Wird er Braunschweiger des Jahres? Frank Mengersen ist Kandidat

Braunschweig.  Peiner Jugendspieler verunglückten schwer auf der Autobahn: Dank seiner fairen Geste haben sie davon wenigstens sportlich keinen Nachteil.

Frank Mengersen im Porträt.

Frank Mengersen im Porträt.

Foto: Norbert Jonscher

Frank Mengersen (51), den sie in Fußballerkreisen alle nur „Menge“ nennen, steht vor der Anzeigetafel im Konrad-Koch-Stadion. 1:0 für den BSC Acosta zeigt sie an. Torschütze: er selbst, Frank Mengersen, der Meistermacher. Ein Fair-Play-Hammer hat ihn bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. Jetzt ist er Kandidat bei der Leser-Wahl zum „Braunschweiger des Jahres“.

Drei Punkte Vorsprung in der Tabelle

Im Mai war es, als der C-Jugendtrainer mit seinem Team auf den Landesliga-Titel verzichtete, damit der Konkurrent des VfB Peine Meister werden kann. In zwei Spielen hatten die BSCer die Peiner zuvor zwar geschlagen. Dennoch lagen die mit drei Punkten vorn auf Platz 1, als das Entsetzliche passierte.

Am 11. Mai befinden sich die C-Junioren des VfB Peine auf der Heimfahrt vom Auswärtsspiel bei Sparta Göttingen. Mit 12:0 hat der von Christoph Hasselbach trainierte Landesliga-Spitzenreiter gewonnen und seinen Vorsprung gegenüber dem ärgsten Verfolger souverän verteidigt. Bei noch vier ausstehenden Spielen scheint die Sache gelaufen, den Peinern ist die Meisterschaft kaum noch zu nehmen.

Und dann passiert es. Ein mit sieben Peiner Spielern besetzter Kleinbus verunglückt auf der A 7 bei Rhüden. Drei Jungen sowie der Fahrer werden schwer, vier weitere Spieler leicht verletzt.

An regulären Spielbetrieb ist danach überhaupt nicht mehr zu denken. Vier Spiele stehen noch aus, der VfB Peine scheint den Titel unter diesen Umständen noch zu verlieren. Doch da greift ausgerechnet der Jugend-Koordinator des Verfolgers BSC Acosta ein – und sorgt wohl für die Fair-Play-Aktion des Jahres.

Frank Mengersen - Braunschweiger des Jahres 2019
Frank Mengersen - Braunschweiger des Jahres 2019

Mengersen erfährt erst zehn Stunden später von dem Unglück, als noch nicht einmal klar ist, ob alle Jungs überleben werden. Und er reagiert sofort, Fair-Player, wie er ist: „Mein erster Gedanke war: Wie kann man in so einer Situation Trost spenden?“

„Menge“ wird aktiv. Er wendet sich an den Jugendausschuss in Niedersachsen und bittet darum, die Tabelle auf dem jetzigen Stand „einzufrieren“, doch das sei nicht möglich, wird ihm gesagt. Die Statuten ließen das nicht zu. Also mailt „Menge“ alle restlichen Gegner des VfB Peine an, bittet diese, doch nicht gegen die Peiner anzutreten, wohl wissend, dass dieses Nichtantreten nach den Statuten eine Strafe nach sich ziehen kann.

„Fußball tritt bei so einer Tragödie total in den Hintergrund. Wir möchten davon als BSC Acosta auf keinen Fall indirekt profitieren. Im Gegenteil: Möglicherweise könnten wir so sogar etwas für den Kopf der Kinder und Angehörigen tun und belegen, dass Fußball verbindet“, schreibt er in seinem emotionalen Brief an die anderen Clubs.

Auch die anderen Vereine ziehen sportlich fair mit

Tatsächlich ziehen die Vereine Lupo Martini, MTV Gifhorn, Eintracht Braunschweig II und der MTV Wolfenbüttel mit. Durch diese rührende Geste werden die C-Junioren aus Peine doch noch Meister und durften weiter davon träumen, in die Regionalliga aufzusteigen. Was letztlich nicht gelang. Aber das ist ein anderes Thema

Peines Trainer Christoph Hasselbach bedankte sich dann im Namen des Klubs ausdrücklich bei Mengersen, beide sind inzwischen Freunde: „Uneigennützig so etwas zu formulieren – das spricht für die Haltung des Menschen Frank Mengersen und zeigt, dass es eine Fußballer-Familie gibt. Ich und die Mannschaft wissen das sehr zu würdigen.“

Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat Frank Mengersen übrigens inzwischen als Initiator der Solidaritätsaktion mit dem Preis „Faire Geste des Monats Mai“ ausgezeichnet. „Der NFV Kreis Braunschweig ist sehr stolz, dieses Verhalten ist einmalig und damit auch dem DFB nicht verborgen geblieben“, heißt es in der Laudatio. Zusätzlich erhielt die Mannschaft einen Gutschein und einen Ball.

Wenig später gewinnt Mengersen auch noch den Bürgerpreis der deutschen Zeitungen.

Informationen und Service:

Die Kandidaten: Wir stellen bis zum 9. November die Kandidaten für den „Braunschweiger des Jahres“ oder die „Braunschweigerin des Jahres“ 2019 vor.

Die Wahl: Vom 12. bis zum 17. November können dann unsere Leser per Telefon, per Post und online darüber abstimmen, wer es wird.

Die Preisverleihung mit der Bekanntgabe des Gewinners oder der Gewinnerin findet am Montag, 25. November, um 18.30 Uhr im BZV-Medienhaus statt und ist öffentlich. Um Anmeldung wird gebeten: BZ-Lokalredaktion, Hintern Brüdern 23, 38100 Braunschweig. Oder per E-Mail: redaktion.braunschweig@bzv.de

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