Kita-Alltag mit behinderten Kindern in Braunschweig

Braunschweig.  Die Kita Schuntersiedlung zeigt, wie Inklusion gelingen kann. Oberbürgermeister Ulrich Markurth besuchte die Kindertagesstätte.

Oberbürgermeister Ulrich Markurth besucht die Kinder beim Mittagessen. Heilpädagogin Doreen Buchholz unterstützt Mitarbeiter der Kita dabei, inklusive Kinder zu fördern.

Oberbürgermeister Ulrich Markurth besucht die Kinder beim Mittagessen. Heilpädagogin Doreen Buchholz unterstützt Mitarbeiter der Kita dabei, inklusive Kinder zu fördern.

Foto: Florian Kleinschmidt / Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Lynn hüpft im Bewegungsraum der Kindertagesstätte Schuntersiedlung auf einem großen luftgefüllten Reifen. Neben ihr springt ein vierjähriges Mädchen auf einer Matte. Ein paar Schritte weiter essen alle Kinder gemeinsam Mittag, mit dabei sind auch sieben Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. In der Kita wird Inklusion jeden Tag gelebt. Oberbürgermeister Ulrich Markurth besuchte am Dienstag gemeinsam mit Sozialdezernentin Christine Arbogast die Einrichtung, um sich an ihrem Beispiel zeigen zu lassen, wie Inklusion in Kitas im Alltag gelingen kann.

Kita verfolgt ein „offenes Konzept“

„Wir verfolgen das offene Konzept“, sagt Einrichtungsleiterin Bärbel Karetta, „die Kinder entscheiden selbst, wo und mit welchen Aktivitäten sie ihren Tag verbringen.“ So wählen die Kinder selbst, ob sie sich in der Bewegungsbaustelle austoben möchten, in der Werkstatt ihrer Kreativität freien Lauf lassen oder auf dem Außengelände im Sand spielen und Burgen bauen.

78 Kinder werden in fünf Gruppen betreut. Das offene Konzept der Kita mache jedoch die Gruppeneinteilung fast überflüssig, so Karetta. Statt stark strukturierter Tagesabläufe wie einem täglichen Morgenkreis oder festen Sitzplätzen beim Mittagessen werde der Tagesablauf für Kinder geöffnet, sagt sie. Es gehe darum, Kinder zu beobachten, ihre Impulse wahrzunehmen und darauf zu reagieren, mit welchen Aktivitäten sie ihren Tag verbringen möchten.

Auch Kinder mit erhöhtem Förderbedarf werden in das „offene Konzept“ integriert. Der fünfjährige Jan zum Beispiel leidet unter einer mehrfachen Behinderung, er braucht Unterstützung in allen Lebensbereichen. „Jan möchte dennoch eigene Entscheidung treffen, deshalb unterstützen wir ihn in der Kommunikation“, sagt Doreen Buchholz, Heilpädagogin in der Kita. So kommen etwa „Entscheider-Karten“ zum Einsatz: Der Fünfjährige kann auf ein Gesicht auf den Karten zeigen – es symbolisiert Zustimmung oder Ablehnung.

Team setzt Inklusion gemeinsam um

Inklusion in der Kita gelingt auch, indem alle Mitarbeiter gemeinsam an einem Ziel arbeiten. „Jeder Erzieher hat zwar einen eigenen Bereich, in dem er die Kinder begleitet“, sagt Bärbel Karetta, beispielsweise im Atelier, auf dem Außengelände oder im Bauraum, in dem Bauklötze gestapelt werden. Kinder mit erhöhtem Förderbedarf versuchen die Mitarbeiter aber in mehreren Bereichen übergreifend zu fördern, wie Buchholz erläutert. Dafür leitet die Heilpädagogin die Erzieher an. In der Caféteria fördert Giusi Di Gaudio die Motorik von Jan. Sie stabilisiert ihn, damit sein Rücken gerade ist und er Spannung im Rumpf aufbauen kann. Ein Erfolg hat sich bereits eingestellt: Jan saß für ein paar Sekunden ohne Hilfe und kann gemeinsam mit den anderen am Geschehen in der Kita teilnehmen.

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