Wird sie Braunschweigerin des Jahres? Inka Schlaak Kandidatin

Braunschweig.  Ein Mensch wie ein Geschenk – Sie bringt Kindern Geschichte nahe, hilft Angehörigen von Suchtkranken und ist ein Motor für Rüningen.

Ob im Städtischen Museum im Altstadtrathaus, in der Beratung Angehöriger von Suchtkranken oder im Schützen- sowie im Bürgerverein Rüningen: Inka Schlaak ist fast rund um die Uhr ehrenamtlich aktiv.

Ob im Städtischen Museum im Altstadtrathaus, in der Beratung Angehöriger von Suchtkranken oder im Schützen- sowie im Bürgerverein Rüningen: Inka Schlaak ist fast rund um die Uhr ehrenamtlich aktiv.

Foto: Philipp Ziebart / BestPixels.de

Momentan ist Inka Schlaak außer Gefecht – schwerer Bandscheibenvorfall, Operation. Dass sie deswegen bei ihrem Ehrenamt im Städtischen Museum im November 500 Mädchen und Jungen aus Kitas absagen muss, die sich aufs Programm Handwerk für Kinder gefreut hatten, diesmal zum Thema Holz, das tut ihr in der Seele weh. Aber jetzt muss sich die 51-Jährige verstärkt mal um sich selber kümmern.

Normalerweise ist die lebenslustige Frau aus Rüningen eigentlich immer für andere da, oft sogar im wahrsten Sinne des Wortes rund um die Uhr. Denn eines der Ehrenämter, das die Ur-Braunschweigerin neben der Museumspädagogik, auf die wir noch zurückkommen, ausübt, ist die Unterstützung von Angehörigen suchtkranker Menschen in Selbsthilfegruppen beim Lukas-Werk. Egal, ob es um Alkohol-, Drogen-, Medikamenten-, Internet-, Spiel- oder andere Süchte geht.

In ihrer eigenen Familie gab es selbst einen Suchtfall, Inka Schlaak weiß also genau, wovon sie spricht.

Sie hat sich zur ehrenamtlichen Suchthelferin ausbilden lassen. Abwechselnd mit einer Kollegin betreut sie die Selbsthilfegruppe, hört sich Sorgen und Probleme an, gibt Tipps, knüpft Netzwerke – und rät Angehörigen, um sich zu schützen, gar nicht so selten: „Sie müssen loslassen können – ohne ihren Freund oder ihr Familienmitglied dabei fallen zu lassen.“

Weil das manchmal leichter gesagt ist als getan, bietet Inka Schlaak ohne Bezahlung mit ihrem privaten Smartphone ein 24-Stunden-Notfalltelefon für Angehörige von Suchtkranken an.

„Wenn jemand anruft, klinke ich mich sofort für zwei Stunden aus der eigenen Familie aus“, beschreibt die Frau aus Rüningen. Jemand, der vielleicht nach Wochen des Zögerns endlich den Mut fasse und diesen wichtigen ersten Schritt wage, sei „wirklich in Not und braucht definitiv sofort“ ein offenes Ohr.

„Klar passt es mir zeitlich auch nicht immer ins Konzept, aber dann wird es halt passend gemacht“, sagt Inka Schlaak pragmatisch – und man merkt, wie ernst es ihr mit diesem Angebot ist. Und wie reagiert ihre Familie? „Mein Mann bleibt da sehr gelassen. Er weiß, wie wichtig mir mein Engagement ist. Er ist stolz und hält mir den Rücken frei.“

Vertrauen zu schaffen, mit Menschen auf Augenhöhe zu sprechen, mit Erwachsenen genauso wie mit Kindern, Situationen schnell zu erfassen und zu reagieren, das sind Stärken der Mutter einer 25-jährigen Tochter. Inka Schlaak, deren großes Hobby Lokalgeschichte ist, startete beruflich als junge Frau bei der Post, aber gesundheitliche Probleme führten zu einer Frühpensionierung.

