Wann gibt es schnelles Internet für alle in Braunschweig?

Braunschweig.  Eine Studie zeigt die weißen Flecken in der Stadt. Außerdem sind die Kosten für flächendeckenden Glasfaser-Ausbau dargestellt – und die Hürden.

Der stadtweite Anschluss aller Häuser ans Glasfasernetz kostet etliche Millionen Euro.

Der stadtweite Anschluss aller Häuser ans Glasfasernetz kostet etliche Millionen Euro.

Foto: alphaspirit / Getty Images/iStockphoto

Mit schnellem Internet ist Braunschweig grundsätzlich gut versorgt. Fast allen Haushalten stehen Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung, oft auch bis zu 200 Megabit. Allerdings gibt es nach wie vor weiße Flecken, was vor allem für Firmen fatal ist.

Außerdem stoßen die herkömmlichen Kupferleitungen an Grenzen, die Technologie zur Datenübertragung entwickelt sich rasant weiter: Mittels Glasfaser sind Geschwindigkeiten von mehreren Gigabit pro Sekunde möglich – ein
Gigabit entspricht 1000 Megabit. Auch wenn derartige Datenmengen für Privathaushalte heute noch nicht relevant sind, gehen Experten davon aus, dass das Datenvolumen weiter steigen wird – zum Beispiel wegen der zunehmenden Nutzung von Streaming-Diensten wie Youtube und Netflix.

Glasfaserleitungen sind nach heutigem Stand die modernste und zukunftssicherste Technik für schnelles Internet. Voraussetzung ist aber, dass die Glasfaserkabel bis ins Haus verlegt werden. Zurzeit ist es bundesweit überwiegend so, dass die bereits in vielen Straßen vorhandenen Glasfaserleitungen an Telefonkabelkästen enden. Die entscheidende „letzte Meile“ in die Häuser ist jedoch mit alten Kupferkabeln versehen.

Es gibt also auch in Braunschweig noch viel zu tun. Seit Kurzem liegt nun eine Studie zum Breitband-Ausbau vor. Die zwei Hauptaussagen: 1. Es geht um Millioneninvestitionen für viele Kilometer Glasfaserkabel und die entsprechenden Tiefbauarbeiten. 2. Angesichts der unklaren Fördersituation ist alles in der Schwebe.

Bis 2025 soll es flächendeckend Gigabit-Anschlüsse geben

Die Studie ist die Antwort auf einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2017. Die Politik hatte die Verwaltung aufgefordert, ein Konzept zum flächendeckenden Ausbau der Gigabit-Anschlüsse bis 2025 vorzulegen. Dieses Ziel entspricht auch dem, was Bund und Land anstreben: Bis 2025 soll es überall Hochleistungsnetze für superschnelles Internet mit einem Gigabit je Sekunde geben. In anderen Ländern, etwa in Skandinavien und im Baltikum, ist das schon überwiegend Standard. Deutschland hinkt hinterher, und es gibt große Zweifel, ob das Ziel bis 2025 zu schaffen ist. Für Braunschweig jedenfalls ist es nach jetzigem Stand unrealistisch, wie die Studie zeigt.

Die Berater des Hamburger Ingenieurbüros LAN Consult haben vor allem drei Dinge analysiert: Wo gibt es weiße Flecken und wie können sie versorgt werden? Wie können alle Häuser in der Stadt einen Glasfaseranschluss erhalten, die noch keinen haben? Welche Fördertöpfe gibt es?

Weiße Flecken sind Gebiete, in denen Daten über das bestehende Kupfernetz mit maximal 30 Megabit pro Sekunde heruntergeladen werden können. Es handelt sich um 1547 Häuser – von 45.000 stadtweit. Das entspricht einem Anteil von 3,4 Prozent. Umgerechnet sind damit 4900 Haushalte und Gewerbeeinheiten unterversorgt. Die betroffenen Gebiete liegen überwiegend in den Außenbereichen der Stadt. Ihre Versorgung mit Glasfaseranschlüssen würde laut der Studie 32 Millionen Euro kosten. Insgesamt wären dafür 160 Kilometer Tiefbau nötig.

Für den Breitband-Ausbau in den weißen Flecken gibt es Fördergeld, wenn Telekommunikationsunternehmen dort auch in den nächsten drei Jahren mangels Wirtschaftlichkeit nicht von sich aus tätig werden. Der Bund zahlt dann 50 Prozent, das Land künftig voraussichtlich 25 Prozent – die Förderrichtlinie wird zurzeit überarbeitet. Für die Stadt bliebe dann also ein Eigenanteil von rund 8 Millionen Euro.

Der stadtweite Glasfaser-Ausbau würde 17 Jahre dauern

Für den flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes wäre der Studie zufolge mit mindestens 215 Millionen Euro zu rechnen. Das Ganze würde 17 Jahre dauern. Vielfach müssten die Glasfasertrassen aufgrund breiter Straßen auf beiden Seiten in den Geh- beziehungsweise Radwegen verlegt werden. Es geht um Tiefbau auf insgesamt 870 Kilometern Länge.

Allerdings: Für den flächendeckenden Ausbau gibt es kein Fördergeld. Und: Die Glasfasertrassen, die für den Ausbau der weißen Flecken zu errichten sind, können nicht gleichzeitig für den flächendeckenden Ausbau mitgenutzt werden. Verlauf und Dimensionierung seien zu unterschiedlich, so die Berater. Dies habe mit den strikten Bau- und Materialvorgaben des Bundes im Rahmen der Weiße-Flecken-Förderung zu tun.

Und nun? Die Berater empfehlen, jetzt noch keinen Antrag auf Fördermittel zum Anschluss der weißen Flecken zu stellen. Stattdessen sollte die Stadt weiter Gespräche mit Land und Bund führen. Die gesamte Förderstruktur sei in Bewegung. Möglicherweise gebe es Veränderungen zugunsten des flächendeckenden Ausbaus.

Die Stadtverwaltung will nun genau diesen Weg gehen, wie Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer kürzlich im Bauausschuss erläuterte. „Wir wollen klären, ob man den geförderten Ausbau der weißen Flecken mit dem eigenwirtschaftlichen Vollausbau kombinieren kann“, sagte er. „Wir wünschen uns also eine Planung, die von vornherein die Struktur der Gesamtstadt berücksichtigt.“

Heißt das nun: Warten bis zum Sankt Nimmerleinstag? Nein, so Leuer. Zwar sei die Wohnbevölkerung in Braunschweig zurzeit überwiegend sehr gut versorgt, so dass dort kein allzu großer Druck herrsche. „Aber in einigen Gewerbegebieten ist das ganz anders“, betont er. Es wäre ihm zufolge sinnvoll, wenn sich diesbezüglich in diesem Jahr etwas in die Wege leiten ließe – ob es dazu komme, sei jedoch offen

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