch eine 1,50 Meter hohe Stele für den Kirchplatz geschaffen und diese der Gemeinde geschenkt hat. Sie ersetzt das schlichte Holzkreuz, das Hanne Reinhard zunächst in der Gebetsecke platziert hatte. „Ich wollte kein nettes, friedliches Kunstwerk herstellen, sondern in dieser Krisenzeit Gegensätzliches zusammenbringen“, erläutert Hummitzsch seine Motivation. Das Gegensätzliche spiegelt sich indes auch in der Reaktion des Kirchenvorstandes. Im Moment werden Stimmen gesammelt, um im Herbst zu entscheiden, ob der Kirchhof der richtige Ort für die Stele ist. Für Heinz Hummitzsch war die Arbeit eine Herzensangelegenheit. Auf der Stele windet sich über der Jahreszahl 2020 eine Schlange mit geöffnetem Maul empor, darüber findet sich ein heller Kreis aus durchsichtigen und gelben Glasbausteinen und über allem der segnende Christus. „Das Licht in dem Kreis soll Hoffnung spenden, Christus steht für das Gute“, sagt Hummitzsch. „Und die Schlange symbolisiert das Virus, das uns einschnürt.“ Für die Wicherngemeinde ist der Künstler übrigens kein Unbekannter: Von ihm stammt auch der hölzerne Christus in der Sakristei. Zwei Wochen lang hat er intensiv an der Stele für den Kirchplatz gearbeitet. Zunächst hat er einen Entwurf auf Papier gezeichnet, danach Fichtenholz bearbeitet und mehrmals mit roter und blauer Farbe lasiert. Je nach Lichteinfall changiert das Kunstwerk jetzt in Rot- und Blautönen und wird hoffentlich noch vielen Menschen Kraft spenden – nicht nur in der Krise.

Die kleine Gebetsecke mit der Stele von Holzbildhauer Heinz Hummitzsch befindet sich auf dem Kirchplatz der Wichernkirche, Sulzbacher Straße 41.

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