Braunschweig und Wolfenbüttel planen gemeinsames Gewerbegebiet

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Das Gewerbegebiet soll eine Größe von 45 Hektar haben.

Das Gewerbegebiet soll eine Größe von 45 Hektar haben.

Foto: Stadt Braunschweig

Braunschweig.  Es soll östlich der A 36 nahe Fümmelse entstehen, also auf Gebiet der Stadt Wolfenbüttel. Kosten und Steuereinnahmen sollen geteilt werden.

Es gibt einen neuen Vorstoß für ein interkommunales Gewerbegebiet in unserer Region: Der Braunschweiger Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink schlagen ein gemeinsames Projekt vor, wie sie am Dienstag in einer Pressemitteilung ankündigen. Demnach geht es um eine 45 Hektar große Fläche unmittelbar östlich der Autobahn A 36, die sich vollständig auf dem Gebiet der Stadt Wolfenbüttel befindet.

Hintergrund ist insbesondere der Mangel an weiteren großen Gewerbe- und Industrieflächen in Braunschweig. Die Stadt verfügt Markurth zufolge nur noch über rund zwei Hektar freie Gewerbeflächen, zu denen aktuell keine Verkaufsgespräche geführt werden, sowie rund 20 Hektar Sonderfläche am Forschungsflughafen. Für die kommenden zehn Jahre werde ein jährlicher Bedarf von zwölf Hektar prognostiziert. „Der kumulierte Flächenbedarf beläuft sich derzeit sogar auf rund 50 Hektar, basierend auf den eingegangenen Anfragen der Jahre 2016 bis 2019“, so die Stadtverwaltung. „Angesichts der endlichen Flächenreserven für alle Nutzungsarten, darunter auch Wohn- und Freiraum, ist dieser Bedarf durch die Entwicklung neuer Wirtschaftsflächen und Innenverdichtung der Stadt nicht zu decken.“ Auch die Stadt Wolfenbüttel habe mittelfristig einen Bedarf an neuen Flächen, insbesondere aufgrund des begrenzten Umfangs der aktuell entstehenden Flächen im Gewerbegebiet West und der eingeschränkten Verfügbarkeit geeigneter Grundstücke.

Wolfenbüttel habe Braunschweig angesprochen, so Markurth – und sei als mittelständisch geprägter Standort ein naheliegender Partner. „Braunschweiger Unternehmen können durch ein interkommunales Gewerbegebiet im näheren Umfeld der Stadt gehalten werden, was die Attraktivität des Standorts sichert. So bleiben Arbeitskräfte erhalten und die Erreichbarkeit für die Belegschaft verändert sich nicht maßgeblich.“ Pink wiederum betont: „Die Lösung mit unserer Nachbarstadt Braunschweig liegt nahe, wir sind eng verbunden, auch durch zahlreiche Pendler. Ein Gewerbegebiet im Süden kann so auch Wege verkürzen und Ressourcen sparen.“ Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs zwischen Regionen sei die Erschließung neuer Gewerbeflächen mit Blick auf die Zukunft unserer Region unerlässlich.

Beide Partner wollen Kosten teilen und Synergien nutzen, wie sie betonen. Die Gewerbesteuereinnahmen sollen beiden zugutekommen. Zudem erleichtere eine interkommunale Kooperation den Zugang zu möglichen Landes- und EU-Fördermitteln.

Die Lage sei sehr gut: im Zentrum einer der industriestärksten Regionen Deutschlands, in der Nähe von Hochschul- und Forschungseinrichtungen sowie mit Zugang zu wichtigen Verkehrsknotenpunkten wie dem Hafen Braunschweig oder dem Flughafen Braunschweig-Wolfsburg.

Die beiden Verwaltungschefs empfehlen ihren Ratsgremien, die Realisierung des Gewerbegebiets zu prüfen. In Braunschweig wird der Beschlussvorschlag im Wirtschaftsausschuss am 27. August beraten, bevor der Rat am 17. September entscheiden wird. Der Rat der Stadt Wolfenbüttel befasst sich bereits am 11. September damit.

Sollte die Politik in beiden Städten grünes Licht geben, werde eine interkommunale Arbeitsgruppe eingerichtet, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Diese soll unter anderem die Planungsziele festlegen, ein städtebauliches Konzept entwickeln, das Investitionsvolumen und die Erlöspotenziale ermitteln und Fördermöglichkeiten sondieren. Erst danach soll – im Falle eines positiven Ergebnisses – den politischen Gremien beider Städte der Entwurf des Kooperationsvertrages und ein Durchführungskonzept zum Beschluss vorgeschlagen werden.

Vor einem Jahr war der Versuch von Markurth und seinem Salzgitteraner Kollegen Frank Klingebiel gescheitert, ein interkommunales Industrie- und Gewerbegebiet auf den Weg zu bringen. Es war auf Ackerflächen zwischen Stiddien, Thiede und Beddingen vorgesehen. Besonders die Anbindung an den Salzgitter-Stichkanal, die Schienen und die Autobahn galt als wichtiges Argument. Laut einer Machbarkeitsstudie hätte zunächst eine Fläche von 145 Hektar erschlossen werden können.

Der Braunschweiger Rat hatte sich zwar mit breiter Mehrheit für eine intensive Prüfung dieses Vorhabens ausgesprochen, doch in Salzgitter gab es dann ein Stimmenpatt – und somit einen Stopp des Ganzen. Die beiden Bürgerinitiativen „Südwest Braunschweig“ und „NEIN zum Industriegebiet SZ/BS“ waren von Anfang an gegen die Pläne – aus ihrer Sicht hätte es sich um einen unverantwortlichen Eingriff in die Natur gehandelt. Sie befürchteten unter anderem Lärm und mehr Verkehr. Die regionale Wirtschaft hingegen hatte sich sehr stark für das Vorhaben ausgesprochen.

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