Braunschweiger Expertin: Corona-Maske nie an Kinn und Hals parken

Braunschweig.  Hygienefachkraft Bianca Behnke vom HEH erläutert, worauf es in der Corona-Krise bei den Masken ankommt – und wann der Schutz wirkungslos wird.

Das Team „Behelfs-Mundschutz für Braunschweig“ fertigt unter anderem solche Masken für Einrichtungen in Medizin und Pflege.

Das Team „Behelfs-Mundschutz für Braunschweig“ fertigt unter anderem solche Masken für Einrichtungen in Medizin und Pflege.

Foto: Privat

Im Corona-Krisenstab des Herzogin-Elisabeth-Hospitals (HEH) gehört Krankenschwester und Hygienefachkraft Bianca Behnke zum Team der Krankenhaushygiene, das Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter, Patienten und Besucher festgelegt hat, um die Corona-Pandemie gut durchzustehen. In ihrem privaten Alltag, vor allem beim Einkaufen, fallen Bianca Behnke dagegen oft Verhaltensweisen auf, „die die Menschen eher gefährden als schützen“. Sie hat sich deshalb gefragt: „Wie können wir bereits präventiv außerhalb des Krankenhauses die Menschen schützen?“ Normalerweise schult die Hygienefachkraft das Krankenhauspersonal im HEH. Ihr Wissen und wichtige Tipps gibt sie nun an unsere Leser weiter.

Corona: Diese Arten von Mund-Nasen-Schutz gibt es

Es gibt verschiedene Sorten eines Mund-Nasen-Schutzes: die sogenannte Community-Maske (genähter Mund-Nasen-Schutz), der normale chirurgische Mund-Nasen-Schutz, FFP2- und FFP3-Masken. Für den Otto-Normalverbraucher vollkommen ausreichend ist der selbstgenähte oder der normale chirurgische Mund-Nasen-Schutz. FFP-2 und FFP-3-Masken sind für medizinisches Personal vorzuhalten: Nicht nur, weil sie nur begrenzt verfügbar sind – ihre korrekte Anwendung setzt auch fachspezifisches Wissen voraus. Bei fehlerhafter Anwendung kann dies zu gesundheitlichen Schäden führen.

Corona-Mundschutz: So wird er angelegt – und das sollte man nicht tun

Der Mund-Nasen-Schutz sollte immer mit sauberen, gewaschenen Händen angelegt werden. Um die Kontamination der Innenfläche mit Krankheitserregern zu vermeiden, ist es ratsam, die Innenfläche des Mund-Nasen-Schutzes nicht zu berühren. Das dies gilt vor allem dann, wenn der Mund-Nasen-Schutz erst unterwegs angelegt wird.

Die Schutzmaske sollte deshalb nur an den Bändern beziehungsweise Ohrschlaufen angefasst und am Hinterkopf geknotet oder über die Ohren gezogen werden.

Wichtig ist, dass sich der Mund-Nasen-Schutz eng an das Gesicht anschmiegt und Mund wie auch Nase vollständig abdeckt. Zur Unterstützung haben viele Mund-Nasen-Schutze hierfür einen Metallbügel, der dem Nasenrücken angepasst wird.

Corona-Erreger könnten vervielfältigt werden

Ein einmal aufgesetzter Mund-Nasen-Schutz sollte so lange getragen werden, bis wieder die Möglichkeit besteht, ihn mit sauberen Händen zu entfernen. Natürlich gibt es Situationen, in denen dies nicht perfekt händelbar ist. Darum ist es umso wichtiger, niemals die Innenseite des Mund-Nasen-Schutzes zu berühren.

Sollte dies doch passieren, ist man gut beraten, einen neuen Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen Der Grund: Wer einen Mund-Nasen-Schutz trägt, dessen Innenseite mit nicht sichtbaren Krankheitserregern verunreinigt ist, vervielfältigt diese Erreger schnell mit seiner feuchtwarmen Atemluft.

Heiß waschen oder wegwerfen? Diese Hygienehinweise sind beim Mundschutz zu beachten

Gleiches passiert, wenn der Mund-Nasen-Schutz zwischendurch am Kinn oder am Hals „geparkt“ wird. Denn auch dort sammeln sich am Tag Krankheitserreger. Diese gelangen beim Wiederaufsetzen der Maske in den Körper.

