Viele Braunschweiger helfen beim Nähen von Mundschutz

Braunschweig.  Das Engagement ist riesig, wir zeigen einige Beispiele: Privatleute, Bürgerstiftung, Studenten, Geschäftsinhaber...

Annette Ratayczak näht Mundschutze und hat viel Stoff, den sie zum Nähen abgegeben will.

Annette Ratayczak näht Mundschutze und hat viel Stoff, den sie zum Nähen abgegeben will.

Foto: Peter Sierigk

Überall mangelt es an Mund- und Nasenschutz – und in der Not helfen immer mehr Menschen und packen selbst mit an. Wir zeigen hier beispielhaft einige Initiativen.

„Solche Masken kann jeder nähen“

Los geht’s mit Annette Ratayczak: Sie findet es einfach wichtig, jetzt tätig zu werden: „Solche Masken kann jeder nähen. Man braucht dafür nicht mal unbedingt eine Nähmaschine, sondern das geht auch alles von Hand.“ Sie hat eine kurze Nähanleitung für Anfänger erstellt, das Schnittmuster dazu kommt von ihrer Freundin Sylvia Jeschka. Dieses und auch eine Langversion der Anleitung sowie ein Schnittmuster für Fortgeschrittene gibt’s am Ende dieses Textes.

Annette Ratayczak betont: „Die Masken sitzen gut, sind weit genug vom Mund entfernt, man kriegt gut Luft und auch die Brille beschlägt nicht.“ Sie selbst näht inzwischen vor allem die Version für Fortgeschrittene. „Die hat sich bisher als beliebt erwiesen zum Beispiel für ambulante Altenpflege, Hebammen bei Hausbesuchen und bei Arzthelferinnen in Praxen. Eine Altenpflegerin sagte mir außerdem, dass auch der Einschub einer zugeschnitten Kaffeefiltertüte empfehlenswert sei.“

Weil Annette Ratayczak jede Menge Stoff übrig hat, gibt sie davon gern etwas ab – an alle, die auch Schutzmasken nähen wollen. Wer zugreifen möchte, kann vorbeikommen: Meißenstraße 95. „Die Abholung erfolgt kontaktlos“, sagt sie. „Stoffe liegen ab 9 Uhr (Dienstag) auf einem Tisch im Eingang und werden ständig nachgelegt.“ Säcke, Stofftaschen oder Körbe müssen bitte mitgebracht werden.

Bürgerstiftung: Nähen Sie Schutzgeschenke!

Auch die Braunschweiger Bürgerstiftung unterstützt die Herstellung von Mund- und Atemschutzmasken. Das Motto: Tu Du’s! „Sie haben Zeit und Lust zu nähen? Dann benötigen Sie atmungsdurchlässigen Baumwollstoff (Geschirrtuch, Bettlaken, T-Shirt ohne Elasthan etc.), Gummiband, Nähmaschine und eine Nähanleitung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung. Die Nähanleitungen für zwei unterschiedliche Maskenmodelle gibt es hier: www.buergerstiftung-braunschweig.de.

Außerdem sammelt die Bürgerstiftung Sachspenden von gut erhaltenen, gewaschenen Stoffen (100 Prozent Baumwolle), Nähgarn und so weiter und verteilen es an Nähwillige. „Die fertigen Masken können direkt benutzt oder verschenkt werden – oder man gibt sie bei der Bürgerstiftung ab. Wir organisieren die weitere Verteilung oder Abholung dorthin, wo Bedarf ist, etwa an Hebammen, die ambulante Pflege, Altenheime, Arztpraxen, Physiotherapiepraxen oder auch einfach an private Initiativen.“

Infos: von 8.30 bis 16 Uhr unter (0531) 48202453 oder per Mail info@buergerstiftung-braunschweig.de. Terminabsprachen zur Anlieferung oder zur Abholung von Masken und Material werden erbeten.

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Die Bürgerstiftung weist darauf hin, dass für jeden Anwender pro Tag zwei Masken eingeplant werden sollten, die abends bei 60 Grad gewaschen werden am nächsten Tag wiederverwendbar sind. „Herstellung und Gebrauch erfolgen auf eigene Gefahr! Der Behelf-Mund-Nasenschutz ist weder geprüft noch zertifiziert und stellt lediglich ein Hilfsmittel dar: Die Verbreitung von Tröpfchen durch den Träger soll so reduziert werden, es handelt sich also nicht um einen Selbstschutz.“ Wichtig: Auch wer eine Mund- und Atemschutzmaske trägt, darf nicht auf das regelmäßige Händewaschen und die Einhaltung der Hygieneregeln verzichten.

Nähaktion übers Sandkasten-Team der TU

Die TU-Studentin Nancy Fares organisiert zusammen mit anderen das Projekt „behelfsmasken.fuer.Braunschweig“, und zwar über die Internetplattform des Sandkasten-Teams der Uni. Wie sie berichtet, hat eine Lehrerin der Wilhelm-Bracke- Gesamtschule das Ganze initiiert – und inzwischen organisieren sich ihr zufolge immer mehr Näherinnen und Näher.

