Braunschweig: Die Metamorphose eines Stahlbetonriesen

Braunschweig.  Im Luftschutzbunker in der Kaiserstraße entstehen bis Mitte 2020 insgesamt 15 Eigentumswohnungen.

Drei Luxus-Wohnungen entstehen auf dem alten Bunkerdach. In dieser Woche wurde die Betondecke gegossen.

Drei Luxus-Wohnungen entstehen auf dem alten Bunkerdach. In dieser Woche wurde die Betondecke gegossen.

Foto: Norbert Jonscher

Die mit extrem scharfen Diamanten besetzte Seilsäge frisst sich, automatisch betrieben, Zentimeter für Zentimeter durch die 1,10 Meter dicke Stahlbetonwand. Wie durch Butter. Leise surrt die Maschine vor sich hin. Heiß gewordenes Kühlwasser läuft an der Wand herunter. Daneben steht ein Bauarbeiter und passt auf, dass die Seilsäge ein passgenaues Fenster in den früheren Luftschutzbunker in der Kaiserstraße sägt.

Bis Mitte 2020 entstehen hier, im Bau des Stahlbetonriesen, 15 zwischen 61 und 153 Quadratmeter große Miet- und Eigentumswohnungen sowie zwei Gewerbeflächen im Erdgeschoss. Kaufpreis der Wohnungen: 220.00 bis 650.000 Euro. Nur noch fünf sind zu haben.

Der Stahlbeton-Riese in der Kaiserstraße erlebt eine Metamorphose. 30 Meter lang, 25 Meter breit und 13 Meter hoch wurde er 1940 nach Plänen von Professor Herman Flesche von französischen Kriegsgefangenen als viergeschossiger fensterloser Quader errichtet. Er verfügte einst über 98 Kabinen und bot Platz für 642 Personen.

Daran erinnert inzwischen nur noch wenig. „In der dritten Etage haben wir alle Innenwände entfernt, in der zweiten Etage teilweise“, berichtet uns Bauleiter Dimitrios Contos vom Investor Axia Immobilie, Hannover. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, heruntergekommene Wohnimmobilien und Baugrundstücke in innerstädtischen Top-Lagen aufzukaufen und diese hochwertig und liebevoll zu sanieren, um sie an Selbstnutzer und Kapitalanleger zu veräußern.

27 Fenster, zwei mal zweieinhalb Meter groß, hat die Seilsäge schon in die Außenhaut des Bunkers geschnitten mit ihrem kunststoffummantelten Stahlseil, auf dessen Ummantelung eine diamantenbesetzte Sintermischung befestigt ist. Das Seil ist endlos und wird über Umlenkrollen zum Schnittpunkt gebracht. Durch Bohrlöcher gezogen, frisst es sich durch die Wand.

Und was passiert mit den aus den Fensterhöhlen herausgeschnittenen Betonblöcken? Sie werden Ende des Monats per Kran herausgezogen und mit einem Spezial-Lkw abtransportiert. Später wird der Bunker von außen komplett wärmegedämmt. Dann kann der Innenausbau beginnen.

Zuletzt war der Bunker nach dem Krieg als Lagerraum genutzt worden. Und auch Flüchtlinge quartierten sich dort ein. Im Erd- und Obergeschoss hatte Schlachtermeister Kunath Räume angemietet, im 2. OG verfügten der Gastwirt August Demann, das städtische Fürsorgeamt , die Stadtwerke und Fotograf Müller über Lagermöglichkeiten.

Jetzt zieht neues Leben in ihn ein.

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