Flughafen-Geschäftsführer: „Wir lassen den Fluglärm analysieren“

Braunschweig  Im zweiten Teil des Interviews mit Thies Hinckeldeyn geht es um Beschwerden von Anwohnern und nötige Sanierungen am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg.

Wie geht es am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg weiter? Die Verluste sind zuletzt gestiegen, der Sanierungsbedarf ist hoch. Aus diesem Grund wird die Flughafen-Gesellschaft zurzeit intensiv unter die Lupe genommen. Die Hauptgesellschafter, die Städte Braunschweig und Wolfsburg, lassen prüfen, wie sich der Flughafen künftig aufstellen muss. Eine wichtige Rolle spielt dabei Interims-Geschäftsführer Thies Hinckeldeyn. Er ist seit wenigen Monaten im Amt. Sein Auftrag: den weiteren Anstieg der Verluste stoppen. Welche Aufgaben außerdem anstehen, erläutert er im zweiten Teil des Interviews.

Herr Hinckeldeyn, der Flughafen hat an mehreren Stellen großen Sanierungsbedarf. Das Empfangsgebäude beispielsweise wirkt kein bisschen einladend. Es sollte längst erneuert worden sein, aber bisher ist kaum etwas geschehen. Wie viel müsste investiert werden, um alles auf Vordermann zu bringen?

Sie werden von mir jetzt keine Zahl hören.

Warum nicht?

Weil es zu gewagt wäre. Selbst wenn ich vieles einigermaßen einschätzen kann – die Substanzaufnahme ist noch nicht abgeschlossen. Dass der Sanierungsbedarf bei den Gebäuden so ist, wie er ist, hat auch damit zu tun, dass bisher nicht klar war, wohin sich die Branche und der Flughafen entwickeln. Das Unternehmensergebnis hat sich über die Jahre tendenziell verschlechtert, die Gesellschafter waren vorsichtig und haben eine generelle Untersuchung in Auftrag gegeben.

Jetzt sehen wir: Dieser Flughafen hat Potenzial. Er hat zwar ein strukturelles Defizit, aber das lässt sich inhaltlich begründen und nur begrenzt abbauen. Es macht Sinn, hier zu investieren.

Wo müsste aus Ihrer Sicht am dringendsten investiert werden?

Sie hatten es schon angesprochen: bei der An- und Abflugsituation. Das ist im Moment eine Katastrophe, das kann man so nicht machen. Wir sind jetzt dabei, alles konzeptionell aufzunehmen, Kosten zu ermitteln und Zeitpläne zu entwerfen. Im Sommer oder Herbst werden sich unsere Aufsichtsgremien mit mehreren Varianten befassen können, und dann wird sich dieses Unternehmen verändern. Die Zugewandtheit zum Kunden wird sich verbessern.

Der Lilienthalplatz soll ja auch umgebaut werden. Mit dem Lilienthalhaus gibt es seit vergangenem Jahr bereits einen neuen Blickfang. Zurzeit wird ein Parkhaus mit 600 kostenpflichtigen Stellplätzen gebaut. Es tut sich also einiges im Umfeld.

Ja, das ist Gold wert. Der Umbau des Platzes soll im April 2019 abgeschlossen sein, und dann müssen wir hier mit unseren Gebäuden mitziehen. Schauen Sie sich das Empfangsgebäude an, die Terrasse an, die Aussichtsplattform! Von der Substanz her ist das alles sehr schön, aber es wirkt ungepflegt. Das müssen wir ansprechender gestalten. An vielen Stellen würde es schon reichen, mal ein bisschen Farbe an die Wand zu bringen. Wir sollten aus dem ganzen Gebäude mehr machen. Hier war mal ein Hotel drin. Wenn wir dann auch noch in der Lage sind, Kunden und Gäste professionell zu begrüßen und zu begleiten, haben wir schon viel erreicht. Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen gern herkommen und hier ihre Zeit verbringen wollen.

Wenn Sie davon sprechen, dass Menschen gern zum Flughafen kommen sollen, drängt sich eine andere Frage auf: Was ist mit denjenigen, die im Umfeld des Flughafens wohnen? Seit Jahren gibt es immer wieder Beschwerden über Fluglärm. Befassen Sie sich auch mit diesem Thema?