Der Mund-Nasen-Schutz muss nach Durchfeuchtung gewechselt beziehungsweise entsorgt werden. Einmal-Masken (wie das Produkt schon sagt) werden nach einmaligem Gebrauch entsorgt. Community-Masken werden bei mindestens 60 Grad Celsius mit Vollwaschmittel aufbereitet. Sie sollten komplett trocken gelagert werden, denn durch Restfeuchte könnte es zu Sporenbildung kommen.

Am sichersten ist es, seine Maske vom ersten Aufsetzen mit sauberen Händen bis zum Absetzen durchzutragen.

Coronavirus: Mundschutz dient dem Fremd- und Eigenschutz

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Der Mund-Nasen-Schutz dient nicht nur dem Fremdschutz, sondern auch dem Eigenschutz, indem er verhindert, dass man sich mit den Händen im Mund- und Nasenbereich berührt. Diese Angewohnheit haben manche Menschen bis zu 800-mal am Tag. Das sind die Eintrittspforten für Krankheitserreger, insbesondere Covid-19.

Handschuhe beim Einkaufen: Vermeintliche Sicherheit!

Viele Menschen ziehen vor dem Supermarkt Handschuhe an, um sich vermeintlich vor Krankheitserregern (Covid-19) zu schützen. Ein Handschuh bietet immer nur Grobschutz vor Grobschmutz (Eiter, Blut, Stuhlgang, Dreck, Schmutz, etc.).

In den meisten Fällen handelt es sich um Untersuchungshandschuhe. Wenn ein Otto-Normalverbraucher sich so einen Handschuh beim Einkaufen anzieht, dann muss er wissen, dass dieser Handschuh durchlässig ist, dass also Krankheitserreger in diesen Handschuh eindringen können. Durch langes Tragen der Handschuhe entsteht eine erhöhte Hautfeuchte. Das hat zur Folge, dass sich die Poren an den Händen öffnen und die Haut besonders aufnahmefähig für eingedrungene Krankheitserreger ist.

Des Weiteren ist erwiesen, dass eine normale Händehygiene (30 Sekunden Händewaschen mit Seife und Wasser sowie anschließendem Abtrocknen mit einem sauberen Handtuch) komplett ausreicht.

Eine zusätzliche Gefährdung entsteht dadurch, dass Handschuhe wie ein Schmutzmagnet wirken. Das liegt an den Materialeigenschaften des Handschuhs, der mehr Dreck anzieht als unsere Hände. Zwischen jedem Gegenstand, den Sie mit Ihrem Handschuh berühren, findet somit ein reger Austausch von Bakterien, Keimen und so weiter statt.

Handy in Corona-Zeiten regelmäßig desinfizieren

Das Handy ist ständiger Begleiter aller Altersgruppen. Ob in der Schule, am Arbeitsplatz, beim Arztbesuch, im Urlaub, im Krankenhaus... Überall dort lauert die Gefahr, dass wir am Ende mehr mit nach Hause nehmen, als uns lieb ist. So nehmen beispielsweise viele Menschen ihr Handy mit zum Einkaufen.

Im Supermarkt etwa lässt sich die Berührung mit vielen Gegenständen und Produkten nicht vermeiden. Einkaufswagen, Obstwaage oder Konserven werden angefasst, zugleich wird womöglich das Handy als Einkaufszettel genutzt. Zwischen Händen, Handy und Gegenständen findet ein stetiger Erregeraustausch statt. Das alles ist nicht schlimm, wenn man die Hygieneregeln beachtet, und zwar das richtige Händewaschen nach dem Einkauf. Empfehlenswert ist es, das Handy regelmäßig zu desinfizieren.

Und vielleicht tut es in Zeiten von Corona auch wieder der gute alte Einkaufszettel, der nach dem Einkauf weggeworfen werden kann.

Coronavirus in der Region – hier finden Sie alle Informationen

Richtiges Verhalten beim Sport – Jogger sollten Mindestabstand verdoppeln

Gerade in dieser besonderen Zeit ist Bewegung wichtig. Die sicherste Art, Sport zu treiben, ist draußen an der frischen Luft mit genügend Abstand zu anderen Sportbegeisterten. Auch hier sollte ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Gleiches gilt für Sportler, die aneinander vorbeilaufen oder -fahren. Der schnaufende und pustende Jogger sollte diesen Abstand noch einmal verdoppeln, gerade weil wir beim Sport nicht mit Mund-Nasen-Schutz unterwegs sind.

Um sich anzustecken, bedarf es zwar eines längeren Kontaktes unter kurzer Distanz, aber jeder Mensch sollte eine gewisse Form der Etikette wahren. Dazu gehört das Einhalten des geforderten Mindestabstandes – auch beim Sport.

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