Bereitschaftsdienstpraxen in der Region ab sofort geschlossen

Braunschweig.  Die Kassenärztliche Vereinigung im Bezirk Braunschweig will so das Infektionsrisiko senken. In dringenden Fällen kommt der Arzt zum Patient.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst in Braunschweig befindet sich am Städtischen Klinikum an der Salzdahlumer Straße – doch auch diese Praxis ist zurzeit aufgrund der Corona-Pandemie nicht besetzt. Das Foto zeigt den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Braunschweig, Dr. Thorsten Kleinschmidt, den Ärztlichen Direktor des Klinikums, Dr. Thomas Bartkiewicz, und den Leiter der Notaufnahme des Klinikums.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst in Braunschweig befindet sich am Städtischen Klinikum an der Salzdahlumer Straße – doch auch diese Praxis ist zurzeit aufgrund der Corona-Pandemie nicht besetzt. Das Foto zeigt den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Braunschweig, Dr. Thorsten Kleinschmidt, den Ärztlichen Direktor des Klinikums, Dr. Thomas Bartkiewicz, und den Leiter der Notaufnahme des Klinikums.

Foto: Peter Sierigk/Archiv

Um das Corona-Virus weiter einzudämmen, sind ab sofort die ärztlichen Bereitschaftsdienstpraxen geschlossen. Wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mitteilt, gilt das in der gesamten Region, also in Braunschweig und Wolfsburg sowie in den Landkreisen Peine, Gifhorn, Helmstedt, Wolfenbüttel und Goslar. Der Standort in Salzgitter ist bereits seit einigen Tagen geschlossen.

Der Grund für diesen Schritt: Alle Bereitschaftsdienstpraxen befinden sich in Krankenhäusern – und gerade diese müssten vor dem Einschleppen von Corona-Viren geschützt werden, sagt Dr. Thorsten Kleinschmidt, Hausarzt und Vorsitzender des Bezirksausschusses der KV Braunschweig. „Eine Trennung der Versorgung von Patienten mit akuten infektiösen Atemwegserkrankungen und allen anderen Patienten ist aufgrund der besonderen Gegebenheiten des Bereitschaftsdienstes weder zeitlich noch räumlich möglich.“

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Und selbst dort, wo eine räumliche Trennung von Krankenhaus und Bereitschaftsdienstpraxis möglich sei, lasse sich kein sicheres Anmeldesystem in geöffneten Bereitschaftsdienstpraxen darstellen. „Ist die Tür offen, kommt der Patient unangemeldet“, so Kleinschmidt. „Das Infektionsrisiko in einer Bereitschaftsdienstpraxis ist für Patienten, Mitarbeiter und Ärzte derzeit einfach zu hoch.“ Die Versorgung der Patienten sei dennoch sichergestellt: Bis auf weiteres werden die Ärzte, die bisher in den Bereitschaftsdienstpraxen den Dienst versehen haben, mobil eingesetzt.

Die kinderärztlichen Bereitschaftsdienste in Braunschweig und Wolfsburg sowie der zentrale augenärztliche Bereitschaftsdienst in Braunschweig werden zunächst weiterbetrieben.

116117 nur dann anrufen, wenn es wirklich dringend ist

Der Bereitschaftsdienst bietet ärztliche Hilfe außerhalb der Öffnungszeiten von niedergelassenen Ärzten, vor allem abends und nachts, am Wochenende und an Feiertagen. Erreichbar ist er über die bundesweit einheitliche Telefonnummer 116117. Wann ist ein Anruf gerechtfertigt? Es gelten zwei Kriterien. Erstens: Man hat Beschwerden, mit denen man normalerweise einen niedergelassenen Arzt aufsuchen würde. Zweitens: Die Behandlung kann wirklich nicht bis zum nächsten Tag warten.

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Stefan Hofmann, Geschäftsführer der KV Braunschweig, betont: „In der gegenwärtigen Situation müssen die Leitungen frei bleiben für diejenigen, die akut eine ärztliche Hilfe benötigen.“ Über die 116117 gibt es KEINE allgemeinen Infos rund um das Corona-Virus.

Hofmann und Kleinschmidt berichten, dass schon jetzt eine Sensibilisierung der Menschen zu spüren ist – und danken dafür: Während der Bereitschaftsdienst zu normalen Zeiten auch leider häufig mit Bagatellerkrankungen in Anspruch genommen werde, gebe es zurzeit deutlich weniger Anfragen.

Nicht unangemeldet in Arztpraxen gehen

Die beiden gehen davon aus, dass die Zahl der zu versorgenden Patienten mit infektiösen Erkrankungen ansteigen wird. Daher werde die KV-Bezirksstelle Braunschweig die Zahl der Ärzte erhöhen, die die Patienten im Krankheitsfall zu Hause besuchen.

Hofmanns Appell an die Patienten: „Bitte bleiben Sie zu Hause!“ Generell gelte jetzt, Haus- und Facharztpraxen nicht unangemeldet aufzusuchen. Insbesondere bei Erkältungssymptomen soll jeder unbedingt erst in den Praxen anrufen. „In medizinisch dringenden Fällen werden die Praxen Termine vereinbaren.“

Es komme entscheidend darauf an, die Ärzte und Mitarbeiter in den Praxen vor einer Infektion zu schützen, um die Versorgung sicherzustellen. Aktuell werde zudem mit Hochdruck an einer Videosprechstunde im Bereitschaftsdienst gearbeitet. Was ihm Sorge macht, sind die deutlich sinkenden Vorräte an persönlicher Schutzausrüstung für die Ärzte im Bereitschaftsdienst. „Die Ressourcen müssen zwangsläufig gebündelt und schonend eingesetzt werden“, sagt er.

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