17. März – als der Einzelhandel in Braunschweig stillsteht

Braunschweig.  Die großen Kaufhäuser der Stadt haben seit Dienstag zu. In den Schloss-Arkaden ist es gespenstisch leer.

Bis zum 18. April ist der Saturn-Markt in den Schloss-Arkaden geschlossen.

Bis zum 18. April ist der Saturn-Markt in den Schloss-Arkaden geschlossen.

Foto: Norbert Jonscher

Nichts sieht so traurig aus wie zehn einsame Fischbrötchen in der Auslage eines abgedunkelten, wie ausgestorben wirkenden Fisch-Restaurants, das mittags sonst voll besetzt ist. Das Nordsee-Restaurant in den Schloss-Arkaden hat schon seit Montag auf Snack-Betrieb umgestellt – und fährt erkennbar auf Sparkost, denn es gibt seit Dienstag, seit die meisten Geschäfte im Einkaufscenter schlossen, kaum noch Menschen hier, die Fischbrötchen kaufen könnten.

Kaum Menschen unterwegs

Auch schräg gegenüber bei McDonald’s verkaufen sie kaum noch Burger. Im Wurst-Basar um die Ecke gehen nur wenige Würste über die Theke, die Bäckerei Kamps nebenan verkauft frische Brötchen. Und sonst? Ist es in den Schloss-Arkaden seit Dienstag gespenstisch leer. Nur wenige Besucher, die wohl ihr Auto im Parkhaus abgestellt haben, „verirren“ sich noch hier hin, wo sonst täglich Tausende flanieren. Warum auch? Fast alle Shops haben geschlossen. Die Corona-Experten wollen es so. Die Stadt Braunschweig kündigte noch am Dienstag eine eigene diesbezügliche Allgemeinverfügung an, in der auch die Dauer der Schließungen geregelt sein soll.

Phantom-Läden ohne Menschen

Wir schauen uns um in einer Einkaufsstadt, in der es praktisch über Nacht kaum noch etwas zu kaufen gibt. Die großen Kaufhäuser haben zu. In den Schloss-Arkaden haben sie vor Saturn die Metallgitter herunter gelassen. Dahinter machen sich zwei, drei Mitarbeiter an einem Computer oder einem Kassensystem zu schaffen. Oder halten sie nur die Stellung, bis ein kurzfristig organisierter Wachdienst übernimmt?

Überall sieht es gespenstisch aus. Phantom-Läden ohne Licht, ohne Mitarbeiter, ohne Kunden. Appelrath Cüpper, Humanic, More & More, Esprit, Thomas Sabo, Swarovski, Only, Eterna, Engbers, Tommy Hilfiger, Levi’s, H & M, Zumnorde, Calvin Klein, Marc O’Polo, Pimkie, Douglas und wie sie alle heißen - alle zu. Seit Dienstag, 6 Uhr, gilt die Verfügung, die nicht nur die Schloss-Arkaden hart trifft, sondern die ganze Stadt, das ganze Land. In der City ist es menschenleer wie sonst nur sonntagmorgens. So erlebt Braunschweig diesen denkwürdigen 17. März 2020, an dem der Einzelhandel mit einem Schlag still steht. Zu groß ist die Gefahr, dass sich die Corona-Pandemie weiter ausbreitet.

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Summersby eröffnet später

Hart trifft es das Modeunternehmen „Summersby“, das ja eigentlich am heutigen 19. März seine Filiale im Langerfeldt-Haus am Sack eröffnen wollte. Daraus wird nun nichts. Bereits am Montag, 17 Uhr, stand für Inhaber Andreas Rink (62) und seine Leute fest: Wir müssen die groß angekündigte Eröffnung bis auf Weiteres verschieben. „Erst dachte ich mir: Das kann doch nicht wahr sein. Da geben wir wochenlang Gas, damit wir das Opening zeitlich hinkriegen. Und dann das. Das fühlt sich an wie ein schlechter Witz.“

Andere Geschäftsleute waren am Dienstagmorgen schlechter informiert. Business as usual. Sie wussten von nichts, erst Kunden wurden stutzig, fragten, warum ihr Laden noch geöffnet sei? Ob er eine Ausnahmegenehmigung habe? Niemand hatte den meist kleineren Geschäftsleuten mitgeteilt, dass es für sie vorerst nicht weitergeht. Erst im Laufe des Dienstags erging die amtliche Allgemeinverfügung der Stadt. In einem kundenleeren Markt steht am Mittag Media-Markt-Chef Mirko Rüsing, er ist zugleich Vorstandsmitglied im Arbeitsausschuss der Innenstadt-Kaufleute (AAI). Unter den Braunschweiger Geschäftsleuten, berichtet er, herrsche Bestürzung. „Aber was soll man machen? Es ist, wie es ist, und wir sind nicht das einzige Land, dem es so geht.“ Rüsings persönliches Credo: „Man muss den Virus eindämmen, die Gesundheit geht vor alles.“

Im „Summersby“ war man zu diesem Zeitpunkt schon etwas entspannter. Inhaber Andreas Rink geht davon aus, dass es erstmal nichts wird mit einer Ladenöffnung. Wobei die Kosten unvermindert weiter liefen. „Da hat man jede Menge in Ware investiert - und nun hängt sie hier und wartet.“ Was nun mit seinen Mitarbeitern wird, er weiß es noch nicht. Rink hofft auf mögliche Entschädigungszahlungen nach dem Infektionsschutzgesetz. Denn: Bei behördlich verfügten Geschäftsschließungen müsse Mitarbeitern der Verdienstentgang ausgeglichen werden, zudem könnten die Betriebe die während der Sperre angefallenen Lohnkosten zurückfordern. Doch, ob dieser Paragraph 56 tatsächlich zur Anwendungen kommen wird, das sehe er noch nicht. Meint auch Mark Alexander Krack, Geschäftsführer vom Einzelhandelsverband Harz & Heide so. Der Paragraph sei für Einzelfälle geschaffen. „Es wird juristisch zu klären sein, ob die Geschäfte eine Entschädigung erhalten.“

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