Ja, das Thema hat scheinbar etwas Entzweiendes, was aber meiner Meinung nach gar nicht sein muss. Leider hat es sich über Jahre dahin entwickelt. Dem sollte sich der Flughafen objektiv und direkt stellen.

Wie soll das konkret aussehen? Anwohner fühlen sich ja unter anderem von Hobbyfliegern mit einmotorigen Maschinen belästigt, die wiederholt Runden über den Ortschaften im Bereich des Flughafens drehen. Es heißt, einige Piloten würden sich nicht an die vom Tower empfohlene Flugroute halten.

Wir haben in der Lärmschutzkommission erst kürzlich wieder intensiv darüber diskutiert. Ich kann den Ärger grundsätzlich nachvollziehen: Die einmotorigen Maschinen verursachen Lärm und fliegen meistens auch gerade dann, wenn man eigentlich seine Ruhe haben will, etwa am Wochenende.

Es gibt eine Empfehlung, wie die Piloten im Bereich des Flughafens fliegen sollen, wir reden hier von der Platzrunde. Unsere Tower-Lotsen achten möglichst genau darauf, dass diese Empfehlung eingehalten wird. Und die meisten Piloten tun das auch. Wenn trotzdem einige meinen, sich daran vorbeibewegen zu müssen, werden sie auch mal heranzitiert.

Ein weiterer Kritikpunkt von Anwohnern ist der Lärm, der bei größeren Maschinen sowohl von deren Hilfstriebwerken ausgeht, wenn sie hier stehen, als auch von den Boden-Stromaggregaten des Flughafens. Was lässt sich da machen?

Fangen wir mal mit den Boden-Stromaggregaten an, den Ground-Power-Units (GPU). Wir haben geprüft, wie laut sie wirklich sind: Wenn man hier eine GPU anwirft, kann man sie auf der anderen Seite des Platzes nicht heraushören, weil sie vom Verkehrslärm der A2 überlagert wird. Das scheint also keine relevante Lärmursache zu sein.

Trotzdem müssen wir uns dem GPU-Thema stellen: Wir haben nicht mehr die neuesten Modelle im Einsatz. Neue verfügen sicher über einen etwas besseren Lärmschutz. Diese Geräte kosten aber richtig Geld.

Wir wollen jetzt erst mal einen Mittelweg gehen: Unser technischer Leiter prüft, welche Möglichkeiten es gibt, unsere Aggregate mit einfachen Mitteln lärmmindernd auszustaffieren.

Und was ist mit den Hilfstriebwerken der Flugzeuge, die etwa für die Bordelektrik, zum Starten der Haupttriebwerke oder für die Enteisung im Winter benötigt werden?

Bei diesen sogenannten Auxiliary-Power-Units (APU) liegt die Sache anders: Die sind wirklich laut. Am Rollfeld stehen Schilder, die alle Piloten darauf hinweisen, dass die APU maximal zehn Minuten vor dem Start und nach der Landung laufen sollen.

Auch hier lautet die Kritik von Anwohnern, dass sich eben nicht alle Piloten daran halten.

Das stimmt, aber es wird tendenziell besser. Wir verlangen den Piloten das Bewusstsein ab, dass sie die APU nur so lange laufenlassen, wie es technisch nötig ist. Wenn Piloten sich nicht daran halten, gibt es Gespräche.

Weil uns das Thema Lärmschutz wichtig ist, schauen wir uns das Ganze mit der Technischen Universität Wildau jetzt auch genauer und objektiv an. Die Uni befasst sich mit Fluglärm und soll hier in Kürze untersuchen, wo und wann Lärm entsteht.

Mit den Ergebnissen können wir dann viel gezielter auf unsere Nutzer zugehen und darüber reden, wie sich Lärm vermeiden lässt. Man kann zum Beispiel prüfen, ob bei Motorentests mobile Lärmschutzwände aufgestellt werden können. Ich gehe davon aus, dass wir das Thema über die Analyse der Universität etwas befrieden und vor allem versachlichen können. Das ist uns wichtig.

Den ersten Teil des Interviews finden Sie hier.

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