„Das war natürlich schrecklich“, sagt sie, aber nach einiger Zeit hat die Braunschweigerin ihre neue Berufung im mehrfachen ehrenamtlichen Einsatz gefunden. Im Museum im Altstadtrathaus wollte sie eigentlich nur als Aufsicht mitmachen, doch der frühere Pressesprecher der Stadt, Kurt Boos, erkannte ihr Talent, mit Kindern umzugehen.

Die damalige Museumsdirektorin gab der Ehrenamtlichen grünes Licht, selbst eine Museumspädagogik für Kinder aufzubauen.

Die ist mittlerweile fester Bestandteil im Jahresprogramm vieler Kindergärten und Schulen bis zur siebten Klasse. Die Angebote sind stets ein Jahr im Voraus ausgebucht, es gibt Wartelisten. Mehr als 30.000 Mädchen und Jungen haben ihre Programme bereits genossen, pro Jahr sind es 3500 bis 4000, Inka Schlaak ist vier Tage pro Woche im Museum. Dabei kombiniert sie altersgerecht Geschichts- und Museumskunde mit Basteln und Ausprobieren. „Das Programm lege ich fest, ein Dutzend Freiwilliger hilft mir bei der Umsetzung“, sagt sie.

Inka Schlaak läuft auch bei geringen finanziellen Spielräumen zu kreativer Höchstform auf, wenn man ihr Vertrauen schenkt und Freiraum lässt. Ihr Lohn sind Momente, die ihr ewig in Erinnerung bleiben – wie der Junge, der beim Museumsbesuch erst zu nichts Lust hatte, den sie dann aber irgendwie „geknackt hat“ – und der später gar nicht mehr raus aus dem Altstadtrathaus wollte. „Manchmal merkt man an bestimmten Reaktionen der Kinder direkt, dass man etwas bewirkt.“ Das ehrliche Strahlen in Kinderaugen setzt wieder neue Energie frei.

Auch in „ihrem“ Rüningen, wo sie von Geburt an lebt, ist Inka Schlaak in Vereinen aktiv, die Gemeinschaft der Alt- und Neubürger liegt ihr am Herzen. Die amtierende Kreisschützenkönigin ist Schießsportwartin im Vorstand des Schützenvereins – und seit 2018 auch Vorsitzende der Bürgergemeinschaft.

„Ich habe mich nicht um den Posten gerissen“, gesteht Inka Schlaak, aber der Verein stand vor dem Aus. Nun fördert sie mit ihrem Team Aktionen wie den Lebendigen Adventskalender oder den erstmals initiierten „Dorf“-Flohmarkt – und kümmert sich nebenbei auch darum, dass der Fußweg zum Supermarkt nicht zuwuchert.

Mit ihrem freundlichen, verbindenden Wesen, Ehrlichkeit, Selbstbewusstsein und notfalls auch mit einem gehörigen Schuss Resolutheit „lassen sich manche Dinge schnell regeln“, wie sie sagt.

Anmerkung der Redaktion: Die Kandidatin Inka Schlaak erlitt kurz vor dem Interview einen Bandscheibenvorfall und musste sich einer Operation unterziehen. Wir konnten zwar noch mit ihr sprechen, verzichteten jedoch in Absprache mit Inka Schlaak auf Video-Aufnahmen. Mittlerweise geht es ihr wieder besser – und wir wünschen weiterhin gute Besserung!

Informationen und Service:

Die Kandidaten: Wir stellen bis zum 9. November die Kandidaten für den „Braunschweiger des Jahres“ oder die „Braunschweigerin des Jahres“ 2019 vor.

Die Wahl: Vom 12. bis zum 17. November können dann unsere Leser per Telefon, per Post und online darüber abstimmen, wer es wird.

Die Preisverleihung mit der Bekanntgabe des Gewinners oder der Gewinnerin findet am Montag, 25. November, um 18.30 Uhr im BZV-Medienhaus statt und ist öffentlich. Um Anmeldung wird gebeten: BZ-Lokalredaktion, Hintern Brüdern 23, 38100 Braunschweig. Oder per E-Mail: redaktion.braunschweig@bzv.de

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