Ohne Router läuft bei den Braunschweiger Freifunkern nichts

Braunschweig.  Serie „Auf Lager“: Ehrenamtliche wollen dafür sorgen. dass die ganze Stadt kostenloses Internet bekommt.

Rouven Czerwinski (links) und Lars Andresen im Frickelraum mit Routern, die für normalen Freifunk (schwarz) oder für das neue kostenlose Event-Wlan (weiß) benutzt werden.

Rouven Czerwinski (links) und Lars Andresen im Frickelraum mit Routern, die für normalen Freifunk (schwarz) oder für das neue kostenlose Event-Wlan (weiß) benutzt werden.

Foto: STACHURA

Begleiten Sie uns in dieser Serie bei der Suche nach Lagerware. Dinge, die unabdingbar für Behörden, Betriebe oder Initiativen sind. Diesmal besuchen wir die Freifunk-Initiative im Hackerspace. Ohne Router geht hier nichts.

Wer sich Freifunk verschreibt, der muss an das Gute im Menschen glauben. An die Bereitschaft zum Teilen. Auch wenn es hier nur um das Internet, um Bandbreite und Datenvolumen geht. Denn die Idee hinter der Freifunk-Initiative ist: Wer seinen Internet-Zugang mit anderen teilt, der leistet einen Beitrag, damit am Ende im ganzen Stadtgebiet kostenloses Internet verfügbar ist.

Kostenloses Internet im ganzen Stadtgebiet ­– eine alte Idee. Und in der Verwirklichung so teuer, dass die Idee nur in der Fußgängerzone umgesetzt wurde. Den Rest, den soll Freifunk machen, sagen Politik und Verwaltung. Also auf zu den Ehrenamtlichen im Hackerspace an der Hamburger Straße.

Die Idee kommt aus dem Hackerspace

Stratum 0 heißt der Hackerspace. 164 Quadratmeter ­– Küche, Chill-Raum, Arbeitsraum für lautstarke Holz- und Metallarbeiten und der ruhige „Frickelraum“. Eine selbstverwaltete High-Tech-Werkstatt. Ein Paradies für Nerd, Geeks und Technikaffine aller Art ­– und Heimat von Freifunk. Von hier kam einst die Idee für das kostenlose Internet in ganz Braunschweig. „Hinter Freifunk steht ein knappes Dutzend Ehrenamtliche“, erzählt Lars Andresen. Fast alle sind sie Informatiker. Viele noch im Studium.

Im Frickelraum werden die Router optimiert, die kostenloses und sicheres Wlan möglich machen. Router, das sind gleichsam Tore zum Internet. Komplex. „Laien haben riesige Probleme, wenn der Router nicht funktioniert. Denn dann entfällt auch die Möglichkeit, sich im Internet Hilfe zum Router-Problem zu holen“, sagt Rouven Czerwinski.

Freifunk habe darum einen anderen Ansatz: An den eigenen Router wird einfach per Kabel ein Zusatz-Router für 40 Euro angeschlossen. Zwei Router, zwei Wlan-Netze. Rund 450 dieser Zusatz-Router stehen bereits im Stadtgebiet.

Wer stellt sie auf? Andresen sagt: „Diejenigen, die feststellen, dass ihr Wlan bis zur Bushaltestelle reicht und dann per Freifunk-Router auch anderen die Wartezeit verkürzen wollen. Sicherheitsbewusste, die kostenloses Wlan anbieten wollen, aber nicht über das eigene Wlan-Netz.“ Jugendzentren zum Beispiel, Ärzte gehörten dazu, Geschäftsleute. Burger King Braunschweig sei der bekannteste Freifunk-Anbieter. Aber auch in normalen Haushalten würde oft per Freifunk-Router ein eigenes Wlan allein für Gäste eingerichtet.

Freifunk-Kleingärtner erhalten Fördergelder

Mitunter werde mit Freifunk auch ein technisches Problem gelöst, berichtet Czerwinski: „Die Kleingärtner vom Pawelschen Holz haben sich per Freifunk-Router ein eigenes Wlan-Netz aufgebaut.“ Die Freifunk-Ehrenamtlichen haben dabei geholfen, die Router miteinander zu vernetzen. „Technisch kein Problem“, sagt Andresen. Die größte Überraschung sei gewesen: „Die Kleingärtner haben sich das vom Land Niedersachsen fördern lassen. Dass es Fördergelder gibt, das hatten wir nicht gewusst.“

Mittlerweile kam ein neuer Arbeitsschwerpunkt hinzu. Die Stadt Braunschweig hat Fördermittel zur Verfügung gestellt, damit für begrenzte Zeit große Gebiete mit kostenlosem Wlan versorgt werden können. Feuertaufe für das sogenannte Event-Wlan der Braunschweiger Freifunker war die 1.-Mai-Feier im Bürgerpark. Überall Spezial-Router, überall freies Wlan. 1350 Nutzer insgesamt, zeitweise mehr als 400 gleichzeitig. Darauf ist die Initiative stolz. Nachfolge-Aufträge gibt es allerdings noch keine.

Kostenloses Wlan für Veranstaltungen

„Doch die kommen noch. Es muss sich nur noch herumsprechen, dass wir bei Veranstaltungen kostenlos unser Event-Wlan verleihen. Wir bauen es sogar kostenlos auf“, sagt Andresen. Zudem sei ein neues Projekt angelaufen. „Wir möchten gerne, dass in jedem Feuerwehr-Gebäude Braunschweigs einer unserer Router steht, und es rings um die Gebäude kostenloses Freifunk-Wlan gibt.“ Erste Gespräche mit der Stadt Braunschweig habe es bereits gegeben.

Anzeichen dafür, dass der Preisverfall bei Handy-Datenvolumen zum Ende der Freifunk-Router führt, die gibt es offenbar nicht. Andresen sagt: „Wäre das so, würden unsere Nutzerzahlen fallen. Sie steigen aber. Wer auf kostenloses Wlan zugreifen kann, der greift zu. Niemand will am Ende des Monats Datenvolumen zukaufen.“

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