Der neue Mann an der Spitze des CJD

Braunschweig.   Kirk Chamberlain (41) will die Einrichtungen des CJD moderner aufstellen – und betont zugleich, wie wichtig ihm die Tradition ist.

Kirk Chamberlain hat jetzt die Gesamtleitung des CJD Braunschweig/Wolfsburg/Salzgitter inne. Er ist in der Lüneburger Heide aufgewachsen, als Sohn einer deutschen Mutter und eines englischen Vaters.

Kirk Chamberlain hat jetzt die Gesamtleitung des CJD Braunschweig/Wolfsburg/Salzgitter inne. Er ist in der Lüneburger Heide aufgewachsen, als Sohn einer deutschen Mutter und eines englischen Vaters.

Foto: PHILIPP ZIEBART / BestPixels.de

Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) hat einen neuen Gesamtleiter für den Standort Braunschweig/Salzgitter/Wolfsburg. Kirk Chamberlain ist 41 Jahre alt und hat einen interessanten Lebenslauf: Nach der Ausbildung zum Erzieher hat er in Braunschweig Sozialpädagogik studiert und war dann in London als Unternehmensberater tätig. Im Interview skizziert er seine Pläne.

Herr Chamberlain, Sie waren lange als Unternehmensberater tätig. Da denkt man an Umstrukturierungen und Personalabbau. Was steht dem CJD mit Ihnen bevor?

Eine Umstrukturierung durchaus, oder sagen wir besser: eine Modernisierung. Personalabbau: definitiv nicht. Im Gegenteil. Ich habe kürzlich in der Musischen Akademie die Einführungsfeier von mehr als 80 neuen Mitarbeitern geleitet, die künftig für unsere Einrichtungen in Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter arbeiten werden. Damit erhöht sich die Zahl der Mitarbeiter im Verbund auf 540. Wir wachsen und wollen weiter wachsen.

Planen Sie, weitere Kindergärten und Krippen in Braunschweig zu eröffnen? Die bilinguale Kita im Quartier St. Leonhard, die in Kürze ihre Arbeit aufnimmt, ist ja auf große Nachfrage gestoßen.

In Kooperation mit starken Partnern und Investoren wie der Richard-Borek-Unternehmensgruppe oder New Yorker können wir uns das sehr gut vorstellen.

Der Markt ist da: Braunschweig hat einen Bedarf an weiteren Krippen- und Kindergartenplätzen. Der muss gedeckt werden, wenn Braunschweig für junge Familien attraktiv bleiben will – auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist das für die ortsansässigen Firmen sehr wichtig. Davon abgesehen, werden wir als CJD unserem Claim „Beste Bildung von Anfang an“ bestens gerecht, wenn wir Betreuungs- und Bildungsangebote für Kinder von sechs Monaten an aufwärts bieten. Besonders groß ist das Interesse übrigens an unserem bilingualen Angebot in der Kita.

Die Mitarbeiter der Kita im Quartier St. Leonhard müssen Deutsch und Englisch sprechen. Sie sprachen schon den Fachkräftemangel an: Haben Sie es geschafft, ausreichend viele geeignete Mitarbeiter zu finden in Zeiten, in denen überall Erzieher gesucht werden?

Der aktuelle nationale Bildungsbericht zeigt: Bundesweit fehlen bis zum Jahre 2025 über 300 000 Erzieherinnen. Das haben natürlich auch wir zu spüren bekommen.

Aber es ist uns geglückt. Ich gebe zu: Es war eine Punktlandung. Schwierig war es auch, weil es manchmal sehr kompliziert ist, bis im Ausland erworbene Abschlüsse anerkannt werden. Die Anforderungen sind sehr hoch. Zu Recht natürlich, denn die Qualität muss stimmen.

Wenn Sie von einer Modernisierung des CJD sprechen: Was genau meinen Sie?

Nun, natürlich sind wir ein Träger mit starker Tradition und einem christlichen Menschenbild. Daran halten wir fest – diese Werte sind sozusagen unser USP, unser Alleinstellungsmerkmal. Zugleich setzen wir jetzt eine moderne Personalstrategie ein, denn als Arbeitgeber müssen wir genauso modern sein wie Google, etwa wenn es um Familienfreundlichkeit für unsere Mitarbeiter geht.

