Vatertag 2020 in Braunschweig: Bollerwagen blieben im Keller

Braunschweig.  Christi Himmelfahrt verlief angesichts der Corona-Pandemie besinnlicher als sonst.

Die Magni-Gemeinde veranstaltete mit dem Dom einen Gottesdienst auf dem Magni-Friedhof.

Die Magni-Gemeinde veranstaltete mit dem Dom einen Gottesdienst auf dem Magni-Friedhof.

Foto: Norbert Jonscher

Die Sonne lachte. Vatertag-Hoch Rolf legte sich ordentlich ins Zeug, die Quecksilbersäule im Thermometer stieg schon am Morgen über 20 Grad Celsius – und lockte die Braunschweiger aus ihren Wohnzimmern ins Freie. Viele nutzten das Wetter, um den Corona-Blues abzuschütteln. „Wir waren jetzt sieben Wochen nur daheim. Wir haben uns gesagt: Heute ist der Tag, um eine Radtour ins Grüne zu unternehmen“, sagt uns ein älteres Ehepaar aus Mascherode, das wir am Heidbergsee treffen.

Nicht die Zeit fürs Partymachen

Kreuz und quer durch die Stadt wurde am „Vatertag“ geradelt, Bollerwagen indes waren so gut wie keine unterwegs. Sie blieben im Keller. Die von Polizei und Ordnungsdienst befürchteten bierseligen Wandervögel, die sich vom Virus nicht unterkriegen lassen, ihn tapfer mit Alkohol bekämpfen, blieben daheim. Sie alle hatten verstanden: Partymachen – in Corona-Zeiten ein No-Go.

Oder war es der Appell von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD), der meinte: Traditionelle Vatertagstouren mit allen Freunden seien in diesem Jahr nicht möglich. Es spreche aber nichts dagegen, sich im kleinen Kreis zu treffen und mit dem nötigen Abstand spazieren zu gehen.

Die Polizei sah genau hin

Die Polizei sah genau hin. Halten die Menschen, die unterwegs waren, auch ausreichend Abstand? Gibt es verbotene Ansammlungen? Die Stadt hatte hier eigens verfügt: Mitglieder aus zwei Haushalten dürfen maximal gemeinsam unterwegs sein – und stets 1,50 Meter Abstand halten. Ein Alkohol- und Glasbehältnisverbot galt in der Zeit von 10 bis 24 Uhr sowohl für den Prinz-Albrecht-Park, einschließlich Nußberg, als auch für den Heidberg-Park.

Wer Alkohol dabei hatte, ob im Bollerwagen oder in der Fahrradtasche, durfte die Parks nicht durchqueren. Lockdown am Bollerwagen. Polizei und Zentraler Ordnungsdienst (ZOD) machten da keine Ausnahmen. Fazit am späten Nachmittag: „Es gibt überhaupt keine Vorkommnisse. Überall in der Stadt ist es ganz ruhig“, so eine Sprecherin aus dem Lagezentrum.

Besinnlicher Feiertag

Himmelfahrt 2020 – ein besinnlicher Feiertag, an dem vielen aber nicht zum Feiern zumute war. Da waren die einen, die zwar bewusst das herrliche Wetter genossen, auf der anderen Seite aber jene, die in Kliniken unserer Stadt immer noch um ihr Leben kämpfen. Offiziell 27 Personen sind derzeit erkrankt, 15 Menschen Covid 19 zum Opfer gefallen.

In den Kirchen wurde gebetet

In den Kirchen erinnerten die Pastoren an die Auferstehungsgeschichte: die Rückkehr Jesu Christi zum Vater im Himmel, eine heute mehr symbolische Erzählung, ein Bild für etwas, das sich nicht anders ausdrücken lässt: den Weg zu Gott. Nicht nur den für Jesus, sondern den Weg für alle Menschen.

Kirchengemeinden machten sich Luft, kamen vor ihren Gotteshäusern zusammen, so auch die Kirchengemeinde St. Magni, die gemeinsam mit dem Braunschweiger Dom eine Andacht auf dem Magni-Friedhof hielt. Unter dem Motto „Zwischen Himmel und Erde: Mit Abstand, aber keine Distanz“ gestalteten der emeritierte Domprediger Joachim Hempel, Prädikant Heiko Frubrich und Pastor Henning Böger den Gottesdienst, gaben Denkanstöße.

In der Klosterkirche Riddagshausen gab es einen festlichen Himmelfahrtsgottesdienst mit Pfarrerin Sabine Wittekopf in der Kirche. Auf den gewohnten Gottesdienst im Grünen verzichtete die Kirchengemeinde – mit Rücksicht auf die Corona-Maßnahmen, wie es hieß.

Warum „Vatertag“?

Im Jahre 1909 kam erstmals die Idee eines „Father’s Day“ auf, die Tochter eines Veteranen des Bürgerkriegs wollte so ihren Vater ehren. Der erste Vatertag wurde am 19. Juni 1910 bei Washington begangen.

Inzwischen ist der Vatertag ein in verschiedenen Teilen der Welt begangenes Brauchtum zu Ehren der Väter. Je nach Land und Region wird er an unterschiedlichen Tagen gefeiert. Die heutige Form kam Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin und Umgebung auf. Seit 1934 ist Christi Himmelfahrt in Deutschland gesetzlicher Feiertag. An diesem Tag stieg der Bibel nach Jesus zu seinem Vater in den Himmel auf. Der eigentliche Vatertag fand seinen Ursprung.

Der Himmelfahrts-Ausflug mit Bollerwagen hatte früher übrigens den Zweck, die jüngeren Männer in die Gesellschaft einzuführen – mit Alkohol und ganz ohne Frauen.

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