Heike Blümel: Wird sie „Braunschweigerin des Jahres“?

Braunschweig.  Die Chefin der DRK-Kaufbar betreibt mit ihrem Team einen einzigartigen Ort: Café, Kunst, Soziokultur und mehr.

Heike Blümel in „ihrem“ Wohnzimmer, der DRK-Kaufbar.

Heike Blümel in „ihrem“ Wohnzimmer, der DRK-Kaufbar.

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Still sitzen ist nicht ihr Ding. Zumindest dann nicht, wenn es darum geht, die „Kaufbar“ zu präsentieren. Dann will Heike Blümel herumlaufen, kräftig gestikulieren, alle Türen öffnen, mit Gästen plaudern, in die Küche und den Secondhand-Laden schauen, Geschichten zu den Bildern an den Wänden erzählen, von ihrem Team schwärmen…

Heike Blümel ist Projektleiterin für die Sprungbrett gGmbH, eine gemeinnützige Tochtergesellschaft des DRK-Kreisverbands Braunschweig-Salzgitter. Und deren Aushängeschild ist die „Kaufbar“ an der Helmstedter Straße, schräg gegenüber vom Marienstift. Kaufbar? Man könnte auch sagen: internationales Wohnzimmer, Theaterbühne, Leseecke, Kunstatelier, Musikort, Projektraum, Diskutierforum, Café mit Frühstück und Mittagstisch. Ein einzigartiger Ort in Braunschweig.

„Die Kaufbar ist ein Treffpunkt für Menschen, die international sind, aus unterschiedlichen Generationen und Schichten“, sagt Heike Blümel. „Ich wollte einen Ort schaffen, an dem sich Menschen austauschen können, an dem sie über ihre Standpunkte reden, ihre Ideen teilen und gemeinsam etwas verwirklichen.“ Dabei sei es keineswegs so, dass man nur in Kuschelatmosphäre beieinandersitze. „Hier darf gesagt werden, was gedacht wird. Das ist auch mal anstrengend, man streitet sich – aber so entsteht immer etwas Neues.“

In die „Kaufbar“ kommen viele Bewohner der angrenzenden Viertel: Viewegs Garten, Bebelhof, Östliches Ringgebiet. Aber genauso finden auch andere den Weg zu ihr. Regelmäßig treffen sich hier zum Beispiel Initiativen wie Amnesty International und Selbsthilfegruppen. Theatergruppen kommen, um zu proben und ihre Ergebnisse vorzuführen. Musiker geben Konzerte, Autoren halten Lesungen. Hier erfahren Migranten, wie sie einen Kita-Platz bekommen. Hier findet man Halt, wenn man meint, den Boden zu verlieren. Hier entdeckt man Gleichgesinnte, wenn man die Welt auf den Kopf stellen will.

Es ist immer was los, in der „Kaufbar“. Leben pur, sagt Heike Blümel. Jeder Tag ein Experiment. „Und wenn wir hier abends Kultur machen, ist das nichts Elitäres, sondern Kultur für alle, ob das Hartz-IV-Empfänger sind oder frisch Geflüchtete, oder Geflüchtete, die hier Fuß fassen, oder wir, die wir hier Projekte initiieren. Wir alle tauschen uns aus.“

Heike Blümel von der DRK Kaufbar
Heike Blümel von der DRK Kaufbar

Und deswegen gibt es auch noch die vielen anderen Angebote der Sprungbrett gGmbH: zum Beispiel Sozialberatung, Arbeitsförderung, Migrationsberatung, Sprachkurse und das Sozialkaufhaus. Getreu dem Namen „Sprungbrett“ gehe es immer darum, herauszufinden, was jeder Mensch mitbringe. „Wir suchen gemeinsam die Schokoladenseiten“, sagt Heike Blümel. „Wie kann man die Ressourcen hier so verknüpfen, dass sich jemand entwickeln kann? Wer das verstanden hat, der kann hier wachsen.“ In der „Kaufbar“ arbeiten daher neben etlichen Ehrenamtlichen auch Menschen, denen es gerade nicht so gut geht, die Kontakte und Struktur benötigen.

Nun sind die Sprungbrett gGmbH und die „Kaufbar“ freilich keine Insel, sondern arbeiten mit vielen anderen Institutionen zusammen, wie Heike Blümel betont. Und sie selbst will auch gar nicht im Vordergrund stehen, weil es doch auf das gesamte Team ankomme. Aber ganz ohne sie geht es eben auch nicht. Der Leser, der Heike Blümel als „Braunschweigerin des Jahres“ vorschlägt, hat es so formuliert: „Eine Überzeugungstäterin mit Herz, die seit Jahren die Fäden verknüpft, die die Kaufbar zu dem macht, was sie für Braunschweig ist: eine nicht mehr wegzudenkende Einrichtung, ein Netzwerk für kulturell Interessierte und sozial engagierte Menschen, Treffpunkt, Veranstaltungsplattform...“

Service

Die Kandidaten: Wir stellen in dieser Woche die Kandidaten für den „Braunschweiger des Jahres“ oder die „Braunschweigerin des Jahres“ 2019 vor.

Die Wahl: In der nächsten Woche können dann unsere Leser per Telefon, per Post und online darüber abstimmen, wer es wird.

Die Preisverleihung mit der Bekanntgabe des Gewinners oder der Gewinnerin findet am Montag, 25. November, um 18.30 Uhr im BZV-Medienhaus statt und ist öffentlich. Um Anmeldung wird gebeten: BZ-Lokalredaktion, Hintern Brüdern 23, 38100 Braunschweig. Oder per E-Mail: redaktion.braunschweig@bzv.de

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