Braunschweig: Bei wem wird ein Corona-Test gemacht?

Braunschweig.  96 Menschen sind erkrankt, 13 wieder genesen. Mehr als 700 Tests wurden in Braunschweig bereits durchgeführt.

Bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Virus machen Ärzte einen Abstrich.

Bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Virus machen Ärzte einen Abstrich.

Foto: Sven Hoppe / dpa

96 Menschen in Braunschweig waren am Samstag nachweislich an Covid-19 erkrankt. Wie Sozialdezernentin Christine Arbogast mitteilte, sind weitere 13 Personen bereits gesund. Die Gesamtzahl der Infizierten liegt also bei 109. Erstmals gebe es nun aber auch einen Fall in einem Pflegeheim. „Da schauen wir mit besonderer Sorgfalt, welche Maßnahmen dort erforderlich sind“, sagte sie.

Generell zeigt sich, dass teilweise Unsicherheit herrscht. Wer wird getestet? Wer ordnet einen Test an? Wie ist der weitere Ablauf? Hier folgen einige Antworten darauf.

Wie viele Menschen wurden schon getestet?

Bislang wurden in Braunschweig 742 Corona-Proben entnommen und untersucht, regionsweit sind es 1340 (Stand Freitag), wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mitteilt. Somit kann man also sagen, dass in der Stadt auf acht Tests ein bestätigter Fall kommt.

Wer wird getestet?

Die Entscheidung trifft entweder der Hausarzt oder der Bereitschaftsarzt auf Basis der Kriterien des Robert-Koch-Institutes (RKI). Seit Dienstag hat das RKI dazu neue Vorgaben herausgegeben. Seitdem spielt es keine Rolle mehr, ob man zuvor in einem Risikogebiet wie Südtirol oder Ägypten war. Folgende Kriterien sind jetzt entscheidend:

Ein Test sollte nur bei Krankheitszeichen durchgeführt werden. „Wenn man gesund ist, sich aber noch in der Inkubationszeit befindet (bis zu 14 Tage), sagt ein negativer Test auf Covid-19 nichts darüber aus, ob man doch noch krank werden kann“, so das RKI.

Ein Test soll erfolgen, wenn akute respiratorische (grippeähnliche) Symptome vorliegen, etwa Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Heiserkeit, UND wenn es Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person bis maximal 14 Tage vor Erkrankungsbeginn gab.

Ein Test soll erfolgen, wenn es Hinweise auf eine virale Lungenentzündung gibt – und zwar im Zusammenhang mit einer Fallhäufung in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern.

In diesen beiden Konstellationen ist von begründeten Verdachtsfällen auszugehen. Diese müssen sofort dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Ein Test soll auch erfolgen, wenn es Hinweise auf eine virale Lungenentzündung ohne Hinweis auf eine andere Ursache gibt.

Und ein Test soll erfolgen, wenn akute grippeähnliche Symptome bei Patienten aus einer Risikogruppe (zum Beispiel Alter über 60, Asthmatiker, Diabetiker, Krebstherapie, geschwächtes Immunsystem) oder bei Beschäftigten im Pflegebereich, in Arztpraxen oder Krankenhäusern auftreten.

Ein Test bei akuten grippeähnlichen Symptomen ohne Risikofaktoren soll nur bei ausreichender Testverfügbarkeit erfolgen.

Warum wird nicht sicherheitshalber jeder getestet, der leichte Symptome hat?

Seitens der Kassenärztlichen Vereinigung heißt es dazu: Masse ist nicht gleich Qualität! Stefan Hofmann, Geschäftsführer der KV im Bezirk Braunschweig, betont: „Wir müssen die richtigen Patienten finden! Wunsch-Abstriche sind mit einer hohen Fehlerquote versehen. Wichtig ist jetzt aber, dass wir ressourcenschonend vorgehen und möglichst wenig Material verschwenden.“ Das Problem seien dabei nicht nur die Teströhrchen, sondern es mangele nach wie vor an Schutzkleidung.

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Hofmann weist außerdem darauf hin, dass für breitflächige Massentests derzeit die Laborkapazitäten nicht reichen würden. Ein Braunschweiger Großlabor analysiert zurzeit die Proben. Dies dauere im Durchschnitt drei Tage.

Was sollten Menschen mit Symptomen tun?

Sie sollten ihren Hausarzt kontaktieren beziehungsweise außerhalb der Sprechzeiten die bundesweite Servicenummer des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes wählen: 116117. Wenn auf beiden Wegen zunächst niemand erreichbar sein sollte und nur leichte Symptome vorhanden sind, sollten die Betroffenen sich laut dem RKI selbst isolieren, also zu Hause bleiben, alle engen Kontakte unter zwei Metern meiden, eine gute Händehygiene sowie Husten- und Niesregeln einhalten.

Wenn die Beschwerden zunehmen, sollte man zunächst nochmals versuchen, die 116117 anzurufen. Nur in Notfällen, etwa Atemnot, ist der Notruf 112 zu wählen. Wer Symptome hat, sollte keinesfalls unangemeldet in die Arztpraxis gehen. Das Risiko, dort Patienten oder Beschäftigte zu infizieren, ist zu hoch.

Wie geht es weiter, wenn Hausarzt oder Bereitschaftsarzt einen Test anordnen?

Die Abstriche erfolgen zum einen im Testzentrum, wo man in jedem Fall mit dem Auto und unbedingt nur mit Termin vorfährt, erläutert Hoffmann. Die Probe entnimmt ein Arzt dann durch die geöffnete Seitenscheibe. Die Adresse des Testzentrums erfährt man, wenn es soweit ist. Fußläufig ist das Testzentrum nicht erreichbar. Daneben sind auch mobile Ärzte-Teams der Kassenärztlichen Vereinigung im Einsatz. Hofmann zufolge fahren zurzeit insgesamt 12 Mitarbeiter in zwei Tagschichten durch die Region. Die Reihenfolge der Tests werde nach Symptomatik entschieden: dringliche Fälle zuerst. Das könne dazu führen, dass der eine oder andere mit leichteren Beschwerden warten müsse.

Bei den Tests wird eine Probe aus den oberen und / oder tieferen Atemwegen entnommen, insbesondere aus dem Nasen-, Mund- und Rachenbereich. „Wesentlich ist der Rachenabstrich“, sagt der Allgemeinmediziner Dr. Thorsten Kleinschmidt, Vorsitzender des Bezirksausschusses der KV.

Das Testergebnis erhalten die Patienten von ihrem Arzt, der den Test veranlasst hat – oder vom Gesundheitsamt, wenn eine positive Infektion nachgewiesen wurde. In diesem Fall wird der Patient sofort isoliert, und die Kontaktpersonen müssen ermittelt werden.

Unsere Redaktion erreichten einige Anrufe von Lesern, die getestet wurden und auch nach zehn Tagen noch keine Testergebnisse hatten. Dazu sagt Hofmann: „Das ist die absolute Ausnahme und der Tatsache geschuldet, dass wir viele Ärzte in Wechselschicht eingesetzt haben und die Zuordnung nach- und vorbereitet werden muss, jeweils von unterschiedlichen Personen. Dafür bitten wir um Verständnis, aber der Ablauf wurde bereits deutlich optimiert.“

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