Polizei durchsucht Hanfbar nach Drogen

Braunschweig.   Alle Waren wurden beschlagnahmt. Die Inhaber des Start-ups sind geschockt. In wenigen Tagen wollen sie ihren zweiten Laden in Braunschweig eröffnen.

Die Hanfbar in Braunschweig wurde von der Polizei durchsucht. Das Foto zeigt die Inhaber Bardia Hatefi (links) und Marcdel Kaine.

Foto: Privat

Die Hanfbar in Braunschweig wurde von der Polizei durchsucht. Das Foto zeigt die Inhaber Bardia Hatefi (links) und Marcdel Kaine. Foto: Privat

Schon manchen Braunschweiger hat die „Hanfbar“ im Uni-Viertel irritiert. „Purple Haze“ und „Orange Bad“ werden dort unter anderem angeboten, so heißen bekannte Cannabis-Sorten. In der Hanfbar sind es Smoothies aus Beeren und Hanfsamen, die diese berüchtigten Namen tragen. Auch Tee aus Hanfblüten und Energiekugeln aus Hanfsamen gibt es dort zu kaufen.

Hanf – ist das nicht illegal? Seit einem Jahr gibt es die Hanfbar in der Mühlenpfordtstraße, und nun bekamen es die Inhaber mit der Polizei zu tun. Sechs Beamte der Kriminalpolizei seien am Dienstag in den Laden gekommen, erzählt Mitinhaber Bardia Hatefi. Einen Durchsuchungsbefehl für den Laden hätten sie gehabt und alle Waren beschlagnahmt. „Als sie hörten, dass wir ein Lager haben, haben sie das auch durchsucht und alles mitgenommen“, ergänzt er. Seines Wissens nach ohne Durchsuchungsbefehl. Auf Anfrage erklärt Julia Meyer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig den Hintergrund: „Die Staatsanwaltschaft hatte glaubhafte Hinweise erhalten, dass man in der Hanfbar Marihuana zum Rauschkonsum erwerben könne. Deshalb wurde beim Amtsgericht ein schriftlicher Durchsuchungsbeschluss beantragt.“ Vor Ort erfuhren die Beamten von dem Lager in der Innenstadt. „Im Eilverfahren wurde ein mündlicher Durchsuchungsbeschluss beantragt und vom Gericht erlassen“, so die Staatsanwältin.

Die beschlagnahmte Ware – insbesondere loser Tee – werde nun auf einen möglichen Wirkungsgehalt untersucht.

Bardia Hatefi sagt: „Wir haben nichts zu verbergen. Wir sind ein reiner Gesundheitsladen. Der THC-Gehalt von unseren CBD-Produkten ist so niedrig, dass er keine berauschende Wirkung hat. Selbst wenn man die Blüten raucht, wovon wir abraten“, ergänzt er.

THC? CBD? Das erklären wir kurz: Beides sind Wirkstoffe von Hanfpflanzen. Tetrahydrocannabinol hat eine berauschende und psychoaktive Wirkung, es fällt unter das Betäubungsmittelgesetz und ist in Deutschland grundsätzlich verboten. CBD steht für Cannabidiol: Im Gegensatz zu THC hat CBD keine psychoaktive Wirkung, ruft also keine Halluzinationen oder Rauschzustände hervor. Es wird als Hausmittel und freiverkäufliches Nahrungsergänzungsmittel gerne gegen Schlafstörungen, Arthritis, Diabetes, Migräne oder bei chronischen Schmerzen eingesetzt. CBD ist krampflösend.

Nun enthalten CBD-Produkte aber in der Regel auch einen geringen Anteil an THC. Illegal sind Produkte ab einem THC-Gehalt von 0,2 Prozent. „Unsere Blütentees haben einen THC-Anteil von knapp 0,1 Prozent. Sie sind also legal. Wir haben das in Laborauswertungen alles dokumentiert und der Polizei vorgelegt“, erzählt Bardia Hatefi. Optisch seien Hanfblüten mit und ohne berauschender Wirkung aber kaum zu unterscheiden, gibt er zu. Er gehe, was die Durchsuchung angeht, erstmal von einem großen Missverständnis aus. „Ich hoffe nicht, dass dies eine Aktion war, weil wir hier politisch nicht gewollt sind“, sagt er.

Über Bardia Hatefi und Marcel Kaine, der die bundesweit erste Hanfbar vor gut einem Jahr zusammen mit Amina Zukic in Braunschweig gegründet hatte, haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Medien berichtet, insbesondere in den sozialen Netzwerken waren sie Thema. Die Jungunternehmer scheinen einen Nerv der Zeit getroffen zu haben, ihre Produkte sind gefragt. Im Mai haben sie einen Laden in Berlin eröffnet. Eigentlich haben sie allen Grund zu feiern: Drei Mitarbeiter beschäftigen sie bereits, weitere sollen in Kürze folgen. „Am Mittwoch haben wir eine GmbH gegründet, um weitere Mitarbeiter einstellen zu können“, sagt Bardia Hatefi. Am Samstag in einer Woche, am 14. Juli, wollen sie eine weitere Hanfbar am Friedrich-Wilhelm-Platz eröffnen. „Zur Eröffnung wird es eine Live-Bühne geben mit Konzerten“, kündigt Bardia Hatefi an. Auftreten wird unter anderem Rapper Marvin Game aus Berlin, der bei Jugendlichen recht bekannt ist. Marvin Game vertreibt seine eigene Cannabissorte „Obstsalat“ über die Hanfbar– über deren Online-Shop für legale Hanfprodukte.

Die beiden Existenzgründer hoffen nun, dass die Untersuchungen schnell abgeschlossen werden und sie ihre Produkte zurückbekommen. Bei Staatsanwältin Julia Meyer klingt das nicht unbedingt so: „Die Untersuchungen werden erfahrungsgemäß einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt sie: „Wann – und vor allem ob – die Ware überhaupt wieder ausgehändigt werden kann, hängt vom Ergebnis der Untersuchung ab.“ Weitere Details können sie mit Hinblick auf die laufenden Ermittlungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen.

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