Hofbrauhaus Wolters wird wieder Herr im eigenen Haus

Braunschweig.  Braunschweigs Traditionsbrauerei rüstet sich für die Zeit nach der Krise. Der Rat stimmt dem Rückkauf des Betriebsgeländes zu.

Im Jahre 1884 wurde das Verwaltungsgebäude an der Wolfenbütteler Straße  errichtet, die Brauerei selbst wurde bereits im Jahr 1627 gegründet.

Im Jahre 1884 wurde das Verwaltungsgebäude an der Wolfenbütteler Straße errichtet, die Brauerei selbst wurde bereits im Jahr 1627 gegründet.

Foto: Archiv

Die große Krise liegt 15 Jahre zurück. Brauerei-Riese InBev wollte damals Braunschweigs Hofbrauhaus Wolters schließen. 100 Mitarbeiter sollten arbeitslos werden. Das wurde zwar verhindert. Doch erst jetzt kauft die Brauerei das Betriebsgelände wieder zurück. Trotz Corona-Krise.

Der Rat der Stadt hat beschlossen, der Brauerei den Rückkauf des Firmengeländes zu ermöglichen. Es geht um eine Fläche von 38.223 Quadratmetern an der Wolfenbütteler Straße, die damals die Stadt Braunschweig gekauft hatte. Nur durch den Kauf des Grundstücks, die Rede ist von einem Preis von etwa drei Millionen Euro, wurde damals der Erhalt der letzten Braunschweiger Traditionsbrauerei möglich.

Grund: Die vier ehemaligen Manager, die die Brauerei damals übernahmen, verfügten nicht über die Finanzmittel, um das Betriebsgrundstück zu kaufen. Die Stadt Braunschweig sprang ein. Über die Ausgabe eines Erbbaurechtes an die neue Gesellschaft konnte der Fortbestand der Brauerei erfolgreich unterstützt werden.

Ende April, so teilte die Stadtverwaltung dem Rat mit, habe das Hofbrauhaus gebeten, das Betriebsgrundstück zum Preis zu kaufen, den die Stadt im Jahr 2006 an den Alt-Eigentümer gezahlt hatte. „Die Verwaltung hält diesen Kaufpreis für sachgerecht, da der seinerzeit von der Stadt gezahlte Kaufpreis durch die Zahlung von jährlichen Erbbauzinsen adäquat verzinst worden ist.“ Anlass für den Wolters-Vorstoß, so die Stadt: Geplante Investitionen in den Maschinenpark und Gebäude. „Damit die Finanzierung adäquat besichert“ werden kann, soll das Grundstück zurückgekauft werden. Dies sei „zwingend erforderlich“.

Die Brauerei ist zurzeit stark von den Corona-Folgen getroffen. Die Gastronomie läuft gerade wieder an, Großveranstaltungen wird es wohl erst in der zweiten Jahreshälfte wieder geben und der Export, in der Vergangenheit Wachstumsmotor bei der Brauerei, leidet unter starken Einbußen. Das Unternehmen meldete Kurzarbeit an. Mit dem Betriebsrat wurden vereinbart, den Mitarbeitern das Urlaubsgeld später auszuzahlen.

Wolters-Geschäftsführer Peter Lehna betonte: „Wir sind durch die Corona-Krise tatsächlich extrem betroffen. Ich darf versichern: Wir werden das Grundstück nur mit der Hilfe von Finanzierungspartnern kaufen können. Über die Modalitäten haben wir Stillschweigen vereinbart.“

Ein Selbstläufer war der Antrag dennoch nicht. Denn was, so die BIBS, wenn es Wolters nicht gelingt, der Corona-Krise zu trotzen? Hat dann der Rat das Grundstück unter Wert abgegeben? Der Spekulation gar Vorschub geleistet?

Gänzlich auszuschließen war das nicht. Allerdings genoss die Traditionsbrauerei einen gewaltigen Vertrauensvorschuss bei SPD, CDU und Linken. Oberbürgermeister Ulrich Markurth verwies darauf: Die Stadt habe ein Vorkaufsrecht. Außerdem fürchtete er, dass zu strenge Verkaufsauflagen schaden könnten. Bei einer Gegenstimme wurde beschlossen, Wolters den Rückkauf des Brauerei-Geländes zu ermöglichen.

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