Bohrer „frisst“ sich durchs Autobahnkreuz Braunschweig-Süd

Braunschweig.  Im Süden der Stadt haben an der A 36 / A 39 die unterirdischen Leitungsarbeiten begonnen. Im Herbst startet der Bau einer neuen Behelfsbrücke.

Diese Abwasserrohre werden im Autobahnkreuz bis September verlegt.

Diese Abwasserrohre werden im Autobahnkreuz bis September verlegt.

Foto: Norbert Jonscher

Er hat einen Durchmesser von 1,72 Metern und „frisst“ sich mit seinen gehärteten Stahlzähnen in sechs Metern Tiefe unter der A 36 hindurch ins südwestliche „Ohr“ des Autobahnkreuzes Braunschweig-Süd. Wie ein nimmersatter stählerner Maulwurf. Am Dienstag haben im Kreuz Süd mit mehrmonatiger Verzögerung die Leitungsarbeiten begonnen. 80 Meter Abwasserleitung werden zunächst verlegt, anschließend schwenkt der unterirdische Bohrer unter der A 39 hindurch hinüber ins nordwestliche Autobahn-Ohr.

„Wenn alles glatt läuft, sind wir im September fertig“, erklärt Andreas Hartmann, Geschäftsführer der Stadtentwässerung Braunschweig, Auftraggeberin der Leitungsarbeiten, die von den Braunschweiger Firmen Kroker und Strabag ausgeführt werden.

Die gute Nachricht für Autofahrer verkündete Michael Peuke von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Wolfenbüttel: Während dieser Arbeiten werde es keine zusätzlichen Beeinträchtigungen für den Verkehr geben. „Erst ab September, wenn wir mit dem Bau der Behelfsbrücke loslegen, wird es Angleichungen geben müssen.“

Zurück zum Bohrer. Mit einem Tempo von 25 Metern pro Tag schiebt er sich durchs Erdreich, zermalmt selbst Steine. Nur gut drei Tage wird das Gerät benötigen, um auf der anderen Autobahnseite in Höhe des Autohauses Voets anzukommen – „unter dem Grundwasser hindurch, wie ein U-Boot“, wie es Andreas Hartmann schildert Vorangetrieben wird der „Maulwurf“ durch eine Hydraulik-Presse, die in einer Baugrube an einem Widerlager aus Beton den nötigen Rückhalt findet. Die Presse übt einen Druck von mehr als 200 Tonnen auf den Bohrkopf aus. Hat dieser den Weg frei geräumt, werden die mächtigen, speziell angefertigten Abwasserrohre aus Polymer-Beton nachgeschoben. „Das harzartige Bindemittel ist viel resistenter gegen die im Abwasser befindlichen, teils aggressiven Materialien“, erklärt Mario-Andreas Eckert von der Stendaler Firma Meyer-Polycrete GmbH, sie hat die Rohre hergestellt. Später einmal werden die Rohre praktisch alle Schmutzwasser aufnehmen, die im Süden der Stadt anfallen.

14 Millionen Euro sollen die Leitungsarbeiten kosten. Bauherr ist die Stadtentwässerung Braunschweig. Wer die Kosten später einmal tragen wird, die Stadt Braunschweig als Nutzerin der Leitungen oder der Bund als Eigentümer des Autobahnkreuzes und Bauherr für den Brückenneubau, ist derzeit unklar. Eine gerichtliche Auseinandersetzung steht im Raum.

Im Dezember hatte der Rat der Stadt entschieden, so oder so mit den dringend erforderlichen Bauarbeiten zu beginnen. Start war Anfang März. Zunächst wurde der Oberboden in drei „Innenohren“ mit Schotter zum Lagern der Baumaterialien befestigt. Während im südöstlichen Innenohr mit einem Rotationsbohrgerät senkrechte Löcher gebohrt wurden, die mit 90 Zentimetern Durchmesser und elf Metern Tiefe die Basis für die geplanten Spund- und Bohrpfahlwände bilden. Die Bohrlöcher wurden mit Beton verfüllt.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder