„Wir müssen diese Schule retten!“

Braunschweig  Die Braunschweigerin Katharina Mählmann hat das Gebäude in Ghana einst mitgebaut. Doch jetzt steht das Projekt auf der Kippe.

Wer kann schon von sich behaupten, eine Schule mit aufgebaut zu haben? Katharina Mählmann kann es. Die 32-Jährige ist Lehrerin am Martino-Katharineum. Vor sieben Jahren, als sie noch im Studium war, verbrachte sie ein Auslandssemester in Ghana.

Eigentlich hatte die Braunschweigerin damals gerade zwei Semester in den USA hinter sich und wollte ihr Examen in Angriff nehmen. Da erzählte ihr Professor an der Uni von Ghana. Kurzentschlossen bewarb sie sich – und bekam den Zuschlag.

So also kam sie nach Ghana. Auf dem Campus der Uni in Accra lernte sie zufällig Kofi und Cujoe kennen, zwei Einheimische, die in einem vorübergehend leerstehenden Rohbau ehrenamtlich Kinder unterrichten. „Diese Familien konnten sich das Schulgeld für eine staatliche Schule nicht leisten. Ohne Cujoe und Kofi hätten die Kinder keine Chance auf Bildung gehabt“, erklärt Mählmann.

Der Pachtvertrag wurde gekündigt

Zusammen mit mehreren Mitstudenten schaute sie sich die provisorische Schule an – und war sofort bereit, dort für die Dauer ihres Aufenthalts Mathe und Englisch zu unterrichten. Doch kurz darauf mussten die Schüler raus aus dem Rohbau. „Wir wollten helfen, eine dauerhafte Bleibe zu schaffen“, sagt sie. „Jede Gemeinde dort hat einen König. Cujoe und Kofi baten ihn, ein Stück Land pachten zu dürfen.“ In Deutschland sammelten sie Spenden und bauten auf dem Acker in Eigenleistung ein Holzhaus mit vier Klassenzimmern.

Die Schule habe sich gut entwickelt: Derzeit werden dort 60 Kinder unterrichtet, und jeden Tag wird in der Schule ein Mittagessen gekocht. „Die Schüler lernen Rechnen und Schreiben, bekommen so eine ordentliche Basis und können sogar einen staatlich anerkannten Schulabschluss machen“, so die Lehrerin. Auch Englisch lernen die Kinder. Englisch ist zwar Amtssprache in Ghana. Doch viele der Schüler sprechen lediglich eine der mehr als 40 Stammessprachen – und hätten so kaum eine Chance auf einen vernünftige Job.

Alles lief also gut. Doch nun hat der Eigentümer des Grundstücks den Pachtvertrag gekündigt. Er brauche das Land für seine Kinder. Das hätte das Aus für die kleine Schule bedeuten können. Doch Katharina Mählmann und ihre Mitstreiter wollten das nicht akzeptieren. Vor Ort haben sie nun für rund 10 000 Euro ein benachbartes Grundstück gekauft. Einen Großteil des Geldes haben sie bereits an Spenden eingeworben – über Crowdfunding im Internet und eine Kirchengemeinde in Hessen, die das Projekt unterstützt und dort regelmäßig nach dem Rechten sieht.

Es fehlt Geld für das neue Gebäude

Doch noch fehlt das Geld für ein neues Schulgebäude. „Wir könnten das alte Gebäude abbauen und aus dem, was noch verwertbar ist, ein neues Holzhaus bauen“, sagt die Sport- und Englischlehrerin. Doch das tropische Klima und die Termiten hätten dem Holz stark zugesetzt. „Ein Steinhaus wäre natürlich viel beständiger“, hofft sie auf ausreichend Spenden.

Sie plant, in den Sommerferien nach Ghana zu fahren, um bei der Umsetzung zu helfen. Bis zum Herbst muss alles fertig sein – dann läuft der Pachtvertrag aus.

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