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Das Ziel: Masken für Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeheime, Supermärkte und andere. „Das ist etwas für jeden, der Lust hat, ehrenamtlich in dieser Situation zu helfen. In unserem Team finden sich Studenten, Lehrer und Mitbürger der Stadt Braunschweig zusammen. Um den riesigen Bedarf zu decken, brauchen wir weitere Helfer, die nach einem einfachen Schnittmuster Behelfsmasken anfertigen.“ Alle Infos, Schnittmuster und Anleitung gibt’s hier: www.sandkasten.tu-braunschweig.de

Stoffgeschäft-Betreiberin stellt Stoffe zur Verfügung

Nadine Dayibas betreibt in Bienrode das Stoffgeschäft „Schickliesel“. Wie so viele andere bangt auch sie im Moment um ihre Existenz. Zugleich erfahre sie aber auch viel Solidarität, sagt sie. „Wir versuchen, uns über Wasser zu halten. Es ist toll, wie viel Unterstützung uns angeboten wurde. Ich habe mir überlegt, dass ich etwas zurückgeben möchte.“

Ihr Plan: Sie spendet Baumwollstoffe, die sie in ihrem Laden reichlich hat. „Jetzt suche ich Menschen, die ehrenamtlich Mundschutze nähen, um diese dann kostenlos zu verteilen. Ich bitte alle, die Mundschutze brauchen, sich zu melden, zum Beispiel Physiopraxen, Pflegedienste und so weiter.“

Wer Interesse hat, kann über Facebook (Schickliesel) Kontakt mit Nadine Dayibas aufnehmen. Zudem ist sie vormittags im Laden erreichbar: (05307) 4909502. Ihr Ziel ist es, stadtweit ein großes Netzwerk aufzubauen für all jene, die so wie sie Mundschutze nähen, und für all jene, die dringend welche brauchen.

„Das zu machen, tut mir jetzt in dieser schwierigen Situation richtig gut. Etliche Kunden und auch ganz Fremde haben sich schon gemeldet“, sagt sie. „Es ist unfassbar, was für eine Menschlichkeit da ist.“

Weitere Näh-Initiativen finden Sie hier.

Kurzanleitung von Annette Ratayczak

Es sind nur sechs Nähte und Gummi (2x24 cm) erforderlich.

Teil A: Einsatz wie eingezeichnet auf linke Stoffseite nähen. Dann a und b zusammennähen, sowie c und d zusammennähen.

Teil B: Auch hier a und b zusammennähen, dann c und d zusammennähen.

Teile zusammensetzen, stecken, rundherum mit Zickzackstich zusammensetzen. Gummi an Ohrseite nähen. Geschafft!

Ausführliche Anleitung von Annette Ratayczak

Die Vorlagen so vergrößern, dass das eingezeichnete Quadrat die angegebene Größe hat. Die Nahtzugaben sind bereits in der Vorlage mitberechnet.

Durch das Einschubloch auf der Innenseite kann als zusätzliche Sicherheit ein Einmaltaschentuch oder gefaltetes Haushalts-Papier geschoben werden. Zum Waschen wieder herausnehmen!

Es wird benötigt:

Teil A: 19 x 23 cm Baumwollstoff (z. B. Musterstoff)

Teil A: 4 x 6 cm Molton oder Baumwollstoff doppelt gelegt

Teil D: 19 x 25 cm Baumwollstoff

2 x ca. 24 cm Gummiband zur Halterung an den Ohren

Die Stoffe sollten mindestens 60° waschbar sein, 95° wäre besser (Omas alte gute Sonntagstischdecke, Bettwäsche) und nicht dehnbar, also keinen Stretchanteil.

Zuschneiden

1. TEIL A: Musterstoff (von vorn sichtbarer Stoff) 1 x in der abgebildeten Form auf die linke Seite des Stoffes legen und mit einem Stift umranden. An der Randlinie ausschneiden, zur Seite legen.

2. TEIL D: Innenstoff (der Stoff, der direkt auf der Haut liegt) 1 x in der abgebildeten Form auf die linke Seite des Innenstoffes legen und mit einem Stift umranden und 1 x so auf den Innenstoff auflegen, dass die Schrift nicht sichtbar ist und mit einem Stift umranden. An der Randlinie ausschneiden, zur Seite legen.

Nähen

3. TEIL A: Ausgeschnittener Musterstoff und Einlage

Einlage mittig auf die Rückseite des Musterstoffes legen, feststecken und knappkantig (ca. 3 mm) mit Geradstich aufnähen, diese Einlage ist eine zusätzliche Sicherheit. Nun den Teil A in der ‘Mitte’ knicken, so dass Außenseite auf Außenseite liegt und ‘a’ und ‘b’ zusammenstecken und knappkantig (ca. 3 mm) mit Geradstich zusammennähen. ‘c’ und ‘d’ aufeinanderlegen, zusammenstecken und knappkantig (ca. 3 mm) mit Geradstich zusammennähen. Jetzt ist eine Tasche mit zwei Ecken entstanden!

4. TEIL D: (2 Teile) Ausgeschnittener Stoff für das Innenteil

Teil D an der Linie ‘Mitte’ knicken, umlegen und absteppen (siehe Einzelheit 1). Das zweite Teil gegengleich legen, an der ‘Mittellinie’ knicken, umlegen und absteppen (siehe Einzelheit 1), ‘a’ des 1. Teils und ‘b’ des 2. Teils zusammenstecken und knappkantig (ca. 3 mm) mit Geradstich zusammennähen. c’ des 1. Teils und ‘d’ des 2. Teils aufeinanderlegen, zusammenstecken und knappkantig (ca. 3 mm) mit Geradstich zusammennähen.

Teil A und Teile D zusammenfügen

TEIL A: So ausbeulen, dass die Außenseite des Musters nach außen zeigt; die Nahtseite zeigt nach innen.

TEIL D: So ausbeulen, dass die Außenseite des Innenstoffes nach innen zeigt; die Nahtseite und die gesteppten Umschläge zeigen nach außen. KURZ: Alle Nahtzugaben sollen sich im fertigen Stück treffen!

TEIL A und TEIL D: Beide Teile ineinander legen. Beachten, dass die langen Nähte a und b des Musterstoffes mit den langen Nähten a und b des Innenstoffes zusammenliegen.

Weiternähen wie bei Teil A und B beschrieben.

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