Fachlich wollen wir weiterhin Pioniere bleiben und müssen daher Innovationen frühzeitig erkennen und bei uns etablieren, sowie generell auf veränderte Anforderungen reagieren. In der Schullandschaft beispielsweise ist viel in Bewegung. Außerdem gibt es Prozesse oder Abläufe in unserem relativ neu entstandenen Verbund, die noch recht starr sind. Um strukturelle und konzeptionelle Veränderungen gekonnt umzusetzen, brauchen wir auch intern schlanke Prozesse, wenn wir uns modern aufstellen wollen.

In welche Richtung wird es gehen?

Die Entwicklung in Braunschweig mit dem Quartier ist genau richtig: Menschen aus verschiedenen Generationen, Menschen mit und ohne Behinderung leben, arbeiten und lernen zusammen. Dort haben wir die neue Kita, unsere Internatsschüler und Wohngruppen bekommen dort ebenfalls ein neues Zuhause, zudem wird es dort Werkstätten und ein Café geben. Dabei arbeiten wir gut mit der Stiftung Neuerkerode zusammen – obwohl man diese durchaus als Konkurrent am Markt bezeichnen könnte. Das finde ich gut.

Ihre Vorgängerin Ursula Hellert hatte die Planung für das Quartier maßgeblich mit angestoßen, bevor sie nach 41 Jahren im CJD in den Ruhestand gegangen ist. Sie treten da in große Fußstapfen...

Das ist mir bewusst. Frau Hellert hat eine großartige Arbeit für das CJD gemacht, sie hat ein sehr gutes Händchen für Netzwerkarbeit, und fachlich ist sie eine Koryphäe. Sie können mir glauben: Ich war durchaus nervös, als es darum ging, ihre Nachfolge anzutreten.

Was Schulentwicklung angeht kann ich ihr sicherlich nicht das Wasser reichen – was bedeutet, dass ich als Gesamtleiter hier anders wirken muss und unsere sehr kompetenten Schulleitungen die fachliche Entwicklung entscheidend mitgestalten müssen. Gleichzeitig gehe ich an meine neue Aufgabe selbstbewusst heran, denn ich denke, dass ich mit meiner Auslandserfahrung und der Vielfalt an Methoden und Inhalten, die ich kennengelernt habe, auch meine Stärken einbringe. Sonst hätte der Vorstand mich ja nicht ausgewählt.

Das CJD betreibt in Braunschweig bereits die International School und das Christophorus-Gymnasium samt Internat, die Hans-Georg-Karg-Grundschule, die Psychologische Beratungsstelle und die Musische Akademie. Welche dieser Einrichtungen würden Sie als Ihr „Sorgenkind“ bezeichnen?

Naja, man kann sagen: Im gymnasialen Bereich ist die Konkurrenz unglaublich groß. Für Schulen in privater Trägerschaft müssen die Eltern Geld bezahlen, und da muss der Mehrwert des Angebots sehr schnell und deutlich erkennbar sein.

Da können wir noch besser werden: Wir müssen das CJD noch viel stärker als Marke verankern. Die Menschen müssen sofort wissen, was wir machen, wenn sie unseren Namen hören. Das ist nicht leicht, weil wir als CJD – bundesweit und hier vor Ort – sehr breit und vielfältig aufgestellt sind. Meine Vision ist es, dass die unterschiedlichen Einrichtungen noch viel mehr voneinander profitieren, auch die Mitarbeiter.

Letzte Frage: Der Start der Oberschule – einer Mischung aus Haupt- und Realschule – wurde um ein Jahr verschoben. Warum?

Wir konnten eine besonders geeignete Schulleitung finden, die jedoch erst im kommenden Schuljahr zur Verfügung steht. Die Zeit nutzen wir nun, um das Konzept gemeinsam noch detaillierter auszuarbeiten. Auch der Umbau der Internatsgebäude schreitet planmäßig voran.

Ganz wichtig ist uns, dass wir klare praktische Bezüge zur Berufswelt herstellen, etwa über Partner wie die Industrie- und Handelskammer. An der Oberschule wird praxisnah gelernt – da orientieren wir uns am dualen Studium, das ja sehr beliebt ist bei jungen Menschen.

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