Erster Gottesdienst nach Corona-Pause im Braunschweiger Dom

Braunschweig.  Alle auf Abstand und mit Mundschutz – und das gemeinsame Singen ist tabu: ein vorsichtiges Hineintasten in neue Formen des Gottesdienstes.

Jede zweite Sitzreihe bleibt frei, und jeder muss mehrere Stühle Abstand zu den anderen Gläubigen halten.

Jede zweite Sitzreihe bleibt frei, und jeder muss mehrere Stühle Abstand zu den anderen Gläubigen halten.

Foto: Cornelia Steiner

Ausgerechnet Kantate! Ausgerechnet der vierte Sonntag nach Ostern, an dem es heißt: „Singt! Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ Ausgerechnet jetzt findet der erste Gottesdienst nach acht Wochen Corona-Zwangspause statt – doch das gemeinsame Singen in den Kirchen ist zurzeit tabu. Alles ist anders als sonst.

Und dennoch sagt Dompredigerin Cornelia Götz: „Wir sind glücklich, endlich wieder Gottesdienst feiern zu dürfen! Das hat uns schmerzhaft gefehlt.“ Rund 60 Gläubige kommen am Sonntag im Braunschweiger Dom zusammen. Alle mit Mundschutz. Alle mit Abstand. Und alle sind eingeladen, mit der Seele zu singen, wie Götz es formuliert.

Mit Blick auf das Gottesdienstverbot der vergangenen Wochen sagt sie: „Die Kritiker haben Recht, dass wir Christen zu leise an der Schockstarre gelitten haben.“ Die aktuelle Einschränkung der Grundrechte entspreche nicht dem, was man von einer Demokratie erwarte. All das sei nur mit größter Gefahr oder Not zu rechtfertigen. Aber was ist das richtige Maß? Keiner weiß es.

Jetzt gelte es, sich in ein neues gottesdienstliches Leben hineinzutasten. Auch ohne den gemeinsamen Gesang soll es ein gemeinsames Fest werden. Und so versuchen sie es – die Dompredigerin, Domkantorin Elke Lindemann, drei Mitglieder der Jugendkantorei sowie Domkantor Gerd-Peter Münden zusammen mit der Gemeinde. Da singen sie vorne „Geh aus, mein Herz“, und man kann mitsummen oder im Geiste mitsingen. Da sprechen alle gemeinsam Liedverse, was sich etwas spröde anfühlt, zum Beispiel „Vertraut den neuen Wegen“.

Götz erinnert an die vergangenen Wochen: Viele Menschen hätten Haus-Gottesdienste gefeiert, Fernseh-Gottesdienste gesehen, Videoclips gemacht, füreinander gebetet und Kerzen in die Fenster gestellt. „Wir kommen jetzt nicht mit leeren Händen“, sagte sie. Alle seien reich an Erfahrungen, hätten geschärfte Sinne und klareren Mut. „Wir kommen ein bisschen gereinigt im Herzen und mit blitzsauberen Händen. Es braucht die Leiblichkeit, unsere physische Anwesenheit, um Gottesdienst zu feiern – aber der Gesang muss nicht aus 100 Kehlen erklingen. Singen ist Glück und Freude, aber es wird uns etwas einfallen, um Gott zu loben und die Seele zu erheben. In dem Moment, wo alle verbunden sind, ist Gott gegenwärtig.“

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