In Querum ist das Leben ein Ponyhof

Braunschweig.  Der Verein „Ponyclub Querum“ kümmert sich um ausgemusterte Ponys. Viele Kinder und Jugendliche helfen, damit es den Tieren gut geht.

Ponys brauchen Bewegung: Die Geschwister Bonnie und Lukas (im Vordergrund) führen Pony Smartie spazieren.

Ponys brauchen Bewegung: Die Geschwister Bonnie und Lukas (im Vordergrund) führen Pony Smartie spazieren.

Foto: Philipp Ziebart / BestPixels.de

Geeny war mal ein erfolgreiches Turnier-Pony. Western-Turniere waren ihre Spezialität. Doch dann kamen die Schmerzen: Geeny hat Arthrose. Der Tierarzt signalisierte: Es ist genug!

Ilona Müller vom Ponyclub in Querum erinnert sich: „Die damalige Eigentümerin wollte, dass ihr Pony es weiterhin gut hat. Sie hat gezielt nach einer liebevollen Möglichkeit gesucht, es unterzubringen. Erst hatte sie an eine Familie gedacht, doch dann hörte sie von uns. Seitdem ist Geeny bei uns.“

Ilona Müller hat vor knapp drei Jahren den Verein „Ponyhof Querum“ mitgegründet. Ältere Ponys und solche, die kleine Handicaps haben, schlecht gehalten wurden oder unter chronischen Krankheiten leiden, werden hier liebevoll aufgepäppelt und umsorgt. Das Wort „Gnadenhof“ hören die Vereinsmitglieder aber nicht gerne. Karen Kobiella, die dem Verein seit letztem Herbst angehört, formuliert es lieber so: „Die Tiere, die bei uns stehen, haben Glück gehabt.“

Geplant sind Reit- und Pflegebeteiligungen für Kinder aus armen Familien

Am Feuerbergweg, in Sichtweite entfernt von Schunter und Querumer Forst, haben mittlerweile zehn Ponys ein neues Zuhause gefunden – hinzu kam im vergangenen Jahr ein Fohlen, ein Eigengewächs, ganz unverhofft, wie Kobiella lachend erzählt. Der Verein kommt für die Haltungskosten auf – pro Tier sind das mehr als 200 Euro im Monat für Futter, Pacht, Tierarzt, Hufschmied und so weiter. Der Verein finanziert sich über Reit- und Pflegebeteiligungen (50 bzw. 30 Euro pro Monat), Paten, Sponsoren und Mitgliedsbeiträge.

Reiten kann man in Querum auch, alle zwei Wochen geben Ehrenamtliche Reitunterricht. Aber Ilona Müller betont: „Wir sind eine Auffangstation, keine Reitschule.“ Im Vordergrund stehe der Kontakt zwischen Pony und Kind: pflegen, füttern, schmusen, bewegen…

Derzeit ist der Verein auf der Suche nach weiteren Sponsoren und Paten, denn die Mitglieder haben eine Idee, wie Karen Kobiella erklärt: „Wir wollen Reit- und Pflegebeteiligung auch Kindern ermöglichen, deren Familien sich das eigentlich nicht leisten können.“ Die Erfahrung zeige, dass die Kombination Pony und Kind nicht nur den Tieren gut tue: Auch die Kinder lernten viel dazu, ihr Selbstbewusstsein wachse. So wie bei Lukas (11), der häufig mit seiner Schwester Bonnie (8) auf dem Hof ist. Sie haben Shetlandpony Smartie gezeigt, wie es mit den Vorderhufen auf eine Kiste steigen kann. Smartie ist das Lieblingspony der Geschwister, und Lukas ist stolz, dass Smartie das kleine Kunststück nun beherrscht: „Am Anfang musste man Smartie immer mit einer Karotte belohnen. Irgendwann hat er das dann von allein gemacht“, erklärt Lukas

Ilona Müller würde am liebsten alle Ponys retten

50 Kinder und Jugendliche kommen derzeit regelmäßig auf den Hof, um sich um die Ponys zu kümmern. Künftig sollen Reit- und Pflegebeteiligungen auch Kindern aus sozial schwachen Familien ermöglicht werden. Der Verein will dazu zwei bis drei Ponys an zwei Tagen pro Woche für diese Kinder kostenlos zur Verfügung stellen.

Alles sieht so aus, als würde der Verein weiter wachsen: mehr Kinder, mehr Ponys. Ilona Müller hat ein großes Herz. Die ersten Ponys hatte sie schon vor Gründung des Vereins gerettet: Sie kann es schwer ertragen, wenn sie ein verwahrlostes Tier auf einer Koppel sieht – lieber kauft sie es. Dann hätten plötzlich Kinder aus dem Dorf vor der Tür gestanden: Sie wollten die Tiere füttern und striegeln. So entstand die Idee mit dem Verein. Heute sagt Ilona Müller: „Man will natürlich alle Ponys retten. Aber wir mussten leider auch schon Tiere ablehnen. Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass die Ponys einen friedfertigen Charakter haben, also dass sie sozial verträglich miteinander umgehen und es für die Kinder ungefährlich bleibt.“

PONYCLUB QUERUM

Der Ponyclub befindet sich am Feuerbergweg 16 in Querum. Mehr Infos im Internet: www.ponyclubquerum.de

Interesse an Patenschaften, Spenden, Kindergeburtstag, Reit- und Pflegebeteiligungen? Kontakt: info@ponyclubquerum.de oder unter (0151)65480944.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 15 bis 17 Uhr. Freitag 14.30 bis 17 Uhr. Samstag 10 bis 15 Uhr. Termine vorab telefonisch vereinbaren.

Ohne Kopfschutz darf niemand aufs Pony: Zum Reiten bitte einen gut sitzenden Reit- oder Fahrradhelm mitbringen.

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