Füttern geht im Braunschweiger Zoo jetzt auch virtuell

Braunschweig.  TU-Studenten haben in einem Sandkasten-Projekt eine Internet-Plattform entwickelt, über die Futterpakete für Zoo-Tiere gekauft werden können.

Dieser Waschbär freut sich über neues Futter.

Dieser Waschbär freut sich über neues Futter.

Foto: Norbert Jonscher

Der Hunger bleibt derselbe, Corona hin oder her. So viel ist sicher. Aber die Einnahmen des Braunschweiger Zoos Arche Noah, die auch das Futter für die Tiere finanzieren, blieben in den Zeiten der erzwungenen Schließung aus. Das brachte TU-Studenten der Wirtschaftsinformatik auf eine Idee: Eine Online-Plattform entwickeln, über die Menschen Futterpakete für Krallenaffen, Fuchslöffelenten, Nasenbären und Co. kaufen können.

Seit eineinhalb Wochen ist sie nun über die Internetseite des Zoos abrufbar. Laut Julius Haus sind bereits mehr als 200 Euro an Zuwendungen zusammengekommen. Haus ist Projektleiter des Teams aus sieben Studenten, die über die Sandkasten-Initiative, mit der die TU Braunschweig Ideen von Studenten und Hochschul-Mitarbeitern eine Plattform gibt, das Projekt „Feedme“ umgesetzt haben. Entstanden ist die Idee im Seminar „Anwendungen für Informationsmanagement“ von Professorin Susanne Robra-Bissantz. „Wir mussten darin ein Projekt bearbeiten. Unsere Professorin hatte die Idee, dass es aufgrund der Corona-Krise einen sozialen Hintergrund haben soll“, sagt Haus. Die Studenten seien sich schnell einig gewesen, dass es ein Projekt mit Tieren sein soll. Tierparks aus der weiteren Umgebung seien im Gespräch gewesen. „Wir haben uns dann aber entschieden, lokal arbeiten zu wollen.“

Beim Blick auf die Internetseite des Zoos sei den Studenten aufgefallen, dass es zwar Tier-Patenschaften gebe, nicht aber die Möglichkeit, mit kleineren Beträgen zu helfen, sagt Haus. Das sei gerade mit Blick auf die studentische Kasse wichtig gewesen. Kosten Tier-Patenschaften laut Peter Wilhelm, Tierpflegemeister und Kurator des Braunschweiger Zoos, zwischen 25 und 500 Euro im Jahr, können Futterpakete schon ab 3 Euro gekauft werden. Stroh und Heu, Obst und Gemüse, Fleisch, Vogelfutter oder weiteres spezifisches Futter wie Pferdemüsli oder Nussmischungen – wer Geld gibt, kann auswählen, wofür es ausgegeben wird. Jede Woche bezahlt der Zoo laut Wilhelm mehr als 1000 Euro für rund 1000 Kilogramm Futter. Ponys, Esel, Trampeltiere, Ziegen und Schafe zum Beispiel verdrücken allein 350 Kilogramm Heu in der Woche.

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„Diese Idee der Futterpakete ist wirklich gut und freut uns sehr“, sagt Wilhelm. So ein Konzept zu entwickeln und eine Internetseite zu programmieren, sei nicht einfach und schnell umzusetzen. Wilhelm will das Projekt, das laut Haus noch circa bis Semesterende von den Studenten betreut wird, weiterführen. „Das sind Kleinbeträge, die uns helfen.“ Und das macht den Geldgebern auch sichtlich Spaß. Wer möchte, kann seine Unterstützung mit seinem Namen und sogar einer Anmerkung öffentlich machen. Familie Laake beispielsweise schreibt: „Wir freuen uns auf den nächsten Besuch!“ Jule und Micha aus Goslar schreiben: „Weiter durchhalten!“ Und ein anonymer Geldgeber notiert: „Geburtstagsgeschenk für meine Freundin.“

In der Zeit der Schließung hat der Zoo auch an anderer Stelle eine Welle der Solidarität gespürt: „Allein in dieser Zeit sind mehr als 700 Tierpatenschaften hinzugekommen“, sagt Wilhelm. In normalen Jahren kämen 120 bis 150 zusammen. Viele treue Zoobesucher hätten den Zoo unterstützt wie auch Kinder, die ihr Taschengeld dafür gespart hätten. „Mit so viel Unterstützung hätten wir nie gerechnet“, sagt Wilhelm. Die Einbußen bei den Einnahmen der vergangenen Zeit seien nicht nicht mehr reinzuholen. Wie die Bilanz genau ausfalle, sei jedoch erst Ende des Jahres zu sehen. Und bis dahin werde das ein oder andere Bauprojekt vielleicht hinten angestellt.

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